Sü­ßes mit viel Ni­ko­tin

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT -

Die E-Zi­ga­ret­te „Ju­ul“aus den USA wird nächs­te Wo­che in Deutsch­land auf den Markt ge­bracht. Der Stu­dent Nat­han Behr be­rich­tet von sei­ner Ab­hän­gig­keit.

Die E-Zi­ga­ret­te „Ju­ul“, die aus­sieht wie ein zu lan­ger USB-Stick, ist für Nat­han Behr (20), der in Wa­shing­ton stu­diert, nicht mehr weg­zu­den­ken. Seit sein Mit­be­woh­ner ihm vor ei­nem Jahr ein Star­ter-Kit mit vier Ge­schmacks­rich­tun­gen ge­schenkt hat, ver­zich­tet er auf her­kömm­li­che Ta­bak-Zi­ga­ret­ten. Heu­te „ju­ult“er, wie Mil­lio­nen Ame­ri­ka­ner. Die US-Ge­sund­heits­be­hör­de FDA aber schlägt Alarm, denn die E-Zi­ga­ret­te „Ju­ul“ist stark ni­ko­tin­hal­tig und da­her sehr sucht­er­re­gend. Bald soll sie auch in Deutsch­land er­hält­lich sein.

Die E-Zi­ga­ret­te gibt es seit drei Jah­ren in Ge­schmacks­rich­tun­gen wie Mint, Man­go oder Ta­bak. „Ju­ul“be­steht wie an­de­re E-Zi­ga­ret­ten aus ei­ner Bat­te­rie, ei­nem Er­hit­zer und ei­ner Kap­sel mit Flüs­sig­keit. Auf­ge­la­den wird sie über ei­nen USB-An­schluss.

Am 12. De­zem­ber will Ju­ul Labs die E-Zi­ga­ret­te in Ham­burg prä­sen­tie­ren. Sie soll we­ni­ger Ni­ko­tin ent­hal­ten als in den USA. „Ju­ul soll­te we­der von Kin­dern oder Ju­gend­li­chen noch von (er­wach­se­nen) Nicht-Rau­chern ge­nutzt wer­den“, schreibt der Ge­schäfts­füh­rer von Ju­ul Labs Deutsch­land, Mar­kus Kra­mer, zwar. In den USA grei­fen je­doch ei­ner Stu­die der US-Ge­sund­heits­be­hör­de zu­fol­ge auch zahl­rei­che Min­der­jäh­ri­ge zur E-Zi­ga­ret­te. Für vie­le dürf­te es der ers­te Kon­takt mit dem Sucht­mit­tel Ni­ko­tin sein.

Der „Ju­ul“-Rau­cher Behr sagt: „Weil es ein­fach so le­cker schmeckt, will man es die gan­ze Zeit.“Er ha­be bei­na­he durch­ge­hend an sei­ner „Ju­ul“ge­zo­gen. Das ha­be ihm nicht gut­ge­tan.

Die üb­li­chen „Ju­ul“-Kap­seln in den USA ent­hal­ten 59 Mil­li­gramm Ni­ko­tin pro Mil­li­li­ter. Das ent­spricht ei­ner Ni­ko­tin-Kon­zen­tra­ti­on von 5 Pro­zent und ist selbst für er­fah­re­ne Rau­cher ex­trem viel. Erst seit ei­ni­gen Mo­na­ten sind in den USA auch Kap­seln mit ge­rin­ge­rer Do­sie­rung er­hält­lich.

In EU-Staa­ten dür­fen E-Li­quids ma­xi­mal 20 Mil­li­gramm Ni­ko­tin pro Mil­li­li­ter (1,7 Pro­zent) ent­hal­ten. Das wer­de auch bei den Pro­duk­ten, die nun auf den deut­schen Markt kom­men, der Fall sein, sag­te Kra­mer.

Ute Mons vom Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum warnt: „Auch wenn E-Zi­ga­ret­ten deut­lich we­ni­ger Schad­stof­fe ent­hal­ten als her­kömm­li­che Zi­ga­ret­ten, sind sie ge­sund­heit­lich be­denk­lich und be­sit­zen ein Ab­hän­gig­keits­po­ten­zi­al. Letz­te­res gilt ins­be­son­de­re für ,Ju­ul’, die selbst bei Ein­hal­ten der ge­setz­li­chen Vor­ga­ben mit 20 Mil­li­gramm pro Mil­li­li­ter sehr viel Ni­ko­tin ent­hält.“

Die Dro­gen­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Mar­le­ne Mort­ler, sag­te kürz­lich: „Der Fall ,Ju­ul’ zeigt, dass man den E-Zi­ga­ret­ten­markt nicht sich selbst über­las­sen kann. Wir müs­sen uns ge­nau an­schau­en, ob die ak­tu­el­le Ober­gren­ze beim Ni­ko­tin so in Ord­nung ist.“

„Weil es ein­fach so le­cker schmeckt, will man es die gan­ze Zeit“: Nat­han Behr mit ei­ner „Ju­ul“.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.