Kir­che in­ves­tiert Mil­lio­nen

Haller Tagblatt - - STUTTGART UND UMGEBUNG - Von Rai­ner Lang

Auf dem Mem­berg in Bad Cann­statt ist der Neu­bau von St. Pe­ter be­en­det. Auch im Wes­ten gibt es Plä­ne. Hier soll ein neu­er Treff­punkt im Stadt­teil ent­ste­hen.

Auf­bre­chen – so heißt das Mot­to der ka­tho­li­schen Kir­che in Stutt­gart. Als ei­nes der spek­ta­ku­lärs­ten Er­geb­nis­se gilt der ak­tu­ell ein­zi­ge Kir­chen­neu­bau in der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart auf dem Mem­berg in Bad Cann­statt. Dort weiht Bi­schof Geb­hard Fürst die Kir­che St. Pe­ter am kom­men­den Sonn­tag um 10 Uhr. Die letz­te Kir­chen­wei­he in Stutt­gart war vor 20 Jah­ren.

„In Zei­ten, in de­nen mehr Kir­chen ge­schlos­sen als neu ge­baut wer­den, ist das ein be­son­de­res Er­eig­nis“, be­tont das ka­tho­li­sche Stadt­de­ka­nat. Wäh­rend Pfar­rer Mar­tin Kneer auf dem Mem­berg die letz­ten Vor­be­rei­tun­gen für das Fest trifft, muss sich sein Kol­le­ge Wer­ner Laub im Stutt­gar­ter Wes­ten noch ge­dul­den, bis die Bag­ger an­rol­len. Auch hier ent­steht ein Mil­lio­nen­pro­jekt.

Ein ganz be­son­de­rer Tag wird der 9. De­zem­ber für Mar­tin Kneer sein. Der 74-Jäh­ri­ge be­glei­tet die Pla­nun­gen seit zehn Jah­ren und hat sei­nen Ru­he­stand im­mer wie­der hin­aus­ge­scho­ben, um bei der Ein­wei­hung da­bei sein zu kön­nen: „Für mich war es wich­tig, vom An­fang bis zum En­de zu er­le­ben, wie ei­ne neue Kir­che und ein neu­es Ge­mein­de­zen­trum ent­ste­hen“, freut er sich.

Stolz kann er auf das Er­geb­nis sein. Für rund 6,5 Mil­lio­nen Eu­ro ist in den ver­gan­ge­nen 20 Mo­na­ten nicht nur ei­ne neue Kir­che für die rund 1800 Ka­tho­li­ken auf dem Mem­berg ent­stan­den. Zu dem Neu­bau ge­hö­ren auch ein Ge­mein­de­zen­trum, ein Pfarr­bü­ro und ei­ne Kin­der­ta­ges­stät­te. Mög­lich ge­wor­den ist das Pro­jekt durch die Zu­sam­men­ar­beit mit der ka­tho­li­schen Stif­tung Lie­benau, die ei­nen Teil des Grund­stücks von der Ge­mein­de er­wor­ben hat, um dar­auf das So­zi­al­the­ra­peu­ti­sche Heim St. Da­mia­no mit Wohn­be­reich und Werk­statt zu er­rich­ten.

Ers­tes um­ge­setz­tes Vor­ha­ben

Die neue Kir­che ist mit 150 Plät­zen we­sent­lich klei­ner als die al­te, die 1972 eben­falls am zwei­ten Ad­vent ge­weiht wor­den war. Für die ka­tho­li­sche Kir­che in Stutt­gart ist St. Pe­ter die ers­te Stand­ort­ent­wick­lung, die um­ge­setzt wur­de. Im Rah­men des Pro­jekts „Auf­bre­chen“ gibt es 20 sol­cher Vor­ha­ben an un­ter­schied­li­chen Stand­or­ten, wo­zu Pro­jek­te wie das Zen­trum für Trau­er­pas­to­ral in De­ger­loch zäh­len. Wich­tig ist für die Ver­ant­wort­li­chen da­bei im­mer, dass kirch­li­che Räu­me al­len Bür­gern of­fen­ste­hen. „Wir wol­len uns be­wusst auch in den Stadt­teil hin­ein öff­nen und das Ge­mein­de­zen­trum zu ei­nem Ort der Be­geg­nung ma­chen“, er­läu­tert Pfar­rer Kneer den Ver­such der Öff­nung der Kir­che über den Kreis ih­rer Mit­glie­der hin­aus.

Das liegt auch Wer­ner Laub im Stutt­gar­ter Wes­ten am Her­zen. Der lei­ten­de Pfar­rer der ka­tho­li­schen Ge­samt­kir­chen­ge­mein­de Stutt­gart-West/Bot­nang treibt im Rah­men der Stand­ort­ent­wick­lung ein ehr­gei­zi­ges Vor­ha­ben in der Ge­mein­de St. Eli­sa­beth vor­an. An der Schwab­stra­ße will die nach Laubs An­ga­ben mit 9000 Mit­glie­dern größ­te Kir­chen­ge­mein­de Stutt­garts so et­was wie ein Haus der ka­tho­li­schen

Kir­che für den Stutt­gar­ter Wes­ten bau­en, das im Stadt­teil of­fen ist für al­le.

Et­was ban­ge wird dem stell­ver­tre­ten­den Stadt­de­kan in Stutt­gart schon an­ge­sichts der Preis­ent­wick­lung auf dem Bau­markt. „Die Kos­ten­ex­plo­si­on bringt uns ins Schwit­zen“, räumt Laub ein. Das Neu­bau­pro­jekt ist sei­ner Ein­schät­zung nach in­zwi­schen auf ei­nen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag ge­klet­tert. In das ak­tu­ell größ­te Bau­vor­ha­ben der ka­tho­li­schen Kir­che in Stutt­gart, das im kom­men­den Früh­jahr star­ten soll, ist der 47-Jäh­ri­ge so­zu­sa­gen hin­ein­ge­stol­pert, als er 2012 aus dem eher be­schau­li­chen Pful­lin­gen bei Reut­lin­gen nach Stutt­gart kam.

Räu­me für Ver­an­stal­tun­gen

Weil von An­fang an klar war, dass ei­ne Kir­chen­ge­mein­de nicht mehr wie frü­her ih­re Räu­me füllt, ist ei­ne neue Nut­zung vor­ge­se­hen. Da im Stadt­teil Or­te für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen rar sind, will die Kir­chen­ge­mein­de ih­re Rä­um­lich­kei­ten da­für güns­tig zur Ver­fü­gung stel­len.

So kann sich der Pfar­rer auch vor­stel­len, dass es ein­mal in der Wo­che ei­nen Mit­tags­tisch für Men­schen im Vier­tel gibt, die in Ge­sell­schaft es­sen wol­len. „Ziel muss es sein, die ka­tho­li­sche Kir­che mit Men­schen in Be­rüh­rung zu brin­gen, die schon lan­ge kei­ne Kir­che mehr be­tre­ten ha­ben, die­se an­zu­spre­chen und zu über­ra­schen“, sagt der Theo­lo­ge.

Fo­tos: Ian­no­ne/Heiss

Pfar­rer Laub treibt ein ehr­gei­zi­ges Vor­ha­ben vor­an: Im Wes­ten soll so et­was wie ein Haus der ka­tho­li­schen Kir­che ent­ste­hen (oben). Auch in Bad Cann­statt hat sich et­was ge­tan. Auf dem Mem­berg ist ei­ne neue Kir­che ent­stan­den (links).

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