R’n’B-Ko­loss R. Kel­ly ge­rät ins Wan­ken

Haller Tagblatt - - FEUILLETON -

Die Vor­wür­fe we­gen se­xu­el­len Miss­brauchs meh­ren sich. Doch der US-Sän­ger fei­ert trotz Raz­zi­en Ge­burts­tag.

Chi­ca­go. Statt von Charter­fol­gen han­deln Be­rich­te über R’n’B-Star R. Kel­ly die­ser Ta­ge von Kon­zert­ab­sa­gen, Raz­zi­en und Flucht­plä­nen. Mehr und mehr Men­schen dis­tan­zie­ren sich von dem Sän­ger, seit ei­ne vor­letz­te Wo­che im US-Fern­se­hen ge­star­te­te Doku-Se­rie die lan­ge Lis­te se­xu­el­ler Ver­feh­lun­gen und Miss­brauchs­fäl­le im Le­ben des 52-jäh­ri­gen Sän­gers öf­fent­lich macht.

„Bump n’ Gr­ind“, „The World’s Grea­test“, „I Be­lie­ve I Can Fly“– ge­mes­sen an sei­nen Hits ist der als Richard Syl­ves­ter Kel­ly am 8. Ja­nu­ar 1967 in Chi­ca­go (Il­li­nois) ge­bo­re­ne Sän­ger, Rap­per, Pro­du­zent und Schau­spie­ler ein Ko­loss. Welt­weit ver­kauf­te er mehr als 150 Mil­lio­nen Ton­trä­ger, er­hielt drei Gram­mys und Aus­zeich­nun­gen als er­folg­reichs­ter In­ter­pret der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te. Das Ma­ga­zin „Bill­board“lis­te­te ihn 2015 kurz nach Micha­el Jack­son, Stevie Won­der und Prin­ce.

Aber nun ge­rät die­ser Ko­loss ins Wan­ken. Mit der sechs­tei­li­gen Se­rie „Sur­vi­ving R. Kel­ly“, die Pay-TV-Sen­der A&E von 18. bis 20. Mai auch in Deutsch­land aus­strah­len will, ge­win­nen Miss­brauchs­vor­wür­fe ge­gen ihn an Schlag­kraft. Zahl­rei­che Frau­en wer­fen ihm vor, sie teils als Te­e­nies se­xu­ell oder emo­tio­nal miss­braucht zu ha­ben. An­schul­di­gun­gen, Skan­da­le und Ge­richts­ver­fah­ren be­gan­nen schon 1994 mit Kel­lys frag­wür­di­ger Ehe mit der da­mals 15-jäh­ri­gen Sän­ge­rin Aa­liyah, die spä­ter an­nul­liert wur­de. 2017 gab es Ge­rüch­te, er hal­te Frau­en auf ei­ner Art SexFarm fest. Im No­vem­ber kam ei­ne Kla­ge sei­ner zwei­ten Ex-Frau Drea hin­zu: emo­tio­na­ler, kör­per­li­cher und se­xu­el­ler Miss­brauch.

Wird R. Kel­ly zum ers­ten nam­haf­ten US-Mu­si­ker, den die #Me­Too-Be­we­gung zu Fall bringt? Den Hash­tag #Mu­teRKel­ly – bringt R. Kel­ly zum Schwei­gen – gibt es schon. Staats­an­wäl­te in Chi­ca­go und At­lan­ta be­fas­sen sich mit den Vor­wür­fen. Am Frei­tag durch­such­te die Po­li­zei sei­ne Woh­nung im Chi­ca­go­er Trump To­wer, die­se Wo­che sol­len Räu­me in ei­nem Wa­ren­la­ger fol­gen.

Bis­lang strei­tet er al­le Vor­wür­fe ab, wirft sei­nen Kri­ti­kern ei­ne Ruf­mord-Kam­pa­gne vor und fei­er­te zu­letzt an­geb­lich aus­ge­las­sen sei­nen 52. Ge­burts­tag. Doch Spo­ti­fy hat Kel­lys Mu­sik be­reits aus Play­lis­ten ge­löscht, La­dy Ga­ga nennt ihn auf Twit­ter „ab­so­lut furcht­bar“und will nie wie­der mit ihm ar­bei­ten. Bis R. Kel­ly sa­gen kann „The Storm Is Over Now“, dürf­te es ein lan­ger Weg sein.

Fo­to: ©PR/A&E/ Get­ty/Wil­li­ams

R. Kel­ly: Von „I Be­lie­ve I Can Fly“zu „Down Low“?

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