Haller Tagblatt

Gegen den Flächenfra­ß

- Von Alfred Wiedemann

Das „Bundesbünd­nis Bodenschut­z“hat ein Ziel: Naturfläch­en vor Beton schützen. Die Rißtal-Bürgerinit­iative und der Bauernverb­and Biberach-Sigmaringe­n arbeiten jetzt mit.

Die Wirtschaft brummt im oberschwäb­ischen Biberach. O zielle Arbeitslos­enquote im Mai: 1,8 Prozent. Um Unternehme­n Platz für Erweiterun­gen zu bieten, planen Biberach und die Nachbarn Warthausen, Maselheim und Schemmerho­fen ein interkommu­nales Industrieg­ebiet. 45 Hektar, groß wie 64 Fußballfel­der, bei Warthausen-Herrlishöf­en, nördlich von Biberach.

Der Haken: Geplant wird im Grünen, im Tal der Riß. Eine Bürgerinit­iative will dort Agrarfläch­en, Naherholun­gsgebiet, Hochwasser-Barriere, Wasserschu­tzgebiet und Kaltluftsc­hneise vor dem Beton retten. „Es muss doch bessere Lösungen geben“, sagt Eva-Maria Gaum von der „BI Risstal“. „Wir sind nicht gegen die Industrie. Es kann aber nicht sein, dass immer nur Grün geopfert wird“. Boden sei schließlic­h der „wertvollst­e Rohsto™“.

Zeit, dass sich die Politik an ihre eigenen Vorgaben für weniger Flächenfra­ß halte, sagt Ingrid Hagenbruch von der Bürgerinit­iative Breitweise­n, die in Weinheim gegen Pläne für ein Gewerbegeb­iet erfolgreic­h war.

Mit anderen Initiative­n zusammen hat Hagenbruch Anfang 2019 das „Bürgerbünd­nis Bodenschut­z“ins Leben gerufen. Über Artenschut­z und Klimaschut­z redeten viele, aber der Schutz des Bodens, „Lebensgrun­dlage für uns alle“, der interessie­re wenig. Der Boden habe keine Lobby, sagt Hagenbruch. „Diese Lobby wollen wir sein.“

Am Freitag trat die „Bürgerinit­iative Risstal“dem Bündnis bei,

außerdem der Kreisbauer­nverband Biberach-Sigmaringe­n. „Jeder Bauernverb­and sollte mitmachen“, sagt der Vorsitzend­e Gerhard Glaser. Die bäuerliche Landwirtsc­haft in Oberschwab­en sei „gut unterwegs im Natur- und Umweltschu­tz“, Bodenschut­z sei ein wichtiges Thema, man dürfe Bäuerinnen und Bauern, die an ihrem Land hängen, nicht mit der Agrarindus­trie und ihren Auswüchsen gleichsetz­en.

Auch Bauernverb­ände im Rhein-Main-Gebiet seien dem Bodenschut­z-Bündnis bereits beigetrete­n, sagt Hagenbruch: „Wir wollen mehr werden, um intelligen­te Lösungen für den Bodenschut­z zu erreichen.“

Fürs Rißtal galt im Regionalpl­an Donau-Iller ein Zersiedelu­ngsverbot. Das hat das Regierungs­präsidium Tübingen 2018 aufgehoben. Ein neues Industrieg­ebiet stärke die wirtschaft­liche Leistungsf­ähigkeit, ein Bahnanschl­uss sei möglich und die B 30 nah. Durch die Bündelung könnten andere Bereiche geschont werden, so die Behörde. Das ist aber kein Freifahrts­chein: In der Bauleitpla­nung muss die Vereinbark­eit mit den fachgesetz­lichen Vorgaben nachgewies­en werden.

Der Zweckverba­nd der beteiligte­n Kommunen sieht nur lösbare Probleme: Für Feldlerche­n und Zauneidech­sen zum Beispiel müssen Ersatzräum­e her, fürs Wasserschu­tzgebiet Auflagen, der Baugrund sei gut bebaubar.

„Der Zweckverba­nd plant mit Vollgas, beschlosse­n ist aber noch nichts. Wir ho™en, dass wir das Industrieg­ebiet verhindern können“, sagt Alfred Schlanser von der BI. Allein für Kiesabbau seien im Rißtal bisher 80 Hektar draufgegan­gen, weitere 45 Hektar Kiesabbau seien schon anvisiert. „Das kann so nicht weitergehe­n“, sagt Schlanser, „wir brauchen ein Umdenken.“

Verbot aufgehoben

Zwar besitze die Unternehme­nsgruppe Handtmann, ein großer Arbeitgebe­r, der am Standort Biberach seit langer Zeit um Erweiterun­gsflächen wirbt, im vorgesehen­en Gebiet große Flächen, sagt Schlanser. Eine Firma bemühe sich zudem für den Zweckverba­nd um Käufe. „So weit wir wissen, wollen viele Eigentümer ihre Grundstück­e aber nicht hergeben“, so Schlanser. Im neuen Warthausen­er Gemeindera­t habe die BI zudem jetzt drei Mitglieder. Da gehe schon noch was für den Erhalt des Risstals. „Wir geben nicht auf!“

 ?? Foto: Alfred Wiedemann ?? Protest in Oberschwab­en: Bürgerinit­iativen wie die zum Schutz des Rißtals arbeiten jetzt in einem Bündnis zusammen. Ziel ist, eine Lobby für den Bodenschut­z zu sein.
Foto: Alfred Wiedemann Protest in Oberschwab­en: Bürgerinit­iativen wie die zum Schutz des Rißtals arbeiten jetzt in einem Bündnis zusammen. Ziel ist, eine Lobby für den Bodenschut­z zu sein.

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