Fast 9000 Stel­len blei­ben frei

Im­mer häu­fi­ger kom­men Be­trie­be und Ju­gend­li­che nicht zu­sam­men – auch in Ba­den-Würt­tem­berg.

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK -

Ber­lin. Un­ter­neh­men in Ba­den­Würt­tem­berg ha­ben im­mer grö­ße­re Mü­he, ih­re Aus­bil­dungs­stel­len zu be­set­zen. Zwar ist zwi­schen 2009 und 2018 die Zahl der un­ver­mit­tel­ten Be­wer­ber deut­lich ge­sun­ken, sie bleibt aber über der Zahl der un­be­setz­ten Stel­len. Die­se hat sich mehr als ver­drei­facht, wie aus dem „Län­der­mo­ni­tor Be­ruf­li­che Bil­dung“her­vor­geht, den die Ber­tels­mann-Stif­tung verö ent­licht hat.

Die Ur­sa­chen für die­ses Pas­sungs­pro­blem sind viel­fäl­tig. Fast die Hälf­te der Stel­len blieb un­be­setzt, weil die Be­rufs­wün­sche der Be­wer­ber nicht zu den an­ge­bo­te­nen Stel­len pas­sen. Vor al­lem im Er­näh­rungs­hand­werk, in Ho­te­lund Gast­stät­ten­be­ru­fen so­wie in Me­tall­be­ru­fen herrscht Be­wer­ber­man­gel. Fast eben­so häu­fig kommt es vor, dass der Be­wer­ber nicht ge­eig­net ist oder er den Be­trieb für nicht at­trak­tiv ge­nug hält. Feh­len­de Mo­bi­li­tät ist hin­ge­gen we­ni­ger ein Pro­blem.

Ins­ge­samt zei­gen die Zah­len, dass die Chan­cen auf ei­nen Aus­bil­dungs­platz für Ju­gend­li­che sehr gut sind. Im ver­gan­ge­nen Jahr ka­men in Ba­den-Würt­tem­berg auf 100 Be­wer­ber 99,7 an­ge­bo­te­ne Stel­len. Das Ver­hält­nis ist da­mit fast aus­ge­gli­chen – al­ler­dings gibt es gro­ße re­gio­na­le Un­ter­schie­de: Wäh­rend es in den Ar­beits­agen­tur­be­zir­ken Kon­stanz-Ra­vens­burg (106,8) und Ulm (104,5) mehr An­ge­bo­te als Be­wer­ber gibt, ist in Wai­b­lin­gen das Ver­hält­nis schlech­ter: Dort kom­men auf 100 Be­wer­ber nur 90,2 Stel­len­an­ge­bo­te.

Fir­men sol­len at­trak­ti­ver wer­den

Bil­dungs­mi­nis­te­rin An­ja Kar­lic­zek (CDU) nahm die Be­trie­be in die Pflicht, Ju­gend­li­chen gu­te Be­din­gun­gen zu scha en. „In die­ser Wahl­pe­ri­ode steht für mich die be­ruf­li­che Aus­bil­dung mit vie­len Maß­nah­men im Mit­tel­punkt. Ta­rif­part­ner und Be­trie­be müs­sen aber auch noch mehr mit at­trak­ti­ven An­ge­bo­ten und Ide­en auf die Ent­wick­lung in den je­wei­li­gen Re­gio­nen ein­ge­hen“, sag­te Kar­lic­zek die­ser Zei­tung.

Sie glaubt nicht, dass die Hö­he der Aus­bil­dungs­ver­gü­tung ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spielt. „Sie ist sel­ten ent­schei­dend bei der Wahl ei­nes Aus­bil­dungs­be­rufs“, so die Bil­dungs­mi­nis­te­rin. „Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten, Ar­beits­zei­ten, Ar­beits­be­din­gun­gen und An­se­hen sind eben­falls wich­tig. Da­her sind vor al­lem die be­tro enen Bran­chen und Be­trie­be ge­fragt, den jun­gen Leu­ten at­trak­ti­ve An­ge­bo­te zu ma­chen.“

Die Ber­tels­mann-Stif­tung schlägt ei­ne Aus­bil­dungs­ga­ran­tie vor. „Wir müs­sen die In­te­gra­ti­ons­kraft des Aus­bil­dungs­sys­tems stär­ken“, sag­te Stif­tungs­vor­stand Jörg Drä­ger. Aus­bil­dungs­plät­ze sol­len für den Fall vor­ge­hal­ten wer­den, dass Be­wer­ber leer aus­ge­hen. Das soll ö ent­lich fi­nan­ziert wer­den und sich an den Be­dar­fen der Re­gi­on ori­en­tie­ren. Kar­lic­zek hält da­von nichts: „Die ge­mein­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung von Wirt­schaft und Staat für ei­ne gu­te Aus­bil­dung heu­te darf nicht zur Dis­po­si­ti­on ge­stellt wer­den.“Ma­thi­as Pud­dig

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