„Über ein Drit­tel der Wind­parks schreibt kei­ne schwar­zen Zah­len“

Haller Tagblatt - - LESERFORUM - Zum The­ma Wind­kraft

Zum „Ab­sturz der Wind­kraft“: Wenn man schon ei­nen Län­der­ver­gleich be­züg­lich des Zu­baus von Wind­ener­gie­an­la­gen macht, soll­te man auch er­wäh­nen, wie vie­le An­la­gen in den ver­gli­che­nen Län­dern schon ste­hen, und da liegt Deutsch­land mit in­zwi­schen über 30000 An­la­gen weit vorn. Schon seit län­ge­rem fällt auf, dass der Zu­wachs an tat­säch­lich pro­du­zier­tem Wind­strom klei­ner ist als die Zu­nah­me der An­la­gen. Da ma­chen sich zum ei­nen die seit Jahr­zehn­ten ab­flau­en­den Wind­ge­schwin­dig­kei­ten be­merk­bar und zum an­de­ren ste­hen in vie­len Wind­parks die Wind­rä­der zu dicht und neh­men sich ge­gen­sei­tig den Wind weg.

Das „Er­neu­er­ba­re-Ener­gi­enGe­setz“(EEG) be­vor­zugt in ex­tre­mer Wei­se Wind­rad­be­trei­ber, die so­gar für Strom be­zahlt wer­den, den sie gar nicht ge­lie­fert ha­ben! Trotz­dem hat bei der Bür­ger­ver­samm­lung in Mi­chel­feld zu den ge­plan­ten An­la­gen der Re­fe­rent der Stadt­wer­ke ge­warnt, in so­ge­nann­te Bür­ger­kraft­wer­ke zu in­ves­tie­ren, da der wirt­schaft­li­che Er­folg frag­lich sei. Über ein Drit­tel der deut­schen Wind­parks schreibt trotz der Be­vor­zu­gung durch das EEG kei­ne schwar­zen Zah­len. Welt­weit ste­hen die höchs­ten An­la­gen bei uns.

Groß scheint auch das schlech­te Ge­wis­sen der Be­trei­ber über die­se mons­trö­se Land­schafts­ver­schan­de­lung zu sein. Das schlie­ße ich aus den irr­wit­zi­gen Pacht­prei­sen, die sie jähr­lich an die Land­ei­gen­tü­mer über­wei­sen, die mir wie ei­ne Art Schmier­geld­zah­lung vor­kom­men. Wie sonst er­klärt man sich, dass ein Ver­päch­ter über 20 Jah­re jähr­lich den mehr­fa­chen Kauf­preis sei­nes Lan­des als Pacht er­hält?

Und der Ver­päch­ter be­ru­higt da­mit sein un­gu­tes Ge­fühl , weil er das Land, das un­se­re Vor­fah­ren in christ­li­cher De­mut für die Zu­kunft ih­rer Kin­der ge­pflegt ha­ben, für im­mer mit gi­gan­ti­schen Be­ton­fun­da­men­ten eins­ar­gen lässt.

Zum Ver­lust der Ar­beits­plät­ze: Das EEG lenkt über die höchs­ten Strom­prei­se in Eu­ro­pa un­ser Geld in ei­ne ka­pi­tal­in­ten­si­ve In­dus­trie, wo nur ein Teil da­von bei den dort be­schäf­tig­ten Men­schen lan­det, ein gro­ßer Teil aber die Zins­for­de­run­gen der Kre­dit­ge­ber be­dient und so die sich be­schleu­ni­gen­de Um­ver­tei­lung von den Ar­bei­ten­den zu den Be­sit­zen­den be­feu­ert. Wie viel mehr Al­ten­pfle­ger, Kran­ken­schwes­tern, Kin­der­gärt­ner oder Hei­l­er­zie­hungs­pfle­ger könn­ten wir da­mit be­zah­len? Wir ma­chen uns ver­rückt we­gen ei­ner seit 40 (!) Jah­ren pro­phe­zei­ten Kli­ma­ka­ta­stro­phe, igno­rie­ren die all­ge­gen­wär­ti­ge so­zia­le Ka­ta­stro­phe, knau­sern bei den Ren­ten, strei­chen Stel­len im so­zia­len Be­reich, be­schäf­ti­gen eu­ro­pa­weit den höchs­ten An­teil an Men­schen im Nied­rig­lohn­sek­tor und ver­schan­deln dann mit dem er­spar­ten Geld un­se­re wun­der­schö­ne Kul­tur­land­schaft, tö­ten mas­sen­haft Tie­re , die wir ei­gent­lich schüt­zen woll­ten, ar­bei­ten und be­zah­len für Strom, den wir nicht brau­chen und kau­fen dann bei Flau­te Koh­le- und Atom­strom aus Frank­reich, Po­len oder Tsche­chi­en. Andre­as Be­cker Mi­chel­feld

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