Mit High­tech-As­phalt ge­gen Luft­ver­schmut­zung

Die Bran­che im Land will kli­ma­neu­tral wer­den und for­dert da­für po­li­ti­sche Un­ter­stüt­zung. Die Auf­trags­bü­cher sind noch für Jah­re voll.

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Von Li­sa Ma­ria Spor­rer

oll­te das Pi­lot­pro­jekt er­folg­reich sein, könn­ten in vie­len deut­schen Städ­ten die Die­sel-Fahr­ver­bo­te vom Tisch sein: Im Kampf ge­gen zu ho­he Schad­s­to¡wer­te in der Luft macht näm­lich mo­men­tan die Bau­bran­che mit ei­nem High­tech-As­phalt von sich re­den. Der neue As­phalt, der am Stutt­gar­ter Neckar­tor ge­tes­tet wird, ent­hält Titan­di­oxid, das die schäd­li­chen Stick­oxi­de aus dem Aus­pu¡ ab­sor­bie­ren und in un­schäd­li­che Sto¡e um­wan­deln soll.

So­bald die Son­ne scheint, wirkt das Titan­di­oxid wie ei­ne Art Ka­ta­ly­sa­tor. Das um­ge­wan­del­te Ni­trat wird dann beim nächs­ten Re­gen ein­fach in die Ka­na­li­sa­ti­on ge­spült. Mit bis zu 26 Pro­zent Stick­oxid-Re­du­zie­rung rech­net der Her­stel­ler Stra­bag; Die Er­geb­nis­se des bun­des­weit ers­ten und wis­sen­schaft­li­che be­glei­te­ten Pro­jekts, sol­len bald vor­lie­gen.

„Es gibt in­ter­es­san­te Neu­ent­wick­lun­gen in Sa­chen Um­welt­schutz“, sag­te der Prä­si­dent der Bau­wirt­schaft Ba­den-Würt­tem­berg, Mar­kus Böll, in Stutt­gart. So soll, eben­falls im Be­reich Stra­ßen­bau, ein neu­es In­for­ma­ti­ons­sys­tem für den As­phalt­ein­bau, das so ge­nann­te QSBW 4.0, zum Emis­si­ons­schutz bei­tra­gen: Durch ge­ziel­te GPS-Steue­rung der Lie­fer­we­ge sol­len St­au­fahr­ten ver­mie­den wer­den.

„Kli­maas­pek­te spie­len auch bei den un­ter­ir­di­schen Lei­tungs­net­zen ei­ne wich­ti­ge Rol­le“, führ­te Vi­ze­prä­si­dent Ma­thi­as Wag­gers­hau­ser das The­ma wei­ter: Von

Sden 78 000 Ki­lo­me­tern Ab­was­ser­ka­na­li­sa­ti­on im Land sei­en mehr als die Hälf­te be­schä­digt. Au­ßer­dem be­gin­ne bald das Groß­pro­jekt für die Lei­tungs­tras­se von Sue­dLinks, das um­welt­freund­li­chen Strom in den Sü­den trans­por­tie­ren soll. 97 der 680 Ki­lo­me­ter füh­ren durch Ba­den-Würt­tem­berg. „Das wird auch ei­ne gro­ße Auf­ga­be für uns“, sag­te Wag­gers­hau­ser. Zu­mal die Frei­lei­tun­gen da­für we­gen Bür­ger­pro­tes­ten un­ter der Er­de ver­lau­fen sol­len. Da­durch wer­de das Vor­ha­ben gut drei­mal so teu­er. Ver­an­schlagt wa­ren bis­lang rund 10 Mrd. €.

Es gibt al­so wei­ter­hin viel zu tun für die Bau­wirt­schaft, die sich auch zu­frie­den zeig­te mit der bis­he­ri­gen bau­kon­junk­tu­rel­len Ent­wick­lung in Ba­den-Würt­tem­berg. Bis En­de 2019 wird ein Um­satz­wachs­tum von 8 Pro­zent auf rund 10 Mrd. € er­war­tet. Das Um­satz­plus der grö­ße­ren Bau­un­ter­neh­men be­trug zwi­schen Ja­nu­ar und

Ju­li die­ses Jah­res 14 Pro­zent. Die Auf­trags­ein­gän­ge stie­gen um 19 Pro­zent.

Die Wohn­bau­ge­neh­mi­gun­gen san­ken da­ge­gen zum Vor­jahr um 6 Pro­zent auf 25 574 Wohn­ein­hei­ten, wo­bei ab dem zwei­ten Quar­tal die Ge­neh­mi­gungs­zah­len wie­der stär­ker ins Plus dreh­ten.

„Wir sind uns der Auf­ga­be des kli­ma­neu­tra­len Bau­ens durch­aus be­wusst“, sag­te Böll. Die Baus­to¡in­dus­trie ha­be sich in die­sem Be­reich wei­ter­ent­wi­ckelt: So wer­den mitt­ler­wei­le Hy­bridzie­gel ver­baut, die Wär­me und Strom er­zeu­gen kön­nen oder en­er­gie­ef­fi­zi­en­ter Po­ren­be­ton. „Wir sur­fen heu­te auf ei­ner Kli­ma­wel­le, müs­sen aber auf­pas­sen, dass sie uns nicht ver­schluckt“, warn­te Böll.

Bis­her ge­he es im Be­reich Haus­bau vor­ran­gig um en­er­ge­ti­sches Sa­nie­ren. Das sei zu kurz ge­dacht, sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Möl­ler: Es ge­he auch um die Er­rich­tung und die Ent­sor­gung. Bei­des blie­be beim Kli­ma­schutz noch un­be­ach­tet.

Der Ver­band for­dert des­halb nicht nur ei­nen Mas­ter­plan für die Lei­tungs­net­ze, son­dern auch ein Netz­werk, das über zu kurz ge­dach­te Kon­zep­te hin­aus denkt. Et­wa die­ses: Ge­ra­de erst presch­te der Tü­bin­ger Ober­bür­ger­meis­ter mit der For­de­rung nach ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Häu­sern in Holz­bau­wei­se vor. „Mei­ner Mei­nung nach wer­den wir mit Holz­hüt­ten in Ba­den-Würt­tem­berg nicht das Welt­kli­ma ret­ten“, sag­te Böll da­zu. Durch­aus ha­be die­se Bau­wei­se ih­re Be­rech­ti­gung. Weil es aber auch bei Ze­ment und Zie­gel­stei­ne kli­ma­freund­li­che Al­ter­na­ti­ven ge­be, dür­fe die Lan­des­re­gie­rung die Holz-Bau­wei­se nicht be­vor­zu­gen.

Wir sur­fen auf ei­ner Kli­ma­wel­le, müs­sen aber auf­pas­sen, dass sie uns nicht schluckt. Mar­kus Böll Prä­si­dent der Bau­wirt­schaft

Fo­to: Mar­tin Schutt/dpa

Die Bau­wirt­scha ver­zeich­net gro­ße Zu­wäch­se bei den Au rä­gen. Wie für die­ses Wa­ren­la­ger.

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