Mu­sik­hö­rer ge­ben wie­der gern Geld aus

Der Trend geht zum di­gi­ta­len Mu­sik­kon­sum – auch in Deutsch­land. Und die Hö­rer sind be­reit, da­für zu be­zah­len.

Haller Tagblatt - - FEUILLETON -

Ham­burg. Mu­sik­hö­rer in Deutsch­land stei­gen zwar zu­neh­mend von CDs auf Strea­m­ing um – sie scheu­en aber nicht da­vor zu­rück, ins­ge­samt mehr Geld aus­zu­ge­ben. Das er­gibt sich aus ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Lang­zeit­stu­die der Uni­ver­si­tät Ham­burg mit 2514 Men­schen zwi­schen 16 und 70 Jah­ren, de­ren Er­geb­nis­se ei­ner drit­ten Be­fra­gungs­wel­le (Ju­li 2019) am Mitt­woch vor­ge­stellt wur­den.

Dem­nach sind die Be­frag­ten be­reit, mehr Geld für Com­pact-Discs oder Vi­nyl-Plat­ten zu in­ves­tie­ren: Im Schnitt 14,40 Eu­ro, das sind vier Pro­zent mehr als bei der Be­fra­gung vor ei­nem Jahr, wür­den Mu­sik­fans für ein so­ge­nann­tes phy­si­sches Al­bum hin­blät­tern. Für ein Di­gi­ta­l­al­bum, al­so Down­load oder Stream, wä­ren die Kun­den im Schnitt be­reit, 8,40 Eu­ro aus­zu­ge­ben (plus zwölf Pro­zent). Mög­lichst bil­lig oder gar um­sonst ist al­so für vie­le kein ent­schei­den­des Kri­te­ri­um.

„Ech­te Mu­sik“wird ge­schätzt

Ei­ne gu­te Nach­richt für Kon­zert­ver­an­stal­ter: Es gibt ei­ne wei­ter­hin gro­ße Wert­schät­zung für „ech­te Mu­sik“. So kön­nen für 86 Pro­zent der Be­frag­ten Vi­de­os den Be­such von Live-Events nicht er­set­zen. Fast 50 Eu­ro wür­den die Kon­su­men­ten in Deutsch­land für das Kon­zert ei­nes in­ter­es­san­ten Künst­lers aus­ge­ben – neun Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Die Zah­lungs­be­reit­schaft für Kon­zer­te in Hal­len nimmt da­bei leicht zu, für den Be­such von Fes­ti­vals oder klei­nen Clubs wür­den die Be­frag­ten ten­den­zi­ell we­ni­ger in­ves­tie­ren. Un­ter Men­schen mit mu­si­ka­li­scher Vor­bil­dung be­steht in al­len Be­rei­chen ei­ne über­durch­schnitt­li­che Zah­lungs­be­reit­schaft, zu­gleich kon­su­mie­ren sie we­ni­ger Main­stream und su­chen häu­fi­ger ak­tiv nach neu­en Sounds.

Ein wei­te­res Er­geb­nis: Ins­ge­samt wird Mu­sik zu­neh­mend mo­bil kon­su­miert, vor al­lem über das Smart­pho­ne. Die klas­si­sche Ste­reo­an­la­ge (mi­nus 5 Pro­zent­punk­te) hat es da­ge­gen im­mer schwe­rer, „Smart Spea­ker“(in­tel­li­gen­te Laut­spre­cher­sys­tem) wer­den be­lieb­ter. Die Nut­zung kos­ten­pflich­ti­ger Strea­m­ing­diens­te – et­wa von Spo­ti­fy, Ama­zon, Dee­zer oder App­le – hat in­ner­halb ei­nes Jah­res von 24 auf 26 Pro­zent der Be­frag­ten zu­ge­nom­men.

Bei 783,2 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz in den ers­ten sechs Mo­na­ten 2019 ver­zeich­ne­te die Mu­sik­wirt­schaft ein Plus von knapp 60 Mil­lio­nen Eu­ro (7,9 Pro­zent) im Ver­gleich zum Vor­jahr. Die Markt­an­tei­le ver­schie­ben sich da­bei si­gni­fi­kant: CDs hat­ten zu­letzt nur noch 28,2 Pro­zent Markt­an­teil (nach 36,4 Pro­zent im Ge­samt­jahr 2018), Vi­nyl-Plat­ten gleich­blei­bend 4,4 Pro­zent. Das Strea­m­ing hin­ge­gen leg­te von Ja­nu­ar bis Ju­ni um sat­te 27,7 Pro­zent zu und hat nun 56,4 Pro­zent Markt­an­teil (Ge­samt­jahr 2018: 46,4). dpa

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