Kas­sen zah­len Tri­so­mie-21-Blut­test

Frau­en muss­ten die Blutunters­uchung bis­her selbst be­zah­len – ob­wohl das Ver­fah­ren we­ni­ger Ri­si­ken birgt. Doch nicht al­le Be­trof­fe­nen er­hal­ten die neue Leis­tung.

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Ha­jo Zen­ker

Zu­stän­di­ger Aus­schuss be­grenzt Er­laub­nis auf „be­grün­de­te Ein­zel­fäl­le“.

Ber­lin. Die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen sol­len Blut­tests bei Schwan­ge­ren auf ein mög­li­ches Down-Syn­drom des un­ge­bo­re­nen Kin­des be­zah­len – al­ler­dings nur „in be­grün­de­ten Ein­zel­fäl­len und nach ärzt­li­cher Be­ra­tung“. Das ent­schied der für Kas­sen­leis­tun­gen zu­stän­di­ge Ge­mein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G-BA) nach drei Jah­ren der Be­ra­tung und Prü­fung.

Ziel sei es, bei Ri­si­ko­schwan­ger­schaf­ten die bis­her ver­wen­de­te Frucht­was­ser­un­ter­su­chung zu ver­mei­den, bei der das Ri­si­ko ei­ner Fehl­ge­burt oder ei­ner Schä­di­gung des Kin­des be­steht – an­ders als beim Blut­test. Es er­schei­ne „nicht be­gründ­bar, den be­tro›enen Schwan­ge­ren die­ses ri­si­koär­me­re Test­ver­fah­ren vor­zu­ent­hal­ten“, sag­te G-BA-Chef Jo­sef He­cken.

Al­ler­dings sol­le es kei­ne „Rei­hen­un­ter­su­chung al­ler Schwan­ge­ren“ge­ben. Nicht ein­mal das ver­gleichs­wei­se ho­he Al­ter ei­ner Schwan­ge­ren al­lein soll aus­rei­chen. Da­bei liegt bei Frau­en un­ter 25 Jah­ren das Ri­si­ko auf ein Down-Syn­drom des Kin­des bei 1:1000, bei über 40-Jäh­ri­gen be­trägt es be­reits 1:100. Laut G-BA gilt die Kas­sen­leis­tung nur „bei be­son­de­ren Ri­si­ken“ Sie müs­se „mit in­ten­si­ver Be­ra­tung und Auf­klä­rung ver­bun­den sein“. Zu­dem müs­se ei­ne ver­pflich­tend vor­ge­se­he­ne Ver­si­cher­ten­in­for­ma­ti­on aus­ge­ar­bei­tet wer­den. Ein In­kraft­tre­ten wird da­her erst für En­de 2020 er­war­tet. Zu­dem kön­ne der Bun­des­tag per Ge­setz die Re­ge­lung än­dern.

Ber­lin. Ein Blut­test auf das Down-Syn­drom wird zur Kas­sen­leis­tung – al­ler­dings nur bei Ri­si­ko­schwan­ger­schaf­ten. Das hat ges­tern der zu­stän­di­ge Ge­mein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G-BA) be­schlos­sen, in dem Kran­ken­kas­sen, Ärz­te, Kli­ni­ken und Pa­ti­en­ten­ver­tre­ter sit­zen. Fra­gen und Ant­wor­ten zum The­ma.

Was ist das Down-Syn­drom? Es han­delt sich um ei­nen Gen­de­fekt, der sich nicht be­he­ben lässt. Men­schen mit Down-Syn­drom ha­ben in je­der Zel­le ein Chro­mo­som mehr als an­de­re Men­schen, näm­lich 47 statt 46 Chro­mo­so­men. Da­bei ist das Chro­mo­som 21 drei­fach vor­han­den. Des­halb wird das Down-Syn­drom auch als Tri­so­mie 21 be­zeich­net. Ei­nes von 800 Neu­ge­bo­re­nen ist von der Stö­rung be­tro’en, die erst­mals vom eng­li­schen Arzt John Lang­don Down 1866 be­schrie­ben wur­de. Das Down-Syn­drom be­ein­flusst so­wohl die geis­ti­ge als auch die mo­to­ri­sche Ent­wick­lung. Auch die Le­bens­er­war­tung ist ge­rin­ger. Frü­her muss­ten Be­tro’ene ein Le­ben am Ran­de der Ge­sell­schaft füh­ren. Heu­te sind sie sicht­bar, als Haus­meis­ter­hel­fer genau­so wie als Schau­spie­ler.

Seit wann gibt es den Blut­test? Der ri­si­ko­lo­se Test ist be­reits seit Som­mer 2012 er­hält­lich. Zwei klei­ne Röhr­chen voll Blut rei­chen – und nach ei­ner Wo­che weiß die Schwan­ge­re mit 99-pro­zen­ti­ger Si­cher­heit, ob ihr Un­ge­bo­re­nes mit dem Down-Syn­drom zur Welt kom­men wür­de. Ei­ni­ge pri­va­te Kas­sen über­neh­men die Kos­ten. Ge­setz­lich Ver­si­cher­te muss­ten ihn bis­her selbst be­zah­len. Der Test ist von der zehn­ten Schwan­ger­schafts­wo­che an mög­lich.

Wie wur­de bis­her ge­tes­tet? Ri­si­ko­schwan­ge­re ha­ben seit über 30 Jah­ren den An­spruch auf ei­ne Frucht­was­ser­un­ter­su­chung. Bei die­ser wird mit ei­ner Na­del durch die Bauch­de­cke ge­sto­chen, es be­steht das Ri­si­ko ei­ner Fehl­ge­burt oder ei­ner Schä­di­gung des Kin­des. Bis­her ha­ben die Kas­sen al­so den ge­fähr­li­che­ren Ein­gri’ be­zahlt und den ri­si­ko­frei­en nicht. In der Schweiz ist durch den Blut­test die Zahl der Fehl­ge­bur­ten spür­bar ge­sun­ken.

Wer soll den Blut­test in Zu­kunft be­zahlt be­kom­men? Nur Frau­en mit be­son­de­ren Ri­si­ken. Das ver­gleichs­wei­se ho­he Al­ter ei­ner Schwan­ge­ren al­lein soll nicht aus­rei­chen.

Wird der Blut­test zu mehr Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen füh­ren? Das lässt sich schwer vor­her­sa­gen. Als der Blut­test in Dä­ne­mark Kas­sen­leis­tung wur­de, hal­bier­te sich zu­nächst die Zahl der Ge­bur­ten von Kin­dern mit Down-Syn­drom, mitt­ler­wei­le ist sie sta­bil. Stu­di­en in En­g­land wie­der­um zei­gen, dass sich et­wa ein Drit­tel der Frau­en nach po­si­ti­vem Er­geb­nis des Tests ent­schlie­ßen, das Kind zu be­hal­ten.

Fo­to: Chris­ti­an Ditsch/epd

Kund­ge­bung ge­gen den Tri­so­mie-Blut­test.

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