Mit dem Han­dy auf Strei­fe

Haller Tagblatt - - BLICK IN DIE WELT - Von Pe­ter St­rigl

Man­che Po­li­zis­ten in­sze­nie­ren sich in den so­zia­len Me­di­en und ha­ben da­mit gro­ßen Er­folg. Ih­re Chefs wis­sen nicht, wie sie da­mit um­ge­hen sol­len.

it­te fol­gen“, steht auf dem Dach­bal­ken, die Si­re­ne leuch­tet blau. Nur das Mar­tins­horn er­tönt nicht. Kann es auch nicht, weil die Si­re­ne nur ein klei­ner Icon auf ei­nem Ins­ta­gram-Fo­to ist. Und der zu­ge­hö­ri­ge User Co­pof­ber­lin ist nicht et­wa auf der Jagd nach Ver­bre­chern, son­dern nach neu­en Fol­lo­wern.

„In­sta­cops“sind kei­nes­wegs nur Ge­set­zes­hü­ter auf so­ci­al Me­dia: Co­pof­ber­lin fährt auch im rea­len Le­ben auf Strei­fe. Fotos von sich in Uni­form lädt er et­wa un­ter „auf geht’s in die Nacht“oder „der frü­he Vo­gel fängt den (kri­mi­nel­len) Wurm“hoch. Aber auch in All­tags­si­tua­tio­nen ist er auf sei­nem Ac­count zu se­hen: mit Hund San­cho, in der Dis­co oder beim Sport. Das kommt an: 6500 Abon­nen­ten hat der Ber­li­ner be­reits ge­sam­melt.

Ei­gent­lich sind die In­sta­cops al­so ganz nor­ma­le In­flu­en­cer. Doch es herrscht Ve­r­un­si­che­rung: „Was darf man, was darf man nicht?“, pos­te­te jüngst Be­reit­schafts­po­li­zis­tin_ber­lin. „Im Zu­sam­men­hang mit Straf­ta­ten oder Ver­stö­ßen ge­gen an­de­re be­am­ten­recht­li­che Vor­ga­ben, ist es klar, dass dies Fol­gen hat“, schreibt die Use­rin wei­ter. Wie an­de­re Be­am­te auch, müs­sen sich Po­li­zis­ten bei­spiels­wei­se in ih­rer Mei­nungs­äu­ße­rung mä­ßi­gen.

BDoch die Di­enst­her­ren vom Ber­li­ner Po­li­zei­prä­si­di­um ge­hen noch wei­ter. Sie ha­ben ei­ne Son­der­prü­fung der So­ci­al-Me­dia-Ak­ti­vi­tä­ten ih­rer An­ge­stell­ten be­an­tragt. Da­bei geht es auch um et­wai­ge Ver­stö­ße ge­gen dienst­recht­li­che Pflich­ten. Ob zum Co­pof­ber­lin

Bei­spiel wäh­rend der Ar­beits­zeit ge­pos­tet wird. Und ganz grund­sätz­lich: Ob sich das Da­sein als Po­li­zist mit dem ei­nes In­flu­en­cers ver­ein­ba­ren lässt.

„Fin­de ma­che Pos­tings ei­ni­ger „In­sta­cops“sehr grenz­wer­tig. Wir sind Po­li­zei­be­am­te. Kei­ne Wer­be­fi­gu­ren“, kom­men­tiert je­mand be­reit­schafts­po­li­zis­tin_ ber­lins Bei­trag. Der Mann, der sich auf sei­nem Pro­fil an­sons­ten nicht als Po­li­zist zu er­ken­nen gibt, bringt das Pro­blem auf den Punkt: Vie­le In­sta­cops ver­die­nen mit ih­ren Pro­fi­len Geld oder be­kom­men zu­min­dest Gra­tis­pro­duk­te für Wer­bung. Ist das mit der Stel­lung ei­nes Po­li­zis­ten in der ֕ent­lich­keit ver­ein­bar?

Na­di­ne Bern­eis kennt sich als Cy­ber-Po­li­zis­tin mit den so­zia­len Me­di­en aus. Seit An­fang des Jah­res ist die Stutt­gar­te­rin aber auch die ak­tu­el­le Miss Ger­ma­ny. „Was wir nicht möch­ten, ist ei­ne Ver­mi­schung von pri­va­ten und dienst­li­chen In­hal­ten“, heißt es beim zu­stän­di­gen In­nen­mi­nis­te­ri­um. Des­we­gen hat sich Bern­eis für ein Jahr vom Di­enst frei­stel­len las­sen. Auf Ins­ta­gram gibt es der­zeit nur Bil­der von ih­ren Shoo­tings als am­tie­ren­de Schön­heits­kö­ni­gin. Im nächs­ten Jahr will sie aber in Ab­spra­che mit ih­ren Di­enst­her­ren auch als Po­li­zis­tin auf Ins­ta­gram ak­tiv sein: „Dann will ich Sto­rys aus dem Bü­ro­all­tag pos­ten, um Ein­blick in das Le­ben ei­nes Po­li­zei­be­am­ten zu ge­ben.“

Das Po­li­zei­prä­si­di­um West­pfalz hat be­reits sol­che „Job-In­flu­en­cer“. Isabel Pe­le­gri und Fe­lix Brandt do­ku­men­tie­ren mit Er­laub­nis des Ar­beit­ge­bers ih­ren Di­enst in Kai­sers­lau­tern. Auf ei­nem Bild fo­to­gra­fiert Pe­le­gri ei­nen blu­ti­gen Fuß­bo­den nach ei­ner Blut­pro­be: „Wir als Po­li­zei be­kom­men im­mer wie­der die Ge­walt­be­reit­schaft ei­ni­ger Men­schen zu spü­ren“, schreibt sie da­zu. Nä­he­res dür­fe sie nicht ver­ra­ten, die Spu­ren stamm­ten aber aus­schließ­lich von der Blut­pro­be, ver­si­chert sie.

Die Ber­li­ner Kol­le­gen ge­hen ei­nen an­de­ren Weg: Dort pos­tet ein ei­ge­nes So­ci­al-Me­dia-Team im Na­men der Po­li­zei. Statt ei­nes In­flu­en­cers tau­chen so ganz vie­le ver­schie­de­ne Ge­sich­ter auf dem Ka­nal auf. Für die Be­am­ten mit pri­va­ten Ac­counts wol­len die Ber­li­ner in Zu­kunft „ver­läss­li­che Leit­plan­ken zur Nut­zung von So­ci­al Me­dia bie­ten“, so ein Pres­se­spre­cher auf An­fra­ge.

Der frü­he Vo­gel fängt den (kri­mi­nel­len) Wurm.

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