Te­am­view­ers stei­ler Auf­stieg

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Von Joa Schmid

Es ist der größ­te deut­sche Bör­sen­gang ei­nes IT-Un­ter­neh­mens seit der Dot­com-Bla­se. Die Schwa­ben sind welt­weit er­folg­reich und hoch­pro­fi­ta­bel.

aran, dass es am kom­men­den Mitt­woch Grün­de ge­nug ge­ben wird, an der Frank­fur­ter Wert­pa­pier­bör­se zu fei­ern, zwei­felt bei der Göp­pin­ger Soft­ware-Schmie­de Te­am­view­er kaum je­mand. Den­noch wird der ers­te Han­dels­tag mit Span­nung er­war­tet. In der Bran­che gilt als si­cher, dass der größ­te deut­sche Bör­sen­gang ei­nes Un­ter­neh­mens der In­for­ma­ti­on­tech­no­lo­gie (IT) seit dem Plat­zen der Dot­com-Bla­se er­folg­reich sein wird. Te­am­view­er rech­net mit Ein­nah­men zwi­schen 4,7 bis 5,5 Mrd. €. Es sol­len 84 Mio. Ak­ti­en an­ge­bo­ten wer­den.

Für An­le­ger gibt es we­nig Grün­de, das Ein­horn – so hei­ßen Un­ter­neh­men, die mehr als 1 Mrd. Dol­lar Wert sind und de­nen ei­ne gro­ße Zu­kunft vor­aus­ge­sagt wird – nicht ins Herz zu schlie­ßen. Fir­men­chef Oliver Steil ist sich si­cher: „Der Bör­sen­gang ist der rich­ti­ge Weg für uns.“

DPer­mi­ra steigt ein

Auch Per­mi­ra sieht das so. Der Lon­do­ner Fi­nanz­in­ves­tor, der Te­am­view­er vor fünf Jah­ren für 870 Mio. € er­wor­ben hat, bit­tet zu­ver­sicht­lich zur Kas­se. „Wir sind sehr stolz dar­auf, das Team in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren da­bei un­ter­stützt zu ha­ben, die­se ‚Tech-Er­folgs­ge­schich­te ma­de in Eu­ro­pe’ zu schrei­ben“, sagt Per­mi­ra-Deutsch­land-Chef Jörg Ro­cken­häu­ser und kün­digt an, auch nach dem Bör­sen­gang wer­de man Groß­ak­tio­när blei­ben.

Te­am­view­er er­lebt als welt­weit füh­ren­de Platt­form zur Ver­net­zung von Com­pu­tern ei­nen ko­me­ten­haf­ten Auf­stieg. Laut Fi­nanz­vor­stand Ste­fan Gai­ser ist das Un­ter­neh­men in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich ge­wach­sen. Der Um­satz klet­ter­te im ver­gan­ge­nen Jahr um 25 Pro­zent auf rund 230 Mio. € und in der ers­ten Hälf­te des ak­tu­el­len Ge­schäfts­jah­res um 37 Pro­zent auf 140 Mio. €.

Das ist für die Fir­ma aber kein Grund, sich auf ih­ren Lor­bee­ren aus­zu­ru­hen. „Wir wol­len uns ver­stärkt im asia­ti­schen Raum en­ga­gie­ren und ha­ben vier Bü­ros in Chi­na, Ja­pan, In­di­en und Sin­ga­pur erö¦net, um auf die­sen Wachs­tums­märk­ten Prä­senz zu zei­gen“, kün­digt Fir­men­chef Steil an. „Te­am­view­er ist hoch­pro­fi­ta­bel und fi­nan­ziert sein Wachs­tum aus dem Cash­flow, wir brau­chen für un­se­re Wachs­tums­stra­te­gie kei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung.“

Un­be­kann­ter Welt­markt­füh­rer

Die­ses Jahr er­war­te man 35 bis 39 Pro­zent mehr Um­satz. Der Fir­men­chef sagt: „Schön für die Mit­ar­bei­ter wä­re, wenn als Er­geb­nis aus dem Bör­sen­gang aus dem Hid­den Cham­pi­on ein Pu­b­lic Cham­pi­on wür­de.“

Der bis da­to noch kaum be­kann­te Welt­markt­füh­rer dürf­te bald ziem­lich be­kannt sein. Zu gut sind die Ge­schäfts­zah­len der Göp­pin­ger. Die­sen Er­folg hat­te sich Thi­lo Ross­ma­nith ver­mut­lich nicht im Traum vor­ge­stellt, als er die Fir­ma 2005 in Uhin­gen ge­grün­det hat. Zwar ent­wi­ckel­te er die Soft­ware nicht in ei­ner Ga­ra­ge, aber mit den Tech-Grün­dern im Si­li­con Val­ley hat­te der schwä­bi­sche Tüft­ler trotz­dem ei­ni­ges ge­mein.

Der da­mals 35-Jäh­ri­ge war von sei­ner Idee über­zeugt. „Wir wol­len wach­sen und wer­den das auch tun“, kün­dig­te er 2009 selbst­be­wusst an. Da war er mit sei­ner Oliver Steil klei­nen Fir­ma gera­de von Uhin­gen in ein Ge­wer­be­ge­biet bei Göp­pin­gen ge­zo­gen. Dort be­schäf­tig­te er 25 Mit­ar­bei­ter, die sich in den Pau­sen mit ei­nem Tisch­ki­cker die Zeit ver­trie­ben.

Eu­ro­pa­meis­ter wa­ren sie auch oh­ne Fuß­ball: Die selbst ent­wi­ckel­te Soft­ware er­wies sich als Best­sel­ler. Nur we­ni­ge Jah­re spä­ter hat­te sich die Be­leg­schaft ver­drei­facht und vie­le Stel­len wa­ren va­kant, weil das Un­ter­neh­men gar nicht schnell ge­nug Soft­ware­ent­wick­ler und Ver­triebs­mit­ar­bei­ter fin­den konn­te.

2010 wur­de das Start-up an den ame­ri­ka­ni­schen Soft­ware­her­stel­ler GFI ver­kauft. Es soll­te nicht lan­ge dau­ern, dann ge­hör­te Te­am­view­er zu­sam­men mit SAP und der Soft­ware AG zu den füh­ren­den Soft­ware-Her­stel­lern in Deutsch­land. Grund ge­nug für Per­mi­ra, groß ein­zu­stei­gen. Der Lon­do­ner Fi­nanz­in­ves­tor kauf­te Te­am­view­er für 870 Mio. € – ei­ne Ent­schei­dung, die sich jetzt beim Bör­sen­gang mehr als nur aus­zah­len dürf­te.

Schön wä­re, wenn aus dem Hid­den Cham­pi­on ein Pu­b­lic Cham­pi­on wür­de.

Der Sekt steht schon kalt

Die Te­am­view­er-Kun­den wer­den täg­lich mehr. Da­bei ist der welt­wei­te Markt im Zeit­al­ter des so­ge­nann­ten In­ter­net der Din­ge, al­so der Ver­net­zung von Ma­schi­nen, nicht ein­mal an­nä­hernd ge­sät­tigt. Dass Per­mi­ra an die Bör­se strebt, ist vor die­sem Hin­ter­grund nicht ver­wun­der­lich.

Glaubt man den Ana­lys­ten, dann hat der Fi­nanz­in­ves­tor gu­te Chan­cen, da­mit bis zu 5,5 Mrd. € ein­zu­fah­ren. Selbst wenn es we­ni­ger wer­den soll­te, gibt es am Mitt­woch auf dem Par­kett der Frank­fur­ter Bör­se ver­mut­lich ge­nü­gend Grund zum Fei­ern. Der Cham­pa­gner wird ver­mut­lich schon kalt ste­hen.

Der Weg von Te­am­view­er – hier die Fir­men­zen­tra­le in Göp­pin­gen – führt steil nach oben. Ein En­de des Wachs­tums ist nicht ab­zu­se­hen.

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