Zwerg­tau­cher wie­der ver­schwun­den

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL -

Pe­ter Tr­ka ver­mu­tet, dass das Brut­paar am Wei­her im Streifles­wald ge­stört wur­de.

Schwä­bisch Hall/Mi­chel­feld. Am 3. Au­gust be­rich­te­te Pe­ter Tr­ka von der NA­BU-Orts­grup­pe Schwä­bisch Hall über die er­folg­rei­che Brut ei­nes Zwerg­tau­cher­paars am Wald­wei­her im Streifles­wald. Seit ei­ni­gen Wo­chen aber hat er die Vö­gel nicht mehr be­ob­ach­ten kön­nen – trotz fast täg­li­cher Kon­troll­gän­ge. Der kleins­te eu­ro­päi­sche Tau­cher sei ei­ne sehr sen­si­ble Art, be­rich­tet er. Es sei mög­lich, dass er sich von Hech­ten oder Greif­vö­geln ge­stört fühl­te und flüch­te­te, oder dass die Vö­gel selbst zur Beu­te wur­den.

Hecht und Grei­fe un­ver­däch­tig

Weil der Wei­her klein und flach ist und die dort eben­falls an­säs­si­ge Bläss­huhn­fa­mi­lie ih­re bei­den Pul­li bis heu­te un­ver­sehrt groß­zie­hen konn­te, hält es Tr­ka al­ler­dings für eher un­wahr­schein­lich, dass es dort Hech­te gibt – zu­mal auch die Teich­frö­sche noch im­mer ihr Kon­zert ge­ben. Auch an Greif­vö­gel glaubt Tr­ka nicht: Die an­flieg­ba­re Flä­che sei für sie zu klein, zu­dem hät­ten sich die Zwerg­tau­cher über­wie­gend im hin­te­ren Wei­her­teil auf­ge­hal­ten, der gu­te De­ckung bie­te.

Tr­ka ver­mu­tet da­her, dass die Vö­gel durch Men­schen ver­trie­ben wur­den. Er ha­be ei­ne Hun­de­hal­te­rin be­ob­ach­tet, die ih­ren Hund in dem Wald­wei­her ba­den und ei­nen Ball ap­por­tie­ren ließ. An­de­re Be­su­cher des Streifles­wal­des hät­ten ihm be­rich­tet, dass ein sol­ches Ver­hal­ten häu­fig die Re­gel sei. Den Hun­de­hal­tern, so Tr­ka, sei aber si­cher­lich nicht be­wusst, dass sen­si­ble, sel­te­ne und ge­fähr­de­te Ar­ten dort ih­ren Le­bens­raum ge­fun­den ha­ben könn­ten.

Für Hun­de­hal­ter, die ih­re Hun­de wi­der bes­se­ren Wis­sens den­noch ins Was­ser schi­cken, bringt Tr­ka kein Ver­ständ­nis auf. Auf der an­de­ren Sei­te zeig­ten aber auch vie­le Hun­de­hal­ter Ein­sicht, wenn sie an­ge­spro­chen wer­den, be­rich­tet er. Oft ent­wi­ckel­ten sich dann auch an­ge­neh­me und in­ter­es­san­te Ge­sprä­che.

Hun­de dür­fen in Ba­den-Würt­tem­berg im Wald un­an­ge­leint ne­ben ih­rem Hal­ter lau­fen, vor­aus­ge­setzt, sie ent­fer­nen sich nicht oder keh­ren je­der­zeit zu­rück, wenn sie ge­ru­fen wer­den. An Stel­len wie dem Wald­wei­her im Streifles­wald aber bit­tet der Na­tur­schüt­zer und Na­tur­schutz­wart, der auch selbst Hun­de­hal­ter ist, um ver­stärk­te Rück­sicht­nah­me. Je­der von uns wis­se ge­nau, dass wir in ei­ner Zeit le­ben, wo im­mer mehr Ar­ten der Fau­na und Flo­ra ver­lo­ren­ge­hen. Je­de ein­zel­ne Per­son ha­be die Pflicht, sich ent­spre­chend zu ver­hal­ten.

Der Streifles­wald ist ein Teil des Fau­na-Flo­ra-Ha­bi­tat-Ge­bie­tes Hal­ler Bucht, das Be­stand­teil des eu­ro­pa­wei­ten Schutz­ge­biets­net­zes NA­TU­RA 2000 ist. Hier sind vie­le sen­si­ble Be­rei­che vor­han­den, wo, wenn auch nicht im­mer re­gel­mä­ßig, sel­te­ne und be­droh­te In­sek­ten-, Rep­ti­li­en-, Am­phi­bi­e­n­und Vo­gel­ar­ten im­mer wie­der Schutz su­chen und oft auch ih­ren Nach­wuchs be­kom­men und groß­zie­hen. An sen­si­blen Bio­to­pen, zu de­nen al­le Ge­wäs­ser im Streifles­wald zäh­len, müs­se man sich da­her ru­hig und zu­rück­neh­mend ver­hal­ten.

Lei­nenp icht zur Brut­zeit

Tr­ka will sich da­her auch da­für ein­set­zen, dass in na­her Zu­kunft wei­te­re Schutz- und För­der­maß­nah­men für den Streifles­wald rea­li­siert wer­den. Ins­be­son­de­re ge­he es um ei­nen wir­kungs­vol­len Schutz al­ler sen­si­bler Brut­ge­bie­te und -stät­ten, In­for­ma­ti­ons­ta­feln an den sen­si­blen Bio­to­pen und ei­ne Lei­nen­pflicht für Hun­de zur Brut- und Setz­zeit.

Fo­to: Pe­ter Tr­ka

Zwerg­tau­cher im Strei es­wal­dWei­her. Seit ei­ni­gen Wo­chen wur­den die Vö­gel dort nicht mehr be­ob­ach­tet.

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