Dü­rers Meis­ter­wer­ke in der Al­ber­ti­na

Das Wie­ner Mu­se­um zeigt von die­sem Sams­tag bis zum 6. Ja­nu­ar 200 Ar­bei­ten des Re­nais­sance-Künst­lers und fei­ert den Nürn­ber­ger als Per­fek­tio­nis­ten im De­tail.

Haller Tagblatt - - FEUILLETON - Fa­bi­an Nit­sch­mann

Dem „Feld­ha­sen“Al­brecht Dü­rers be­geg­net je­der Schü­ler schon als Schü­ler. „Ein Ha­se, prä­zi­se wie­der­ge­ge­ben. Man meint, man könn­te mit den Fin­gern rein­wu­scheln“, sagt Chris­tof Metz­ger über das welt­be­rühm­te Bild. Metz­ger ist Ch­ef­ku­ra­tor der Al­ber­ti­na in Wien und aus­ge­wie­se­ner Dü­rer-Ex­per­te. Mit sei­nem Team hat er ei­ne Aus­stel­lung kon­zi­piert, die sich ein­zig und al­lein dem Nürn­ber­ger Re­nais­sance-Künst­ler wid­met – und ei­nen ganz tie­fen Blick in des­sen Ate­lier zu­lässt.

Di­rekt ne­ben dem Feld­ha­sen hän­gen „Das gro­ße Ra­sen­stück“und der „Flü­gel ei­ner Blau­ra­cke“in der Aus­stel­lung, bei­des eben­falls Bil­der vol­ler De­tail­reich­tum. Be­ob­ach­ten ist das ei­ne, es zu Pa­pier brin­gen das an­de­re. Dü­rer konn­te ošen­sicht­lich bei­des in be­ein­dru­cken­der Art und Wei­se. Die Aus­stel­lung, die rund 200 Wer­ke des Meis­ters um­fasst, fo­kus­siert aber nicht nur auf die Na­tur­stu­di­en, son­dern stellt vor al­lem ei­ni­ge Ge­mäl­de den vor­an­ge­gan­ge­nen De­tail­stu­di­en ge­gen­über.

„Ei­gent­lich war Dü­rer das Ma­len wahn­sin­nig läs­tig, weil er da an Auf­trag­ge­ber ge­bun­den war“, er­klärt Metz­ger. Und doch ste­hen Dü­rers Ge­mäl­de den meist weit­aus be­kann­te­ren Zeich­nun­gen in nichts nach. „Die Far­ben, die gan­zen De­tails et­wa bei den Tie­ren, das ist schon toll“, schwärmt Metz­ger. Vor al­lem das Ge­mäl­de „An­be­tung der Kö­ni­ge“, wel­ches die U«zi­en in Flo­renz für die Aus­stel­lung zur Ver­fü­gung stel­len, be­geis­tert den Ku­ra­tor. „Pelz ist hier Pelz, Gold ist Gold, St­ein ist St­ein.“

Das Be­son­de­re an Dü­rers De­tail­stu­di­en von Hän­den et­wa sei der­weil, dass die­se oft de­tail­lier­ter und fei­ner sei­en, als sie dann letzt­lich im fer­ti­gen Ge­mäl­de auf­tau­chen, sagt Metz­ger. Die­se Stu­di­en ha­be Dü­rer nicht nur zur Vor­be­rei­tung an­ge­fer­tigt, son­dern oft auch als Schau­stü­cke für sein Ate­lier. So konn­te Dü­rer sein Kön­nen al­len In­ter­es­sier­ten ein­drucks­voll prä­sen­tie­ren und auf ei­nen gro­ßen Fun­dus zu­rück­grei­fen.

Dass der Künst­ler ein gro­ßes Ta­lent war, muss schon sei­nen Zeit­ge­nos­sen be­wusst ge­we­sen sein. Dü­rer steht für De­tail­treue, für feins­te Pin­sel­stri­che und auch für Per­fek­ti­on. „Auf dem Bild „Flü­gel ei­ner Blau­ra­cke“hat Dü­rer die feins­ten Fa­sern der Fe­dern an­ge­deu­tet“, er­klärt Metz­ger. Beim „Gro­ßen Ra­sen­stück“las­se sich durch den de­tail­liert ein­ge­fan­ge­nen Grad des Ver­blü­hens so­gar er­ken­nen, dass das Bild En­de April oder An­fang Mai ent­stan­den sein muss. Dem „Feld­ha­sen“hat er gar die Spie­ge­lung ei­nes Fens­ters ins Au­ge ge­malt. „Der Ha­se war schon im 16. Jahr­hun­dert sein be­rühm­tes­tes Werk“, sagt Metz­ger.

Was in ihm steckt, be­wies Dü­rer be­reits in jun­gen Jah­ren mit dem „Selbst­bild­nis als Drei­zehn­jäh­ri­ger“, dem äl­tes­ten sei­ner Wer­ke, das noch er­hal­ten ist. Dü­rer war da­mals Lehr­ling in der Gold­schmie­de­werk­statt des Va­ters und zeich­ne­te das Bild mit ei­nem Sil­ber­stift, der kaum Kor­rek­tu­ren er­mög­licht. Dü­rer brach die Leh­re im Be­trieb des Va­ters schließ­lich ab und ließ sich statt­des­sen zum Ma­ler aus­bil­den. An­schlie­ßend ging er im­mer wie­der auf Rei­sen, war da­bei mehr­fach in Ita­li­en, und schuf zahl­rei­che Bil­der, die heu­te zu den be­deu­tends­ten der Re­nais­sance ge­hö­ren.

Al­ber­ti­na-Di­rek­tor Klaus Al­brecht Schrö­der lob­te am Mitt­woch in Wien vor al­lem Dü­rers Un­vor­ein­ge­nom­men­heit, die sich durch sein Werk zie­he. „Die Fri­sche des ers­ten Blicks, die hat­te er, und die hat er sich auch er­hal­ten“, sag­te Schrö­der. An Dü­rer kön­ne man ler­nen, wie ei­ne Be­trach­tung oh­ne Vor­ur­tei­le und Ei­n­ord­nun­gen funk­tio­nie­re – da­mit sei sein Werk auch heu­te noch sehr ak­tu­ell.

Der Ha­se war schon im 16. Jahr­hun­dert sein be­rühm­tes­tes Werk. Chris­tof Metz­ger Ch­ef­ku­ra­tor der Al­ber­ti­na

Er­staun­lich gut er­hal­ten

Ins­ge­samt er­staunt beim Rund­gang durch die Aus­stel­lung, dass vie­le der rund 500 Jah­re al­ten Wer­ke noch sehr gut er­hal­ten sind. „Die Bil­der ha­ben kei­ne gro­ße Kar­rie­re durch vie­le Rei­sen hin­ter sich“, er­klärt Ku­ra­tor Metz­ger. Vie­le Wer­ke sei­en nach Dü­rers Tod zu­sam­men ge­blie­ben und sel­ten wei­ter­ge­ge­ben wor­den. Die Dü­rer-Wer­ke der Al­ber­ti­na ent­stam­men eben­falls ei­nem sol­chen Kon­vo­lut, das Wie­ner Mu­se­um ist Be­sit­zer der welt­weit größ­ten Dü­rer-Samm­lung. Für die Al­ber­ti­na ein gro­ßer Glücks­fall – ein Zu­schau­er­an­sturm dürf­te 16 Jah­re nach der bis­lang letz­ten gro­ßen Dü­rer-Schau si­cher sein.

Fo­to: Al­ber­ti­na in Wien/-/dpa

Al­brecht Dü­rers „Feld­ha­se“von 1502, in be­ein­dru­cken­der Prä­zi­si­on ge­malt in Aqua­rell und Deck­far­ben, ge­hört zu den be­rühm­tes­ten Wer­ken des Künst­lers.

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