Ka­ba­le und Lie­be zum WLB-Ju­bi­lä­um

Die Lan­des­büh­ne Ess­lin­gen fei­ert die­sen Frei­tag ihr 100-Jäh­ri­ges in Göp­pin­gen, wo es auch die ers­te Auf­füh­rung gab.

Haller Tagblatt - - FEUILLETON - Mar­cus Zecha

Göp­pin­gen. Um gleich mit ei­nem Ge­rücht auf­zu­räu­men: Nein, es ist – zu­min­dest vor­der­grün­dig – nicht der Po­li­tik der Lan­des­re­gie­rung ge­schul­det, dass die Würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­büh­ne (WLB) zum Ju­bi­lä­um Schil­lers bür­ger­li­ches Trau­er­spiel „Ka­ba­le und Lie­be“spielt. Fakt ist: Am 20. Sep­tem­ber 1919 zeig­te die WLB, da­mals noch un­ter dem Na­men Schwä­bi­sche Volks­büh­ne, eben je­nes Stück als al­ler­ers­te Pre­mie­re – nicht am spä­te­ren Spiel­ort Ess­lin­gen, son­dern im Apos­tel­saal in Göp­pin­gen. Nun, ge­nau 100 Jah­re spä­ter, wird es er­neut auf­ge­führt, nicht im 2018 ab­ge­ris­se­nen Ho­tel Apos­tel, son­dern in der Göp­pin­ger Stadt­hal­le.

Po­lit­thril­ler für die Frei­heit

Für WLB-In­ten­dant Fried­rich Schir­mer ist Ka­ba­le und Lie­be „das Zen­tral­stück des deut­schen Thea­ters“. Das Trau­er­spiel um die un­glück­lich Lie­ben­den Lui­se und Fer­di­nand ist laut Dra­ma­tur­gin Michaela Stol­te für die Neu­in­sze­nie­rung „straš ein­ge­kürzt“wor­den. Schil­lers drit­tes Dra­ma, das er 25-jäh­rig auf der Flucht aus Stuttgart schrieb, ist si­cher mehr als ei­ne mit­rei­ßen­de Lo­ve­sto­ry. Es kann durch­aus als Po­lit­thril­ler für die Frei­heit und ge­gen das ver­krus­te­te Esta­blish­ment ge­le­sen wer­den. Un­ter Chris­ti­ne Gnanns Re­gie frei­lich schei­tern die Prot­ago­nis­ten we­ni­ger an der Stän­de­ge­sell­schaft als viel­mehr an ih­ren ei­ge­nen An­sprü­chen und da­mit letzt­lich an sich selbst.

Doch zu­rück zu den An­fän­gen der Lan­des­büh­ne: Die „Schwä­bi­sche Volks­büh­ne“als Vor­läu­fe­rin der WLB war ein Wan­der­thea­ter, wie es im Bu­che steht. Es zog von Gast­haus zu Gast­haus, spiel­te en sui­te Tri­vi­al­li­te­ra­tur, dar­un­ter Stü­cke von Au­to­ren wie Au­gust von Kot­ze­bue, den heu­te kaum mehr je­mand kennt, aber eben auch Klas­si­ker.

Kurz zu­vor war die Schwä­bi­sche Volks­büh­ne als Ab­tei­lung des von Ro­bert Bosch ge­grün­de­ten Ver­eins zur För­de­rung der Deut­schen Volks­bil­dung ent­stan­den. Mit gut 20 Stü­cken im Jahr wur­de die Pro­vinz be­reist, dar­un­ter re­gel­mä­ßig Göp­pin­gen, wo­hin­ge­gen Ess­lin­gen in den ers­ten fünf Jah­ren kei­ne Rol­le spiel­te.

So kam In­ten­dant Fried­rich Schir­mer vor gut zwei Jah­ren auf Göp­pin­gens OB Gui­do Till und Kul­tur­amts­lei­ter Wolf­ram Hosch zu – mit der Idee ei­ner Göp­pin­ger Ju­bi­lä­ums-Pre­mie­re. Die bei­den grišen den Vor­schlag ger­ne auf, und so wird die Ju­bi­lä­ums­spiel­zeit heu­te in der Ho­hen­stau­fen­stadt eröšnet.

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