Heil will Kurz­ar­beit er­leich­tern

Mi­nis­ter stellt Plä­ne für Wei­ter­bil­dung und Kri­sen­schutz vor.

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Von Sa­rah Ar­wei­ler

Ber­lin. Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) will En­de Ok­to­ber ein Ge­setz für ei­nen bes­se­ren Schutz für Ar­beit­neh­mer auch in ei­ner kon­junk­tu­rel­len Kri­se vor­le­gen. So sol­le Kurz­ar­beit mög­lichst mit Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung ver­bun­den wer­den, sag­te Heil bei der Vor­stel­lung ver­schie­de­ner Re­form­plä­ne. Er be­ton­te, das so­ge­nann­te Ar­beit-von-mor­gen-Ge­setz sol­le den Ar­beits­markt zu­gleich für den Struk­tur­wan­del durch Di­gi­ta­li­sie­rung und neue Tech­no­lo­gi­en fit ma­chen.

Un­ter an­de­rem will Heil den Ein­satz von Kurz­ar­bei­ter­geld er­leich­tern. Das In­stru­ment hat­te ge­hol­fen, ei­ne star­ke Aus­wei­tung der Ar­beits­lo­sig­keit in­fol­ge der Fi­nanz­kri­se 2008 zu ver­hin­dern. Zu­dem sol­len un­ter an­de­rem hö­he­re Zu­schüs­se der Bun­des­agen­tur für Ar­beit für die Qua­li­fi­zie­rung so­wie zum Lohn mög­lich wer­den.

Heil kün­dig­te noch wei­ter­ge­hen­de Re­form­schrit­te an. So soll­ten die Un­ter­neh­men in­di­vi­du­el­le Ar­beits­zeit­kon­ten scha•en, so dass Be­schäf­tig­te freie Zeit, die sie durch Mehr­ar­beit an­spa­ren, auch für län­ge­re Aus­zei­ten nut­zen kön­nen. Die Vor­schlä­ge auch Er­geb­nis­se ei­nes mo­na­te­lan­gen Dia­logs, den Heil bei meh­re­ren Ver­an­stal­tun­gen un­ter an­de­rem mit Bür­gern und Ex­per­ten bun­des­weit führ­te. Die Vor­schlä­ge ge­hen weit über den Ko­ali­ti­ons­ver­trag mit der Uni­on hin­aus. Er kön­ne nicht ver­spre­chen, al­le Vor­schlä­ge auch um­set­zen zu kön­nen, räum­te Heil ein.

Das Wort Mei­len­stein wird an die­sem Tag auf dem Cam­pus-Are­al der Rein­hold-Würth-Hoch­schu­le (RWH) in Kün­zels­au­oft oft fal­len, um zu be­schrei­ben, was die bei­den Ge­bäu­de für die Bil­dungs­re­gi­on Ho­hen­lo­he be­deu­ten. „Ich ho‚e, wir kön­nen von hier aus neue Im­pul­se für die Wirt­schaft in die­ser länd­li­chen Re­gi­on set­zen“, sagt Ha­rald Un­kel­bach von der Stif­tung Würth.

17 Mil­lio­nen Eu­ro hat die Stif­tung in den Aus­bau der RWH, ei­ner Au­ßen­stel­le der Hoch­schu­le Heilbronn (HHN), in­ves­tiert. Das Land be­zu­schusst die Er­wei­te­rung mit zehn Mil­lio­nen Eu­ro. „Oh­ne pri­va­tes En­ga­ge­ment ist wis­sen­schaft­li­che In­no­va­ti­ons­kraft fast nicht mehr mög­lich“, gibt Oli­ver Len­zen, Rek­tor der HHN, zu be­den­ken. Er fügt hin­zu: „Wir sind mit ei­ner star­ken Re­gi­on ge­seg­net, die ei­nen star­ken Hoch­schul­stand­ort ver­dient.“

Bil­dungs­mi­nis­te­rin The­re­sia Bau­er ist voll des Lo­bes. „Die Re­gi­on ist ge­prägt von in­no­va­ti­ons­star­ken Un­ter­neh­men. Die­ser Hoch­schul­stand­ort ist da­bei ein wich­ti­ger Be­stand­teil.“

Un­ter­neh­mer Rein­hold Würth rich­tet ei­nen un­miss­ver­ständ­li­chen Auf­trag an die Bil­dungs­mi­nis­te­rin: „Wir sind hier an der Spit­ze der Wirt­schafts­ent­wick­lung. Bei der An­zahl der Stu­di­en­plät­ze in Re­la­ti­on zur Be­völ­ke­rung neh­men wir in Ba­den-Würt­tem­berg den vor­letz­ten Platz ein. Es gibt noch viel zu tun.“

Haupt­mie­ter des In­sti­tuts auf dem Cam­pus-Ge­län­de ist die In­no­va­ti­ons­re­gi­on Ho­hen­lo­he. Sie ver­tritt vie­le re­gio­na­le Un­ter­neh­men. Würth, EBM-Papst und Ziehl-Abegg ha­ben für die kom­men­den fünf Jah­re jähr­li­che For­schungs­auf­trä­ge in Hö­he von 200 000 Eu­ro zu­ge­sagt.

Im ers­ten Ober­ge­schoss ist das Di­gi­ta­li­sie­rungs­zen­trum Di­gi­tal-Hub un­ter­ge­bracht – ei­ne Ge­sell­schaft, die sich als Be­ra­ter und Di­enst­leis­ter für re­gio­na­le Fir­men zum The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung ver­steht. Ins zwei­te Ober­ge­schoss zieht die For­schungs­ab­tei­lung von Würth Elek­tro­nik ein.

Das Kon­zept des In­sti­tuts tri‚t das Kern­be­dürf­nis der mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men in der Re­gi­on: Sie lech­zen nach in­ten­si­ve­rer For­schungs­ar­beit, um in den Spar­ten künst­li­che In­tel­li­genz und Di­gi­ta­li­sie­rung kon­kur­renz­fä­hig zu blei­ben.

Die Ent­wick­lung stand auf der Kip­pe, als EBM-Papst 2017 ver­kün­de­te, sei­ne Fi­nan­zie­rungs­plä­ne auf­zu­ge­ben. Das Un­ter­neh­men nann­te un­über­wind­ba­re Bar­rie­ren bei Ver­hand­lun­gen mit den Be­hör­den als Grund. Die­ses Fi­nanz­loch stopf­te die Stif­tung Würth.

Foto: Ralf Sei­del

Die Ar­chi­tek­tur des neu­en In­sti­tuts und des Hör­saal­ge­bäu­des sym­bo­li­siert das The­ma Fort­schritt auch nach au­ßen.

Foto: Würth

Schlüs­sel­über­ga­be mit Tho­mas Phil­ip­pi­ak (In­no­va­ti­ons­re­gi­on Ho­hen­lo­he), Bil­dungs­mi­nis­te­rin The­re­sia Bau­er, Hoch­schul-Rek­tor Oli­ver Len­zen und Un­ter­neh­mer Rein­hold Würth.

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