100 000 Eu­ro von der Glücks­spi­ra­le

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Von Si­grid Bau­er

Die Deut­sche Stif­tung Denk­mal­schutz spen­det für die Mar­tins­kir­che auf der Stö­cken­burg. Bei der Scheck­über­ga­be sind die Ar­bei­ten schon weit fort­ge­schrit­ten.

hris­toph Gr­über, Ge­schäfts­füh­rer der To­to-Lotto Re­gio­nal­di­rek­ti­on Nord-Ost GmbH, ist von der Vell­ber­ger Kir­che auf dem Berg­sporn über dem Büh­ler­tal be­ein­druckt. „Durch mei­ne Auf­ga­be be­kom­me ich Kir­chen zu Ge­sicht, an de­nen ich sonst vor­bei­fah­ren wür­de“, meint der Über­brin­ger ei­nes 100 000-Eu­ro-Schecks, der in die Sa­nie­rung das Sa­kral­baus aus dem 15. Jahr­hun­dert fließt.

„Die Mar­tins­kir­che ist ei­nes der rund 320 Pro­jek­te, die die pri­va­te Deut­sche Stif­tung Denk­mal­schutz mit Er­trä­gen der Lot­te­rie Glücks­spi­ra­le al­lein in Ba­den­Würt­tem­berg un­ter­stützt“, er­klärt Orts­ku­ra­tor Ar­nolf Häu­ber aus Ell­wan­gen bei der Scheck­über­ga­be an Pfar­rer Vol­ker Ad­ler. „Die Stif­tung för­dert die Zim­me­rer­ar­bei­ten am Dach und der Fas­sa­de“, er­gänzt Ar­chi­tek­tin Sa­bi­ne Kron­mül­ler. Sie hat die Re­stau­rie­rung ge­plant und über­wacht sie auch. Ins­ge­samt kos­ten die Ar­bei­ten rund 790 000 Eu­ro.

CDas Dach ist fast fer­tig

Die Dach­sa­nie­rung ist fast be­en­det. Im Trauf­be­reich ha­ben die Zim­me­rer die ver­faul­ten Bal­ken er­setzt und un­ter die neu­en Dach­lat­ten bis in et­wa 1,50 Me­ter Hö­he ei­ne Scha­lung an­ge­bracht. Sie soll ver­hin­dern, dass Was­ser in die Dach­kon­struk­ti­on ein­dringt.

Das Dach west­lich des Turms wur­de mit al­ten Bi­ber­schwanz-Dach­zie­geln ein­ge­deckt, die zwar ei­ne schö­ne Pa­ti­na ha­ben, aber sprö­de sind und des­halb re­la­tiv schnell ver­schlei­ßen. „In die­sem Be­reich kön­nen de­fek­te Zie­gel leicht aus­ge­wech­selt wer­den, weil das Dach et­was nied­ri­ger ist, und man dort gut mit ei­nem Hub­stei­ger her­an­kommt“, so Kron­mül­ler. Das grö­ße­re und hö­he­re Dach auf der öst­li­chen Sei­te wur­de mit neu­en „Denk­mal-Bi­ber­schwanz­zie­geln“ein­ge­deckt. „Sie sind rau und ent­wi­ckeln des­halb bald ei­ne ähn­li­che Pa­ti­na wie die al­ten Zie­gel“, er­läu­tert die Ex­per­tin für Kir­chen­sa­nie­run­gen.

Hoch oben auf dem Ge­rüst sind zwei Hand­wer­ker gera­de mit dem Ein­de­cken des Chor­dachs be­schäf­tigt. Es be­steht aus drei drei­ecki­gen, ex­trem stei­len Flä­chen, die seit­lich an Gra­ten an­ein­an­der­sto­ßen und oben den öst­li­chen Gie­bel des Dachs bil­den. Die bei­den Män­ner be­we­gen sich auf dem Dach ab­so­lut si­cher. „Zum Glück konn­ten wir ei­nen Kran auf­stel­len. Das er­leich­tert die Ar­bei­ten sehr“, stellt die Ar­chi­tek­tin fest. Ge­steu­ert wird der Kran mit den Dach­zie­geln von den Hand­wer­kern selbst über ei­ne Fern­be­die­nung. An den Rän­dern der Drei­ecks­dach­flä­chen müs­sen sie je­den ein­zel­nen Zie­gel pas­send zu­schnei­den. Das staubt or­dent­lich. Des­halb wird die Fas­sa­de erst ganz zum Schluss ge­stri­chen.

Ei­ne wich­ti­ge Auf­ga­be bei der Dach­sa­nie­rung über­nimmt der Fla­sch­ner, der für die Me­tall­ar­bei­ten aus Kup­fer­blech ver­ant­wort­lich ist: Er bringt neue Re­gen­rin­nen und Hal­te­run­gen an und in­stal­liert ge­kan­te­te Ble­che zwi­schen Wand und Dach, in de­nen das Re­gen­was­ser zur Dach­rin­ne läuft. „Es hat sich als sehr sinn­voll er­wie­sen, dass die drei Ge­wer­ke Dach­de­cker, Zim­me­rer und Fla­sch­ner un­ter ei­nem Chef zu­sam­men­scha¡en. So ge­hen die Ar­bei­ten Hand in Hand vor­an“, schil­dert Sa­bi­ne Kron­mül­ler.

Zum Teil sind die Fens­ter im Kir­chen­schi¡ schon re­stau­riert. Da­mit wur­den ein Kunst­gla­ser und ein Schlos­ser, der die Me­tall­tei­le der Fens­ter ent­ros­tet und neu la­ckiert, be­auf­tragt. Vor dem Neu­an­strich der Fas­sa­de wer­den sie samt ih­rer st­ei­ner­nen Um­rah­mung ab­ge­deckt. Bis An­fang No­vem­ber sol­len die Dach- und Fas­sa­den­ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen sein. Im Früh­jahr wer­den die Tü­ren zum Chor und zur Sa­kris­tei re­no­viert und die Sand­stein-Epi­ta­phi­en sa­niert. Im Mo­ment sind sie un­ter Holz­ge­häu­sen ver­bor­gen. „Da­mit sie nicht be­schä­digt wer­den, wenn von oben ver­se­hent­lich mal Dach­zie­gel oder Werk­zeu­ge her­un­ter­fal­len. Das pas­siert schnell“, weiß die er­fah­re­ne Ar­chi­tek­tin aus Hall.

Foto: Si­grid Bau­er

Die Pla­ne rechts ne­ben dem be­reits neu ein­ge­deck­ten Dach der Mar­tins­kir­che zeigt, wo noch ge­ar­bei­tet wer­den muss.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.