Ge­wis­sens­kon­flikt ge­gen­über den Tie­ren

Haller Tagblatt - - MEINUNG UND DISKUSSION - Sa­bi­ne Bieh­ler zum The­ma ve­ga­ne Er­näh­rung

In der heu­ti­gen Zeit ist die ve­ga­ne Le­bens­wei­se ei­gent­lich schon kei­ne Be­son­der­heit mehr. Laut Schät­zun­gen des Ve­ge­ta­rier­bun­des le­ben heu­te rund ei­ne Mil­li­on Men­schen ve­gan – in grö­ße­ren deut­schen Städ­ten gibt es zahl­rei­che ve­ga­ne Re­stau­rants – und selbst das Münch­ner Ok­to­ber­fest ser­viert Holz­fäl­lersteak, frei von tie­ri­schen Be­stand­tei­len.

Mei­ne Kli­en­ten in der Er­näh­rungs­be­ra­tung nen­nen häu­fig auf die Fra­ge der Be­weg­grün­de für die Er­näh­rungs­um­stel­lung „auf ve­gan“den Ge­wis­sens­kon­flikt ge­gen­über den Tie­ren. In letz­ter Zeit sind es auch ei­ni­ge, die die ve­ga­ne Er­näh­rungs­wei­se aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den zum Bei­spiel auf­grund von vor­an­ge­gan­ge­nen Krebs­er­kran­kun­gen, Ver­dau­ungs­pro­ble­men, Über­ge­wicht, Dia­be­tes oder zur Ent­schla­ckung und Ent­säue­rung des Or­ga­nis­mus ge­wählt ha­ben.

Ve­ga­ner ha­ben im Ge­gen­satz zu „Misch­köst­lern“ei­ne we­sent­lich bes­se­re Ver­sor­gung von man­chen B-Vit­ami­nen, Fol­säu­re, Vit­amin C, Bal­last­sto§en so­wie von se­kun­dä­ren Pflan­zens­to§en. Häu­fig be­steht je­doch ein De­fi­zit an Vit­amin B 12, Ei­sen, Kal­zi­um und an es­sen­ti­el­len Fett­säu­ren. Den­noch ist die Ver­sor­gung die­ser im Ve­ga­nis­mus oh­ne­hin „kri­tisch“be­trach­te­ten Nähr­s­to§e aus dem Pflan­zen­reich grund­sätz­lich mög­lich. Es er­for­dert aber ein we­nig Fach­kom­pe­tenz und das Wis­sen be­züg­lich der Be­son­der­hei­ten der Auf­nah­me die­ser Sto§e im Or­ga­nis­mus.

Auf dem Bü­cher­markt gibt es in­zwi­schen zahl­rei­che Fach­bü­cher zum The­ma – für vie­le ist auch ein Ter­min bei ei­ner Er­näh­rungs­be­ra­tung ei­ne sinn­vol­le Start­hil­fe. In mei­ner Be­ra­tung emp­feh­le ich ein- bis zwei­mal im Jahr ei­ne La­bor­kon­trol­le der ge­nann­ten Pa­ra­me­ter. Die Kos­ten sind im Re­gel­fall sel­ber zu tra­gen. Im Be­darfs­fall kann der Be­tro§ene sich dann für ein hoch­wer­ti­ges Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel ent­schei­den.

Aus Sicht der Er­näh­rungs­be­ra­tung lässt sich fest­stel­len, dass die ve­ga­ne Er­näh­rungs­wei­se mit ent­spre­chen­dem Hin­ter­grund­wis­sen so­wie re­gel­mä­ßi­gen La­bor­kon­trol­len ei­ne ge­sun­de Er­näh­rung dar­stellt. In kei­ner wei­te­ren Er­näh­rungs­wei­se sind so gu­te und dau­er­haf­te Ge­wichts­re­duk­tio­nen zu ver­zeich­nen. Der Ve­ga­nis­mus ist in der La­ge, ein sta­bi­les Säu­re-Ba­sen-Gleich­ge­wicht zu scha§en – da die Er­näh­rung ei­ne ho­he ba­si­sche Kom­po­nen­te auf­weist, was be­deu­tet, dass man hier­durch prä­ven­tiv Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen und an­de­ren Lei­den vor­beu­gen kann. Trotz die­ser po­si­ti­ven Aspek­te ist die ve­ga­ne Er­näh­rung nicht für je­den ge­eig­net. Bei Grup­pen mit be­son­ders ho­hem Nähr­s­to§be­darf wie zum Bei­spiel Säug­lin­gen, Kin­dern, Schwan­ge­ren und Stil­len­den wird von ei­ner ve­ga­nen Er­näh­rung bis­lang ab­ge­ra­ten.

In­fo Sa­bi­ne Bieh­ler (46) ist Er­näh­rungs­be­ra­te­rin und Do­zen­tin im Ge­sund­heits­we­sen mit Schwer­punkt Er­näh­rung, Not­fall­ma­nage­ment, Ge­sund­heits­und Prä­ven­ti­ons­ma­nage­ment. Sie hat drei Kin­der und wohnt in Wol­perts­hau­sen.

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