Grü­ne: Au­to­ver­kehr in Städ­ten hal­bie­ren

Par­tei­tag De­le­gier­te be­schlie­ßen Ver­schär­fung der Kli­ma­schutz­zie­le fürs Land.

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Ro­land Mu­schel

Sindelfing­en. Die Grü­nen wol­len den Ver­kehr in Ba­den-Würt­tem­bergs Städ­ten bis 2030 hal­bie­ren. Das geht aus der Be­schluss­fas­sung des Leit­an­trags des Lan­des­par­tei­tags in Sindelfing­en zum Kli­ma­schutz her­vor. In der ur­sprüng­li­chen Fas­sung wa­ren noch 30 Pro­zent als Re­duk­ti­ons­ziel vor­ge­se­hen, die De­le­gier­ten vo­tier­ten aber mehr­heit­lich für ei­ne wei­te­re Ver­schär­fung. Der Ver­kehr ist in Ba­den-Würt­tem­berg für knapp ein Drit­tel al­ler Treib­haus­ga­se ver­ant­wort­lich.

Zu­dem wol­len die Grü­nen „schnellst­mög­lich“er­rei­chen, dass Ba­den-Würt­tem­berg kli­ma­neu­tral wird. Auf die Nen­nung ei­ner kon­kre­ten Jah­res­zahl ha­ben die De­le­gier­ten aber nach kon­tro­ver­ser De­bat­te ver­zich­tet. Maß­geb­lich sol­len die Pa­ri­ser Kli­ma­schutz­zie­le sein. 2015 hat­te die Welt­ge­mein­schaft ver­ein­bart, die glo­ba­le Er­wär­mung mög­lichst bei 1,5 Grad zu stop­pen, um ka­ta­stro­pha­le Fol­gen ab­zu­wen­den.

Der grü­ne Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann üb­te schar­fe Kri­tik am Kli­ma­schutz­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung. Die ge­plan­te Hö­he der CO2-Be­prei­sung sei „ein Trep­pen­witz“. Er for­dert statt­des­sen ei­nen deut­li­chen hö­he­ren Preis und ins­ge­samt stär­ke­re staat­li­che Ein­grif­fe. Das Kli­ma kip­pe viel schnel­ler als man er­war­tet ha­be. Al­lein mit Sub­ven­tio­nen und An­rei­zen wer­de man beim Kli­ma­schutz nicht wei­ter­kom­men, er­klär­te er. „Es geht nicht oh­ne Ver­bo­te und Ge­bo­te.“

Ber­lin. „Null­num­mer“, „Pil­le­pal­le“„nicht ehr­gei­zig ge­nug“: So lau­tet das Ur­teil von Kli­ma­for­schern, Um­welt­ver­bän­den und Op­po­si­tio­nel­len über das Kli­ma­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung. Statt ei­nes gro­ßen Wurfs sei der gro­ßen Ko­ali­ti­on nur ein Pot­pour­ri von Ein­zel­maß­nah­men ge­lun­gen, die nicht weit ge­nug reich­ten, kri­ti­sier­ten et­wa die Grü­nen so­wie die Ak­ti­vis­ten von „Fri­days for Fu­ture“. Heu­te stellt Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) das Pa­ket in New York vor den Ver­ein­ten Na­tio­nen vor. Auf der Welt­büh­ne dürf­te die Kanz­le­rin als Vor­rei­te­rin im Kampf ge­gen die Er­der­wär­mung emp­fan­gen wer­den.

Das Kli­ma­ka­bi­nett hat­te am Frei­tag sein Pro­gramm vor­ge­stellt. Da­für wer­den über 54 Mil­li­ar­den Eu­ro bis 2023 ver­an­schlagt. Ge­plant ist die Ein­füh­rung ei­nes CO2-Emis­si­ons­han­dels, die Ver­teue­rung von Heiz­öl, Ben­zin und Die­sel so­wie die Scha˜ung von An­rei­zen fürs Um­stei­gen vom Au­to und Flie­ger auf die Bahn. Laut „Bild am Sonn­tag“glau­ben nur 34 Pro­zent der Deut­schen, dass das Pa­ket den Kli­ma­wan­del wirk­sam be­kämpft.

Die Grü­nen se­hen das Prpgramm kri­tisch. Die Vor­sit­zen­de An­na­le­na Ba­er­bock kün­dig­te an, über den Bun­des­rat mehr kli­ma­schüt­zen­de Maß­nah­men auf den Weg brin­gen zu wol­len. „Wir sind im Bun­des­tag in der Op­po­si­ti­on, wer­den aber im Bun­des­rat wei­ter un­se­re An­trä­ge auf ei­ne wirk­li­che Ver­kehrs­wen­de und ei­nen Ab­schied vom fos­si­len Ver­bren­nungs­mo­tor auf den Weg brin­gen“, sag­te sie der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“.

Un­klar ist, wann die Kli­ma­schutz-Maß­nah­men um­ge­setzt wer­den. Et­wa bei der Bahn: Zwar lob­te Bahn­chef Richard Lutz das Pa­ket als „Wen­de­punkt in der Wahr­neh­mung der Ei­sen­bahn in Deutsch­land“. Die Be­schlüs­se bräch­ten dem Kon­zern bis 2030 noch­mal 20 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­sätz­lich. Mit der ge­plan­ten Mehr­wert­steu­er­sen­kung wer­den Fern­zug-Ti­ckets um zehn Pro­zent bil­li­ger. Doch noch ist o˜en, ab wann es das der Fall sein wird.

In New York wird Mer­kel die Maß­nah­men heu­te als Er­folg ver­kau­fen. We­gen ih­rer Rei­se steht sie hier­zu­lan­de in der Kri­tik. Ob­wohl sie und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (CDU) mit der US-Ost­küs­te das­sel­be Ziel ha­ben, flie­gen sie in zwei Ma­schi­nen dort­hin. Und das nur drei Ta­ge, nach­dem die Ver­teue­rung von Flü­gen be­schlos­sen wur­de. Grund sei ei­ne un­ter­schied­li­che Rei­se­pla­nung.

Mer­kel wird sich auf dem UN-Gip­fel als Kon­ter­part zu Do­nald Trump in­sze­nie­ren. Der US-Prä­si­dent schickt nur ei­ne nie­der­ran­gi­ge De­le­ga­ti­on zum Gip­fel. Das Tre˜en ist den­noch ein wich­ti­ger Schritt für den Kli­ma­schutz: 2020 sol­len die Staa­ten im Rah­men des Pa­ris-Ab­ge­kom­mens ehr­gei­zi­ge­re Plä­ne auf den Tisch le­gen.

Foto: Chris­toph So­eder/dpa

Die Maß­nah­men für den Kli­ma­schutz, die Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) am Frei­tag vor­ge­stellt hat­te, sto­ßen auf Kri­tik.

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