Kampf mit Rom

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Eli­sa­beth Zoll zu Re­for­men in der ka­tho­li­schen Kir­che leitartike­[email protected]

Auf Ma­cho-Art ver­drän­gen las­sen sich The­men der west­li­chen Kir­chen nicht.

Ist der Re­form­pro­zess, den ka­tho­li­sche Bi­schö­fe und Lai­en von die­sem Mon­tag an in Gang set­zen wol­len, zu En­de, noch ehe er be­gon­nen hat? Der jüngs­te Brief aus Rom muss als kräf­ti­ger Tritt ge­gen das Schien­bein je­ner ge­deu­tet wer­den, die struk­tu­riert Pro­ble­me der ka­tho­li­schen Kir­che dis­ku­tie­ren wol­len. Vor al­lem ge­gen den Vor­sit­zen­den der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz, Kar­di­nal Rein­hard Marx, der das o˜ene Ge­spräch mit Lai­en sucht und der­zeit in Rom für den deut­schen Weg wirbt. Auf dem Spiel steht nicht nur die Glaub­wür­dig­keit der Pries­ter, es ist das An­se­hen von Papst Fran­zis­kus selbst.

Kar­di­nal Marc Ou­el­let, hat­te in ei­nem Brief deut­schen Bi­schö­fen ei­ne Rei­he von Stopp­schil­dern ent­ge­gen­ge­streckt: Ei­ne Teil­kir­che dür­fe sich nicht ver­bind­lich zu Be­lan­gen der Welt­kir­che äu­ßern. Auch dürf­ten Lai­en zwar mit­zu­dis­ku­tie­ren, Ent­schei­dun­gen sei­en aber Bi­schö­fen vor­be­hal­ten. Nichts soll sich än­dern in der Kir­che, schon gar nicht das ka­tho­li­sche Pro­fil, wie Ou­el­let es de­fi­niert.

Das will der Re­form­pro­zess, „Syn­oda­ler Weg“ge­nannt, gar nicht. Nie­mand geht da­von aus, dass nach Ge­sprä­chen in Deutsch­land der Pflicht­zö­li­bat in der Kir­che fällt oder Frau­en zu Pries­te­rin­nen ge­weiht wer­den. Trotz­dem braucht es die De­bat­te über Struk­tu­ren der ka­tho­li­schen Kir­che. Zu tief ist die Ver­trau­ens­kri­se, die se­xu­el­le Ge­walt­ver­bre­chen von Pries­tern hin­ter­las­sen ha­ben. Die 2018 verö˜ent­lich­te MHG-Miss­brauchs­stu­die hat die Ri­si­ken be­nannt: Sie lie­gen in der pries­ter­li­chen Macht­struk­tur, der ka­tho­li­schen Se­xu­al­mo­ral, dem Pflicht­zö­li­bat und der un­ge­nü­gen­den Be­tei­li­gung von Frau­en im kirch­li­chen Di­enst. Die­se The­men sind wich­tig für die Wahr­haf­tig­keit der Kir­che, wie der Hil­des­hei­mer Bi­schof Hei­ner Wil­mer klar macht. Ei­ne klei­ne Min­der­heit der Bi­schö­fe um den erz­kon­ser­va­ti­ven Köl­ner Kar­di­nal Rai­ner Maria Wo­el­ki und den Re­gens­bur­ger Bi­schof Ru­dolf Vor­der­hol­zer schert aus. Ihr Vor­stoß, statt über Struk­tu­ren zu re­den, Glau­bens­kri­se und Evan­ge­li­sie­rung zu the­ma­ti­sie­ren, setz­te sich un­ter den Mit­brü­dern nicht durch. Des­halb spie­len sie nun über rö­mi­sche Ban­de. Wie schon beim Streit um den Kom­mu­ni­ons­emp­fang für evan­ge­li­sche Ehe­part­ner vor ei­nem Jahr soll der Va­ti­kan ver­bie­ten, was ei­ne Mehr­heit der Orts­bi­schö­fe hier­zu­lan­de will.

Der Kampf zwi­schen den Kar­di­nä­len Marx und Wo­el­ki steht stell­ver­tre­tend für den Rich­tungs­streit in der ka­tho­li­schen Kir­che. Will sie, wie Marx, nä­her bei den Men­schen sein oder, wie Wo­el­ki, Boll­werk ge­gen Ve­rän­de­run­gen? Ach­tet die Amts­kir­che das Kir­chen­volk als eben­bür­tig oder be­harrt sie auf der Über­le­gen­heit des kirch­li­chen Am­tes? ֘net sie Tü­ren und Fens­ter oder zieht sie sich zu­rück in Zir­kel un­ter Aus­schluss der ֘ent­lich­keit?

Für die Kir­chen des Wes­tens gibt es von Papst Fran­zis­kus we­nig Ori­en­tie­rung. Die wohl­fei­len Er­mu­ti­gun­gen zu ei­gen­stän­di­gem Han­deln er­wei­sen sich als we­nig be­last­bar. Der Pon­ti­fex aus Ar­gen­ti­ni­en frem­delt mit den Be­find­lich­kei­ten der Chris­ten in der west­li­chen Welt. Doch auf Ma­cho-Art ewig ver­drän­gen las­sen sich de­ren The­men nicht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.