Lin­ker Alar­mis­mus

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Die­ter Kel­ler

Wer auf Hartz IV an­ge­wie­sen ist, der ist zwei­fel­los nicht auf Ro­sen ge­bet­tet. Die staat­li­che Hil­fe fürs Le­ben und die Woh­nung zwingt Al­lein­ste­hen­de und Fa­mi­li­en in ein sehr en­ges fi­nan­zi­el­les Kor­sett. Trotz­dem klingt es et­was alar­mis­tisch, wenn die Links­frak­ti­on im Bun­des­tag aus Zah­len der Bun­des­re­gie­rung schließt, fast je­der fünf­te Hartz-IV-Emp­fän­ger „müs­se“ei­nen Teil sei­nes Re­gel­sat­zes für die Mie­te ver­wen­den. Man­cher tut dies auch frei­wil­lig, et­wa weil er oder sie nicht aus der an­ge­stamm­ten Um­ge­bung aus­zie­hen will.

Im Prin­zip über­neh­men die Kom­mu­nen die Mie­te zu­sätz­lich zum Re­gel­be­darf, der der­zeit für Al­lein­ste­hen­de 424 Eu­ro im Mo­nat be­trägt.

Das soll es mög­lich ma­chen, das sehr un­ter­schied­li­che Miet­ni­veau in den Re­gio­nen zu be­rück­sich­ti­gen. Nur hal­ten die Höchst­sät­ze häu­fig mit der Rea­li­tät nicht Schritt: Für die o•ziel­len Ma­xi­mal­be­trä­ge sind kei­ne men­schen­wür­di­gen Woh­nun­gen zu fin­den. Dar­auf müs­sen erst ein­mal die Kom­mu­nen re­agie­ren.

Es macht durch­aus Sinn, wenn Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil in sei­nen Plä­nen für die zwei­te Halb­zeit der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode vor­ge­schla­gen hat, dass neue Hartz-IV-Emp­fän­ger nicht so­fort um­zie­hen müs­sen, son­dern erst nach zwei Jah­ren. Denn die Be­tro˜enen ha­ben leicht das Ge­fühl, dass ih­nen von heu­te auf mor­gen der Bo­den un­ter den Fu­ßen weg­ge­zo­gen wird. Al­ler­dings wä­re nicht nur der Staat über­for­dert, Mie­ten in je­der Hö­he auf Dau­er zu über­neh­men. Wer ei­ne Ar­beit hat und kei­ne Hil­fen er­hält, fragt sich auch, war­um er sich ein­schrän­ken muss. So­zi­al­leis­tun­gen sind zwangs­läu­fig ei­ne Grat­wan­de­rung. Ob sie für ein an­ge­mes­se­nes Le­ben rei­chen, ist ei­ne sehr sub­jek­ti­ve Fra­ge.

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