Trau­er um Fritz Wahl

Ge­ach­tet als Ge­schäfts­mann, ge­schätzt und be­liebt als Mensch: Fritz Wahl aus Sulz­bach-Lau­fen starb ver­gan­ge­ne Wo­che nach ei­nem er­füll­ten, aber auch von Schick­sals­schlä­gen ge­präg­ten Le­ben.

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Von Bri­git­te Hof­mann

Er konn­te Men­schen über­zeu­gen und be­geis­tern, hat­te Witz und Hu­mor, und er war durch und durch ehr­lich,“Wenn Sulz­bach-Lau­fens Bür­ger­meis­ter Mar­kus Bock über Fritz Wahl spricht, dann in den höchs­ten Tö­nen. Der über­aus ge­schätz­te Eh­ren­bür­ger der Ge­mein­de Sulz­bach-Lau­fen ist am 16. September im Al­ter von 91 Jah­ren ge­stor­ben. Über Jahr­zehn­te hin­weg brach­te er sich in in­ner­ört­li­chen Gre­mi­en und in der hei­mi­schen Wirt­schaft ein. Sie hät­ten ein sehr gu­tes Ver­hält­nis ge­habt und Be­geg­nun­gen mit ihm sei­en im­mer äu­ßerst an­ge­nehm ge­we­sen, be­rich­tet der Bür­ger­meis­ter der Ko­cher­talge­mein­de.

Der lang­jäh­ri­ge Ge­mein­de­rat und Bür­ger­meis­ter-Stell­ver­tre­ter

Fritz Wahl ha­be nie hart Kri­tik ge­übt, son­dern sei­ne Ide­en, An­re­gun­gen und Vor­schlä­ge im­mer in sanf­te For­mu­lie­run­gen ge­packt. Und sein Le­ben lang ein glück­li­ches Händ­chen be­wie­sen – kom­mu­nal­po­li­tisch wie be­ruf­lich. „Sei­ne Mei­nung und sein Wort hat­ten Ge­wicht“, kon­sta­tiert Mar­kus Bock. Er ha­be gro­ße Hoch­ach­tung vor Wahls Le­bens­werk.

Das Le­ben und Wir­ken Fritz Wahls ist um­so be­mer­kens­wer­ter, wenn man weiß, dass er mit drei Jah­ren sei­ne Mut­ter und mit 14 sei­nen Va­ter ver­lor. Gera­de mal 17 Jah­re alt, über­nahm er nach dem Krieg zu­sam­men mit sei­ner Stief­mut­ter das el­ter­li­che Sä­ge­werk und bau­te es aus.

Im Den­ken und Han­deln ließ er sich vom Grund­satz „Treu und Glau­ben“lei­ten. Das brach­te dem Jung­un­ter­neh­mer bei sei­nen Mit­ar­bei­tern, den Sä­ge­werks­kol­le­gen, Wald­be­sit­zern, der Forst­ver­wal­tung und den Kun­den ho­hes An­se­hen ein. Sein Sach­ver­stand war im Vor­stand und Auf­sichts­rat zu­nächst der ört­li­chen und spä­ter der Lim­pur­ger Bank ge­fragt. Bun­des­weit war er im Ver­la­der- und Ver­kehrs­aus­schuss des BDI, der Ta­rif­kom­mis­si­on der Deut­schen Bun­des­bahn, im Vor­stand des Ver­bands der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Sä­ge­in­dus­trie und dar­über hin­aus vie­le Jah­re als Frie­dens­rich­ter tä­tig. Als höchs­te Aus­zeich­nung be­kam er 1990 das Bun­des­ver­dienst­kreuz ver­lie­hen.

Fritz Wahl war nicht nur Ge­schäfts­mann mit Weit­blick und ei­ner aus­ge­präg­ten Ader fürs Ge­mein­wohl, er war auch ein ab­so­lu­ter Ver­eins- und Fa­mi­li­en­mensch. Im Jahr 1956 ha­ben er und sei­ne Frau El­la ge­hei­ra­tet. Mit den Kin­dern Pe­ter, Sa­bi­ne und Bär­bel wuchs das Fa­mi­li­en­glück. Doch es galt auch schwe­re Schick­sals­schlä­ge hin­zu­neh­men, als so­wohl der ei­ge­ne Sohn als auch der Schwie­ger­sohn in jun­gen Jah­ren star­ben.

Dem Hei­mat- und Kul­tur­ver­ein und vie­len an­de­ren Ver­ei­nen war Fritz Wahl freund­schaft­lich ver­bun­den. Er strahl­te, wenn er bei den Fes­ten der Frit­zen­ge­sell­schaft Gaildorf/Lim­pur­ger Land in Frack und Zy­lin­der und in Be­glei­tung sei­nes En­kels Frido­lin mit Na­men Säg­fritz III. er­schien. Er war in frü­he­ren Zei­ten der Ge­ne­ral­fritz und nach sei­ner Ab­dan­kung der Eh­ren­fritz, ist in sei­ner be­schei­de­nen Art aber im­mer der Säg­fritz ge­blie­ben. Zwar war sei­ne po­li­ti­sche Hei­mat die FDP und er seit 1987 auch or­dent­li­ches Par­tei­mit­glied, den­noch war es sei­ne Über­zeu­gung, in der Kom­mu­nal­po­li­tik par­tei­po­li­ti­sches Ge­zänk au­ßen vor zu las­sen.

Er über­zeug­te Skep­ti­ker

Sei­ne Hei­mat­ge­mein­de hat dem Ver­stor­be­nen viel zu ver­dan­ken. Oh­ne ihn hät­te es die WEG-Bahn­stre­cke zwi­schen Gaildorf und Un­ter­grö­nin­gen nicht so lan­ge ge­ge­ben. Fritz Wahl war es auch, der An­fang der 70er-Jah­re nach dem plötz­li­chen Tod des Lau­fe­ner Bür­ger­meis­ters Ernst Hölz­le das Ru­der in die Hand nahm, um auch die letz­ten Skep­ti­ker von der be­vor­ste­hen­den Ge­biets­re­form zu über­zeu­gen. Dass er sich mit al­ler Kraft für das Zu­sam­men­wach­sen der Or­te Sulz­bach und Lau­fen ein­setz­te, be­trach­tet Mar­kus Bock als Fritz Wahls größ­tes Ver­mächt­nis. „Er wird uns feh­len“, stellt er fest – und spricht da­mit vie­len Men­schen weit über das Lim­pur­ger Land hin­aus aus der See­le.

Foto: Ar­chiv

Ge­schäsmann, Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, Ver­eins- und Fa­mi­li­en­mensch: Fritz Wahl aus Sulz­bach-Lau­fen starb am 16. September im Al­ter von 91 Jah­ren. Er wird am mor­gi­gen Di­ens­tag um 13 Uhr auf dem Lau­fe­ner Fried­hof zu Gr­a­be ge­tra­gen.

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