Ein Ohr­wurm, sie zu knech­ten

Haller Tagblatt - - VORDERSEIT­E - Ja­na Zah­ner

Aus gro­ßem Wis­sen er­wächst gro­ße Ver­ant­wor­tung. So oder so ähn­lich ha­ben wir es im Deutsch­un­ter­richt von Dür­ren­matts „Phy­si­kern“ge­lernt. Oh­ne Ein­steins E=mc2 hät­te es die Atom­bom­be viel­leicht nie ge­ge­ben.

Ein­mal mehr könn­te Ma­the­ma­tik un­ser Le­ben von Grund auf ver­än­dern. Die „Feel-Goo­dSong“-For­mel des nie­der­län­di­schen Neu­ro­wis­sen­schaft­lers Ja­cob Jo­lij sagt aus, wie sehr ein Lied die Stim­mung he­ben kann. Laut Be­rech­nung hat der­zeit „Mr. Blue Sky“von Electric Light Orches­tra den größ­ten Glücks­fak­tor. Von Lai­en für Lai­en er­klärt: Ein fröh­li­ches Lied hat et­wa 150 Beats pro Mi­nu­te, mehr als drei Ak­kor­de, ist in Dur und singt von an­ge­neh­men Din­gen.

Noch ist un­klar, was der Satz des Jo­lij noch an­rich­ten wird. Von „Mon­ty Py­thon“ken­nen wir die töd­li­chen Ge­fah­ren des lus­tigs­ten Wit­zes – wel­che schö­ne neue Welt bräch­te uns die ul­ti­ma­ti­ve Ode an die Freu­de? Spon­tan schlie­ßen sich ob des Ohr­wurms al­le Na­tio­nen zur glo­ba­len Glücks­dik­ta­tur „La-La-Land“zu­sam­men. Hier ist man im­mer su­per drauf und tanzt sei­nen Na­men, an­statt sich vor­zu­stel­len. Wer über die Dau­er­schlei­fe im Ra­dio me­ckert, wird in Bea­tCamps zwangs­be­schallt. Der letz­te Wi­der­stand: jun­ge Er­wach­se­ne, die durch Kopf­hö­rer und Fes­ti­vals schon vor Jah­ren ihr Ge­hör ver­lo­ren ha­ben. Jo­lij soll­te es Dür­ren­matts Phy­si­kern gleich­tun und sich zum Schut­ze al­ler für ver­rückt er­klä­ren las­sen.

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