Hu­ma­ni­tä­res Mi­ni­mum

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - An­dré Bochow

Die In­nen­mi­nis­ter aus Frank­reich, Ita­li­en, Mal­ta und Deutsch­land ha­ben ver­ein­bart, die Re­geln der See­notret­tung ein­zu­hal­ten. Die­se Re­geln be­sa­gen et­wa, dass Men­schen, die vor dem Er­trin­ken be­wahrt wur­den, in Si­cher­heit ge­bracht wer­den müs­sen. Da­mit ist nicht ge­meint, dass Schie wo­chen­lang kreu­zen, oh­ne die Ge­ret­te­ten an Land las­sen zu kön­nen. Nun gibt es ei­ne Über­gangs­lö­sung, und bei der wird der Teu­fel im De­tail ste­cken. Aber es wird in je­dem Fall ei­nen Fort­schritt zum bis­he­ri­gen Cha­os ge­ben.

Dass über­haupt Be­we­gung in die An­ge­le­gen­heit ge­kom­men ist, liegt auch an den neu­en Ein­sich­ten des frü­he­ren Hard­li­ners Horst See­ho­fer. Das Ver­spre­chen, ein Vier­tel der ge­ret­te­ten Flücht­lin­ge in Deutsch­land auf­zu­neh­men, hat ne­ben der Re­gie­rungs­um­bil­dung in Ita­li­en si­cher da­zu ge­führt, dass nun ei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de kam. Das Pro­vi­so­ri­um wird hel­fen, aber nicht das Pro­blem grund­sätz­lich lö­sen. Denn dass Mi­gran­ten im­mer wie­der den ge­fähr­li­chen Weg über das Mit­tel­meer wa­gen, liegt nicht zu­letzt dar­an, dass ei­ne ge­re­gel­te Ein­wan­de­rung kaum mög­lich ist. Auch die Flücht­lin­ge aus den Krie­gen in Sy­ri­en, Af­gha­nis­tan und im Irak hat­ten kei­ne Mög­lich­keit, auf dem Weg nach Eu­ro­pa um le­ga­le Ein­rei­se zu er­su­chen. Je­ne, die ei­ne bes­se­re wirt­schaft­li­che Zu­kunft su­chen, ris­kie­ren da­für eben­falls ihr Le­ben. Oder glaubt je­mand, es spricht sich nicht her­um, dass Tau­sen­de im Meer ster­ben?

Dar­an wird sich auch so schnell nichts än­dern. Denn bis­her geht es um die Ver­tei­lung, der­je­ni­gen, die über­le­ben. Horst See­ho­fer hat aber ver­spro­chen, dass man nie­man­den im Mit­tel­meer er­trin­ken las­se. Die Ein­lö­sung die­ses Ver­spre­chens steht noch aus.

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