Oh­ne Ei­tel­keit nach oben

Haller Tagblatt - - POLITIK -

Wenn Rolf Müt­zenich heu­te zum Nach­fol­ger von Andrea Nah­les ge­wählt wird – und das ist sehr wahr­schein­lich –, dann zieht ein neu­er Um­gang in der Frak­ti­on ein. Der 60-Jäh­ri­ge gilt als un­ei­tel und ver­läss­lich, er will nicht ver­ord­nen, son­dern über­zeu­gen. Wäh­rend die Par­tei da­mit be­schäf­tigt ist, sich in ei­nem lan­gen Pro­ze­de­re ei­ne neue Spit­ze zu ge­ben, soll we­nigs­tens in der Frak­ti­on Ru­he ein­keh­ren. Müt­zenich könn­te das ge­lin­gen.

Das liegt auch dar­an, dass der Köl­ner gar nicht in die ers­te Rei­he dräng­te. Nach Nah­les’ Rück­tritt über­nahm er die Frak­ti­ons­füh­rung, weil er der dienst­äl­tes­te Stell­ver­tre­ter ist. Dass er das Ram­pen­licht nicht sucht, ist ihm auch ein Vier­tel­jahr spä­ter noch an­zu­mer­ken: Er er­kun­digt sich bei Ka­me­ra­leu­ten, ob er rich­tig da­steht. Er be­dankt sich bei den Kor­re­spon­den­ten für das In­ter­es­se an der SPD – „auch an ei­nem Frei­tag­nach­mit­tag“. Nach in­nen sucht Müt­zenich nicht den Kon­flikt, son­dern das Zwie­ge­spräch. „Je­der ver­fügt über ei­nen ei­ge­nen Stil, je­der hat sei­ne ei­ge­ne po­li­ti­sche So­zia­li­sa­ti­on“, er­klärt er.

Sei­ne gan­ze Bio­gra­phie ist so­zi­al­de­mo­kra­tisch ge­prägt: Müt­zenich wuchs als Kind ei­ner Köl­ner Ar­bei­ter­fa­mi­lie auf. 1975 trat er der SPD bei. Im Zu­ge der Brandt’schen Bil­dungs­ex­pan­si­on stu­dier­te er in den 70ern und 80ern un­ter an­de­rem Po­li­tik­wis­sen­schaft. Schon da­mals wa­ren Au­ßen- und Ver­tei­di­gungs­po­li­tik sei­ne Fel­der. Er ist ih­nen treu ge­blie­ben – und hat sich durch Hart­nä­ckig­keit ei­nen Na­men ge­macht. Qua­si im Al­lein­gang setz­te er durch, dass deut­sche Waƒen nicht mehr in Län­der ge­lie­fert wer­den, die am Je­men-Krieg be­tei­ligt sind.

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