Gre­ta Thun­berg liest den Mäch­ti­gen die Le­vi­ten

Do­nald Trump er­scheint über­ra­schend zum UN-Gip­fel. 66 Staa­ten wol­len bis 2050 kli­ma­neu­tral sein.

Haller Tagblatt - - POLITIK -

New York. Gre­ta Thun­berg hat Trä­nen in den Au­gen, ih­re Stim­me ist brü­chig. „Wie könnt Ihr es wa­gen!“, schleu­dert die 16-jäh­ri­ge Schwe­din den Dut­zen­den Staats- und Re­gie­rungs­chefs in der voll be­setz­ten Hal­le der UN-Voll­ver­samm­lung mehr­fach ent­ge­gen. „Ich soll­te hier nicht sein, ich soll­te zu­rück in der Schu­le sein auf der an­de­ren Sei­te des Oze­ans.“Thun­berg sitzt vor den Mäch­ti­gen der Welt. Und sie liest ih­nen beim UN-Kli­ma­gip­fel die Le­vi­ten, wie es auf die­ser Büh­ne wohl noch nie ge­sche­hen ist.

Die Schü­le­rin ruft den Mäch­ti­gen ent­ge­gen, sie sei­en „nicht reif ge­nug“für die Wahr­heit: „Wie konn­tet Ihr es wa­gen, mei­ne Träu­me und mei­ne Kind­heit zu steh­len mit eu­ren lee­ren Wor­ten?“Im­mer wie­der bran­det Ap­plaus auf von de­nen, die Thun­berg gera­de an­greift.

Ih­re Wor­te sind kaum ver­klun­gen, da öƒnet sich die Tür und der Über­ra­schungs­gast des Ta­ges tritt in den Saal: Do­nald Trump setzt sich. Pünkt­lich zur Re­de von Mer­kel ist er da, Thun­berg hat das Po­di­um ver­las­sen. Trump hat­te ur­sprüng­lich gar nicht ge­plant, den Kli­ma­gip­fel zu be­su­chen. Er bleibt auch nur für ei­ne knap­pe Vier­tel­stun­de.

Wäh­rend an­de­re Na­tio­nen ih­re Staats- und Re­gie­rungs­chefs für den UN-Kli­ma­gip­fel auf­bie­ten, soll­te die US-De­le­ga­ti­on von ei­ner stell­ver­tre­ten­den Ab­tei­lungs­lei­te­rin im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um an­ge­führt wer­den. Die niedri­gran­gi­ge Be­set­zung ver­wun­dert nicht: Trump hat sich mehr­fach skep­tisch ge­äu­ßert, ob es den Kli­ma­wan­del gibt und falls ja, ob er vom Men­schen ver­ur­sacht ist, ihn als „Scherz“und Er­fin­dung Chi­nas be­zeich­net.

Es ist, als ob Mer­kel Trump meint, als sie ih­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ins Ge­wis­sen re­det: „Es gibt kei­nen Zwei­fel, dass der Kli­ma­wan­del, die Er­der­wär­mung im We­sent­li­chen von Men­schen ge­macht ist.“Den Na­men des US-Prä­si­den­ten spricht sie nicht aus. Doch auch bei ih­rem di­rekt dar­auf fol­gen­den Be­kennt­nis zum ge­mein­sa­men welt­wei­ten Han­deln dürf­te sie Trump im Vi­sier ge­habt ha­ben. Die Er­der­wär­mung sei „ei­ne glo­ba­le Her­aus­for­de­rung, die nur ge­mein­sam be­wäl­tigt wer­den kann, denn wir ha­ben al­le nur ei­ne Er­de“. Gleich zu Be­ginn ih­rer kur­zen An­spra­che nimmt die Kanz­le­rin die lei­den­schaft­li­chen Wor­te Thun­bergs auf und sagt: „Wir al­le ha­ben den Weck­ruf der Ju­gend ge­hört.“

Un­mit­tel­bar vor dem Kli­ma­gip­fel hat­te UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär An­to­nio Gu­ter­res kon­kre­te Zu­sa­gen der Teil­neh­mer­staa­ten veröƒent­licht. Da­nach ver­pflich­ten sich 66 Län­der, 10 Re­gio­nen, 102 Städ­te und 93 Kon­zer­ne bis 2050 kli­ma­neu­tral zu wer­den, al­so kei­ne Treib­haus­ga­se mehr aus­zu­sto­ßen. Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel hat die­ses Ziel auch für Deutsch­land aus­ge­ru­fen.

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