An­onym aufs Klas­sen­fo­to

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU - Ro­land Mül­ler

Aus Sicht des Da­ten­schut­zes ist so ein Te­le­fon­buch ja ei­ne höchst be­denk­li­che Sa­che. Vor­und Nach­na­me, Adres­se, Te­le­fonund Fax­num­mer, ein­fach so ö£ent­lich für je­der­mann ein­seh­bar – da kann dem Bür­ger mit Sinn für Pri­vat­sphä­re Angst und Ban­ge wer­den. Das hat nun auch die Pi­ra­ten­par­tei im Süd­wes­ten er­kannt – ei­ne Par­tei, die völ­lig zu Un­recht in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten ist, wie selbst „Land am Rand“, die zu stren­ger Neu­tra­li­tät ver­pflich­te­te Di­gi­tal-Ko­lum­ne, zu­ge­ben muss.

Der Vor­stoß der Pi­ra­ten: Die Verö£ent­li­chung der kom­plet­ten Adres­sen von Kan­di­da­ten auf Wahl­zet­teln für Kom­mu­nal­wah­len sol­le be­en­det, die Ge­set­ze ent­spre­chend ge­än­dert wer­den. Nach vie­len An­gri£en auf Po­li­ti­ker wä­re es ein „e£ek­ti­ver Schutz“, die Adres­sen nicht mehr zu verö£ent­li­chen, heißt es in ei­ner Mit­tei­lung. Es sei auch völ­lig aus­rei­chend, den Orts- oder Stadt­teil an­zu­ge­ben. Oder halt gar nichts, wie in Bay­ern. Die SPD, in Sa­chen Da­ten­schutz seit ei­ni­ger Zeit arg sen­si­bi­li­siert, hat schon ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge ans In­nen­mi­nis­te­ri­um ge­stellt. Rich­tig so!

Ein an­de­res An­sin­nen aus Rhein­land-Pfalz aber geht et­was weit: Ein Leh­rer woll­te sich dort aus dem Klas­sen­fo­to des Schul­jahr­buchs til­gen las­sen – und zog vor Ge­richt. Ihm sei nicht klar ge­we­sen, dass das Bild verö£ent­licht wird, so sein Ar­gu­ment. Die Rich­ter wie­sen die Kla­ge aber ab: Ein Klas­sen­fo­to sei kein rechts­wid­ri­ger Ein­gri£; und wer nicht ins Jahr­buch wol­le, sol­le sich halt ein­fach nicht vor die Ka­me­ra stel­len. Un­ser Kom­pro­miss-Vor­schlag: Sturm­hau­be auf­set­zen!

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