Zi­gar­ren ge­gen Ak­kor­de­on­stun­den

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Von Karin Freu­den­ber­ger

Mu­sik spielt im Le­ben von Ge­org Strack ei­ne gro­ße Rol­le. Das galt schon in sei­ner al­ten Hei­mat Schau­mar in Un­garn. Und erst recht spä­ter in sei­ner neu­en Hei­mat in Wüs­ten­rot.

eorg Strack kam im März 1932 im do­nau­schwä­bi­schen Städt­chen Schau­mar, heu­te So­lymár, in Un­garn zur Welt. Er wur­de in ei­ne Fa­mi­lie hin­ein­ge­bo­ren, in der im­mer Mu­sik ge­macht wur­de. Er wuchs qua­si als ei­nes der Kin­der der Strack-Ka­pel­le auf, die aus vie­len Ver­wand­ten be­stand und in Schau­mar an Wo­che­n­en­den oder bei Fes­ten zum Tanz auf­spiel­te.

GAus dem Land ge­jagt

Die glück­li­che Kind­heit auf dem Land en­de­te jäh durch die po­li­ti­schen Er­eig­nis­se. Da sich sei­ne El­tern zur deut­schen Spra­che und zum Deutsch­tum be­kann­ten, zähl­ten sie nach Kriegs­en­de zu den Ver­lie­rern. Zwar war der Durch­marsch der Ro­ten Ar­mee in den letz­ten Kriegs­mo­na­ten noch glimpf­lich ver­lau­fen, doch im April 1946 schlug die St­un­de des Ab­schieds. „Die Po­li­zei hat die Leu­te zu­sam­men­ge­trom­melt und uns Do­n­au­schwa­ben mit­ge­teilt, dass wir ge­hen müs­sen“, er­in­nert er sich.

Am 18. April hieß es Ab­schied neh­men und mit der zu­sam­men­ge­pack­ten Ha­be in Gü­ter­wag­gons ein­zu­stei­gen. Das Ziel: zu­nächst un­be­kannt. Es gab meh­re­re Auf­ent­hal­te, dar­un­ter ei­ni­ge Ta­ge in Hei­den­heim. Schließ­lich lan­de­te die Fa­mi­lie Strack am 7. Mai am Öh­rin­ger Bahn­hof. Dort hör­te ein Mit­ar­bei­ter von der mu­si­ka­li­schen Be­ga­bung der Flücht­lin­ge und hat­te die Idee, sie ins Na­tur­freun­de­haus nach Neu­hüt­ten zu schi­cken.

Das Haus im Wald wur­de schnell zur neu­en Hei­mat. „Die Be­völ­ke­rung hat uns von An­fang an freund­lich auf­ge­nom­men, ich ge­wann in der Schu­le gu­te Kum­pels“, denkt Ge­org Strack ger­ne an den Neu­an­fang zu­rück.

Für 16 Mo­na­te wur­de das Na­tur­freun­de­haus für vier Fa­mi­li­en zu ei­nem Do­mi­zil, das sie mit Mu­sik füll­ten. An den Wo­che­n­en­den spiel­te die Ka­pel­le Strack wie­der zum Tanz auf, und schnell merk­ten die Alt-Neu­hüt­te­ner, was für mu­si­ka­li­sche Ju­we­le sie da­zu­ge­won­nen hat­ten.

Es sprach sich her­um, was für fröh­li­che Ver­an­stal­tun­gen das wa­ren, und auch die Nach­barn aus den um­lie­gen­den Ge­mein­den ge­nos­sen die tem­pe­ra­ment­vol­le Tanz­mu­sik.

War Ge­org Strack an­fangs noch der­je­ni­ge, der für die Mu­si­kan­ten in Neu­hüt­ten im „Röss­le“ei­nen Krug Most ho­len muss­te, än­der­te sich das schnell, als er dank sei­nes Schul­leh­rers Ak­kor­de­on spie­len lern­te. In der Zwi­schen­zeit war Fa­mi­lie Strack nach Neu­hüt­ten um­ge­zo­gen, und Ge­org hat­te be­gon­nen, in der Zi­gar­ren­fa­brik zu ar­bei­ten: „Die Ak­kor­de­on­stun­den ha­be ich dann mit Zi­gar­ren be­zahlt.“Ei­ne loh­nens­wer­te In­ves­ti­ti­on, denn er grün­de­te sei­ne ei­ge­ne Ka­pel­le, die auf Dor es­ten, an Fast­nacht oder der Kirch­weih spiel­te.

Neue Sied­lung in der Sand­gru­be

Mit der „Fi­sche­rin vom Bo­den­see“, dem „Hei­der­ös­lein“, den „Ca­pri-Fi­schern“oder der „Herz­Schmerz-Pol­ka“spiel­te sich Ge­org Strack in die Her­zen des Pu­bli­kums. Längst war auch Bür­ger­meis­ter Au­gust Stro­bel klar ge­wor­den, wel­che Schät­ze er in sei­nen Rei­hen hat­te: im­mer gut ge­launt und da­zu ar­beit­sam. Al­so kauf­te er die al­te Sand­gru­be bei Neu­hüt­ten und sorg­te da­für, dass die Neu­bür­ger bil­li­ges Bau­geld be­ka­men. Zu­dem konn­ten sie für ei­ne Mark pro Qua­drat­me­ter Bau­ge­län­de kau­fen.

Es ent­stand die Au­gust-Stro­bel-Sied­lung, in der im­mer noch vie­le Do­n­au­schwa­ben und ih­re Nach­fah­ren woh­nen. Noch heu­te gibt es in Wüs­ten­rot sie­ben Bür­ger, die in Schau­mar ge­bo­ren sind. Sie und ih­re Kin­der und En­kel ha­ben da­für ge­sorgt, dass die Ge­mein­de­part­ner­schaft mit dem un­ga­ri­schen So­lymár von ganz be­son­de­rer Herz­lich­keit ge­tra­gen wird.

Beim 30-Jah­re-Ju­bi­lä­um vor we­ni­gen Wo­chen in der Ge­or­gKropp-Hal­le wur­de Ge­org Strack von un­ga­ri­scher Sei­te ge­ehrt für sei­ne Ver­diens­te. Selbst­re­dend, dass er auch En­de September mit­fah­ren wird, wenn der Ge­gen­be­such an­ge­sagt ist. Für den noch sehr rüs­ti­gen 87-Jäh­ri­gen ist das ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. War­um er so fit ist? „Mu­sik und Ge­sel­lig­keit hal­ten mich jung“, schmun­zelt er. Und be­tont, dass er noch im­mer re­gel­mä­ßig zum Tan­zen geht.

Foto: Karin Freu­den­ber­ger

Ge­org Strack, der fröh­li­che Mu­si­kant, wie ihn Freun­de und Be­kann­te ken­nen uns schät­zen.

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