Bund kri­ti­siert Um­gang mit Leh­rern im Süd­wes­ten

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU - Jens Schmitz

Mi­nis­te­ri­um be­män­gelt die Pra­xis, dass im Som­mer vie­le Päd­ago­gen in die Ar­beits­lo­sig­keit ge­schickt wer­den.

Stutt­gart. Rü­ge für Ba­den-Würt­tem­bergs Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann (CDU): Die Bun­des­re­gie­rung kri­ti­siert die Pra­xis, Lehr­kräf­te wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en ar­beits­los zu stel­len. In Deutsch­land macht kein Bun­des­land häu­fi­ger von die­ser Spar­maß­nah­me Ge­brauch als der Süd­wes­ten.

Grund­sätz­lich sei es zwar mög­lich, auch Ar­beits­ver­trä­ge von Lehr­kräf­ten zu be­fris­ten, ant­wor­tet das SPD-ge­führ­te Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um auf ei­ne FDP-An­fra­ge im Bun­des­tag, die un­se­rer Zei­tung vor­liegt. „Die Bun­des­re­gie­rung sieht die Pra­xis aber kri­tisch, wenn be­reits bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ab­seh­bar ist, dass die Lehr­kraft zu Be­ginn des dar­auŸol­gen­den Schul­jah­res er­neut ein­ge­stellt wer­den soll.“

Der Bun­des­agen­tur für Ar­beit zu­fol­ge ha­ben sich 2018 in Deutsch­land rund 6000 Lehr­kräf­te vor oder wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en ar­beits­los ge­mel­det. In Ba­den-Würt­tem­berg wa­ren es 1850, das ist mit Ab­stand der höchs­te Wert. Die Be­troŸenen sind Re­fe­ren­da­re mit ab­ge­schlos­se­ner Aus­bil­dung, die das Land erst zum neu­en Schul­jahr ins Be­am­ten­ver­hält­nis über­nimmt, oder Ver­tre­tungs­leh­rer. Statt der Lan­des­kas­se muss die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung für die Som­mer­mo­na­te auf­kom­men.

Die Län­der sei­en „in­so­weit ge­for­dert, den Lehr­kräf­ten Ar­beits­be­din­gun­gen zu bie­ten, die der Be­deu­tung des Be­rufs ge­recht wer­den und un­nö­ti­ge Kos­ten für die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­mei­den“, schreibt die Bun­des­re­gie­rung. Nach Sich­tung der Ar­beits­markt­da­ten für Au­gust und Sep­tem­ber wol­le das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um prü­fen, „ob und ge­ge­be­nen­falls auf wel­che Bun­des­län­der es zu­ge­hen wird“.

Das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um in Ba­den-Würt­tem­berg ließ am Di­ens­tag auf An­fra­ge kei­ne Ab­sicht er­ken­nen, et­was zu än­dern. Res­sort­che­fin Ei­sen­mann hat die Kos­ten da­für 2017 auf rund 40 Mil­lio­nen Eu­ro be­ziŸert. Das sei fi­nanz­po­li­tisch nicht zu stem­men, sag­te sie da­mals.

Der FDP-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Jens Bran­den­burg (Wahl­kreis Rhein-Neckar), der die An­fra­ge ge­stellt hat, for­dert Druck aus Ber­lin: „Die Bun­des­re­gie­rung darf die­ser Pra­xis nicht län­ger ta­ten­los zu­se­hen“, sag­te er. „Frau Ei­sen­mann braucht ei­ne kla­re An­sa­ge, dass sie ih­re Leh­re­rin­nen und Leh­rer künf­tig selbst be­zah­len muss. Kein pri­va­tes Un­ter­neh­men dürf­te sich sol­che Tricks er­lau­ben.“

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