Gar­ne­len­domp­teur aus Schwa­bis­tan

Haller Tagblatt - - KULTUR - Von Andreas Deh­ne

Der Stand-up-Ko­mi­ker Salim Sa­ma­tou treibt mit sei­nen spon­ta­nen Gags den Zu­schau­ern im Hal­ler Al­ten Schlacht­haus die Lach­trä­nen in die Au­gen.

Wer es hier scha©t, der scha©t es auch in Tsche­tsche­ni­en.“Salim Sa­ma­tou zeigt sich von Schwä­bisch Hall be­geis­tert. „Eu­re Stadt sieht aus wie ein Mu­se­um. Als ob hier noch nie et­was pas­siert ist seit dem Mit­tel­al­ter.“Auf Ein­la­dung des Kon­zert­krei­ses Tri­an­gel und des Kul­tur­bü­ros der Stadt gas­tiert der Ge­win­ner des RTL-Come­dy­Grand-Prix 2016 zum ers­ten Mal in Hall. „Hier ei­nen Grund­schul­ab­schluss ge­macht, ent­spricht ei­nem Dok­tor­ti­tel in Ber­lin“, be­haup­tet er von den Ge­ge­ben­hei­ten in „Schwa­bis­tan“. „An der Uni Ber­lin wur­de ich von ei­nem acht­jäh­ri­gen Schwa­ben un­ter­rich­tet. Der hat sich die Win­deln ge­wech­selt und mir Ma­the er­klärt.“

Vom frü­hen Fuchs

Der in In­di­en ge­bo­re­ne Sa­ma­tou zeigt sich auch sonst sehr Hall-af­fin. „Der frü­he Fuchs frisst den frü­hen Vo­gel, be­vor der den frü­hen Wurm fängt“, ka­lau­ert er in An­spie­lung auf das Mas­kott­chen der Bau­spar­kas­se.

Aber die ei­gent­li­che Stär­ke des Soh­nes ei­ner in­di­schen Mut­ter und ei­nes ma­rok­ka­ni­schen Va­ters ist der in­ten­si­ve Kon­takt mit dem Pu­bli­kum. Au©äl­lig vor Be­ginn sei­nes Auf­trit­tes im nicht ganz aus­ver­kauf­ten Thea­ter­saal im Al­ten Schlacht­haus in Schwä­bisch Hall: Die ers­te Rei­he vor der ima­gi­nä­ren Büh­ne bleibt zu­nächst un­be­setzt. Erst die letz­ten Gäs­te aus Bret­ten bei Karls­ru­he und Win­nen­den neh­men sie ein. „Die in der ers­ten Rei­he wer­den nicht dran­ge­nom­men. Nur die in der zwei­ten“ist sich Zu­schau­er Ra­chid si­cher und führt sei­ne Be­glei­ter auf die frei­en Plät­ze.

Was für ein Ge­winn – für die Zu­schau­er ab der drit­ten Rei­he. „Wie viel Spei­cher hat dein Han­dy ei­gent­lich?“, fragt Salim Sa­ma­tou zu­nächst noch vor­sich­tig bei Ra­chid an, der von Be­ginn an filmt. „Soll ich vi­el­leicht noch je­man­den für dich grü­ßen?“

In ei­nem irr­sin­ni­gen Tem­po geht Sa­ma­tou dann in ei­nen wit­zi­gen Dia­log mit sei­nen Zu­schau­ern. Was für ei­nen Be­ruf sie ha­ben, wel­che Haus­tie­re und wo sie ur­sprüng­lich her­kom­men. Sa­ma­tou macht aus der tür­kisch-ukrai­ni­schen Vo­gel­spin­ne und den deutsch-rus­si­schen Gar­ne­len­züch­tern ei­ne wirk­lich pri­ckeln­de Stand-up-Come­dy-Show, die ei­nem die Lach­trä­nen nur so in die Au­gen treibt. „Voll die Ver­schwen­dung, hier ein Pro­gramm zu ma­chen“, hält er dem laut­hals la­chen­den Pu­bli­kum ent­ge­gen. Es reicht hier ein­fach, ei­ne Fra­ge zu stel­len. So kommt er vom „Gar­ne­len­domp­teur“, bei dem „so­gar die Ka­ker­la­ken ei­nen Herz­in­farkt be­kom­men“, über sein per­sön­li­ches tak­ti­les Emp­fin­den für „Rent­ner-Klö­ten“zu dem „Mops von Win­nen­den“und lan­det da­mit ganz plötz­lich – und un­ge­wollt (?) – bei Wa­ter­boar­ding und Guan­ta­na­mo.

Sein ak­tu­el­les Pro­gramm trägt den Ti­tel „In­der Tat“, und so ist es auch. Salim Sa­ma­tou be­treibt die Stand-Up-Come­dy so ge­konnt wie im Mo­ment wohl kaum ein Zwei­ter. Na­he­zu al­le In­puts der Be­su­cher wer­den gna­den­los gut in das Pro­gramm in­te­griert. Und die Zu­schau­er in Hall ma­chen her­vor­ra­gend mit. Die Stim­mung ist so aus­ge­las­sen, dass man­che schon vor dem ei­gent­li­chen Witz la­chen müs­sen. Oder das La­chen al­lei­ne schon an­ste­ckend ist. Zu­schaue­rin Jo­se­phi­ne soll ihn zur „Fa­ke-Zu­ga­be“am Mi­kro­fon be­grü­ßen. Jo­se­phi­ne kann aber nur noch la­chen. Und die be­geis­ter­ten Zu­schau­er mit ihr.

Me­di­ka­men­te „für um­sonst“

Der et­was dun­kel­häu­ti­ge Sa­ma­tou be­dau­ert die na­tur­far­be­nen Rat­ten, die im Müll wüh­len müs­sen. Die wei­ßen La­bor­rat­ten da­ge­gen be­kä­men so­gar „die Me­di­ka­men­te für um­sonst“. Ra­chid aus der ers­ten Rei­he ver­lässt nach 90 Mi­nu­ten Come­dy la­chend den Thea­ter­saal. Er hat viel ein­ste­cken müs­sen. Hin­ter je­dem Scherz steckt ei­ne Wahr­heit. Sa­ma­tou hat zwar vie­le un­an­ge­neh­me Wahr­hei­ten an­ge­spro­chen. Aber ganz spon­tan, ganz auf die Zu­schau­er be­zo­gen, und un­glaub­lich wit­zig. Man hat sel­ten so viel ge­lacht wie an die­sem Abend.

Fo­to: Andreas Deh­ne

Salim Sa­ma­tou hat zwar ein Pro­gramm mit dem Ti­tel „In­der Tat“, sei­ne wah­re Stär­ke liegt aber in der Spon­ta­nei­tät.

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