Bau­en oder sa­nie­ren, das ist die gro­ße Fra­ge

Ge­mein­de­rat Ils­hofen und Land­rats­amt strei­ten um ein bau­fäl­li­ges Haus in Groß­all­mer­spann.

Haller Tagblatt - - LANDKREIS HALL - Ute Schä­fer

Ils­hofen. Die Sa­che mit der in­ner­ört­li­chen Be­bau­ung ist manch­mal gar nicht so ein­fach, er­fuh­ren die Ge­mein­de­rä­te der Stadt Ils­hofen in ih­rer jüngs­ten Sit­zung. Auf der Ta­ges­ord­nung stand das Vor­ha­ben ei­nes Bau­her­ren, ein Haus in Groß­all­mer­spann ab­zu­rei­ßen und an glei­cher Stel­le neu zu bau­en. „Der Ab­bruch des Hau­ses wur­de schon ge­neh­migt“, er­klär­te Bau­amts­lei­ter Her­bert Kraft dem Gre­mi­um. Denn das Haus sei bau­fäl­lig. „Sa­nie­ren ist schwie­rig.“

Neu­bau in glei­cher Grö­ße

Des­halb will der Bau­herr ei­nen Neu­bau hin­stel­len. Das neue Haus soll et­wa gleich groß wer­den wie das al­te – al­ler­dings von der Stra­ße et­was ab­ge­rückt, in die das al­te Ge­bäu­de fast hin­ein­ragt.

Doch da­mit hat der Bau­herr die Plä­ne oh­ne das Land­rats­amt ge­macht. Das Amt sagt: Sa­nie­rung ja, Neu­bau nein. Kraft: „Zur Zeit be­kommt der Bau­herr kei­ne Ge­neh­mi­gung für ei­nen Neu­bau. Ei­ne für die Sa­nie­rung wür­de er al­ler­dings be­kom­men.“

Der Grund für die Be­den­ken des Land­rats­amts: der land­wirt­schaft­li­che Be­trieb in der Nach­bar­schaft, der Be­stands­schutz ge­nießt und in sei­ner Ent­wick­lung nicht be­hin­dert wer­den darf. Da­bei dreht es sich um Im­mis­si­ons­las­ten, er­läu­ter­te Kraft, al­so vor al­lem um Lärm und Gestank, und um die Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten in der Zu­kunft. „Wo­bei der Bau­herr al­ler­dings sa­nie­ren und ein­zie­hen dürf­te. Für uns macht das al­les kei­nen Sinn.“

Das Amt be­ru­fe sich bei sei­ner Ab­leh­nung auf Da­ten, die die Tier­hal­tung in der Nach­bar­schaft bet­re†en, be­rich­te­te Bür­ger­meis­ter Mar­tin Bles­sing. „Aber die Fra­ge ist doch im­mer, ob die Hof­stel­len tat­säch­lich Tie­re im Stall ha­ben oder nur noch die Ge­neh­mi­gung da­zu.“Er ver­mu­te, dass dem Amt Be­rech­nun­gen vor­ge­le­gen hät­ten, „die nichts mit der Rea­li­tät zu tun hat­ten“.

Stadt zwi­schen den Stüh­len

Des­halb be­dau­er­te der Bür­ger­meis­ter: „Wir kön­nen nicht das ma­chen, was für un­se­ren Ort sinn­voll ist.“Über­haupt se­he sich die Stadt zwi­schen den Stüh­len – näm­lich zwi­schen dem Land­rats­amt und des­sen Nein zum Neu­bau und dem Land, das den Ge­mein­den in­ner­ört­li­che Ver­dich­tung emp­feh­le. Doch das Land­rats­amt be­ru­fe sich auf vie­le Ver­fah­ren und Re­ge­lun­gen. „Das ist al­les ziem­lich bü­ro­kra­tisch“, be­dau­er­te der Bür­ger­meis­ter und er­mu­tig­te die Rä­te da­zu, Ab­bruch und Neu­bau des Hau­ses in Groß­all­mer­spann zu­zu­stim­men. Auch wenn er kraft Am­tes den Be­schluss spä­ter wi­der­ru­fen müs­se. „Ich glau­be, dass der Zeit­punkt ge­kom­men ist, das ein­mal o†en aus­zu­tra­gen“, sag­te Bles­sing. „Es ist mal an der Zeit, kon­se­quent zu sein und nicht klein bei­zu­ge­ben. Wir müs­sen doch wis­sen, wo die Rei­se hin­geht.“

Auch wenn die Ge­mein­de­rä­te be­ton­ten, dass in­ner­ört­li­che Bau­maß­nah­men für Land­wir­te kei­nes­falls Nach­tei­le brin­gen dürf­ten, wa­ren sie da­für, die Sach­la­ge auch vom Land­wirt­schafts­amt noch ein­mal prü­fen zu las­sen. „Na­tür­lich dür­fen Land­wir­te nicht den Kür­ze­ren zie­hen“, sag­te Bles­sing. „Doch wir soll­ten trotz­dem den An­trag ans Amt zu­rück­ge­ben. Es wird dann so­wie­so die Brem­se rein­hau­en. Aber dann geht das Ver­fah­ren den nächs­ten Schritt, näm­lich dass al­les noch ein­mal ge­prüft wird. Das wol­len wir er­rei­chen.“

Haupt­amts­lei­ter Klaus Blüm­lein er­läu­ter­te in die­sem Zu­sam­men­hang, dass die Ge­mein­de oh­ne­hin kei­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis ha­be, wie bei Bau­sa­chen über­haupt. „Von uns wird nur das Ein­ver­neh­men ein­ge­holt. Ent­schei­den wird das Land­rats­amt.“

Doch dass sa­niert wer­den darf, aber nicht neu be­baut, „das kön­ne nicht sein“, so Kraft, und das fan­den auch die Ge­mein­de­rä­te. Sie folg­ten dem Vor­schlag der Ver­wal­tung mehr­heit­lich mit vier Ge­gen­stim­men und zwei Ent­hal­tun­gen. „Gut, dann sind wir mal ge­spannt, was dar­aus wird“, schloss Bür­ger­meis­ter Mar­tin Bles­sing.

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