Län­der brau­chen hö­he­re Dei­che

Erst­mals be­rück­sich­tigt der Welt­kli­ma­rat auch Da­ten aus der Ant­ark­tis. Das lie­fert neue Er­kennt­nis­se.

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - igs/gwb/dpa

Ber­lin. Der Welt­kli­ma­rat (IPCC) zeigt er­neut, wel­che gra­vie­ren­de Fol­gen der mensch­ge­mach­te Kli­ma­wan­del hat. Neu ist die er­wei­ter­te Da­ten­ba­sis.

Was ist neu am IPCC-Be­richt? „Der neue Re­port hat das ers­te Mal das Ab­schmel­zen des ant­ark­ti­schen Eis­schil­des mit hin­ein­ge­nom­men“, er­klärt Mi­t­au­tor Tho­mas Frö­li­cher von der Uni­ver­si­tät Bern. „Man ist im­mer vor­sich­tig ge­we­sen.“Es ha­be zu­vor zu we­nig gu­te Da­ten ge­ge­ben, um dies ein­zu­be­zie­hen. Auch jetzt ge­be es noch Un­si­cher­hei­ten. Si­cher sei aber, der Mee­res­spie­gel wird an­stei­gen.

Sind die Küs­ten ge­wapp­net? Be­son­ders be­troƒen durch häu­fi­ge­re und hef­ti­ge­re Stür­me sind die Tro­pen. Aber auch Meck­len­burg-Vor­pom­mern rech­net nach den Wor­ten von Um­welt­mi­nis­ter Till Back­haus (SPD) mit hö­he­ren Kos­ten für den Schutz sei­ner Küs­te. Der­zeit wen­de das Land jähr­lich rund 20 Mil­lio­nen Eu­ro da­für auf. „Das wird zu­künf­tig nicht mehr rei­chen.“Den­noch ha­be Deutsch­land an den Küs­ten gut vor­ge­sorgt, ins­be­son­de­re Schles­wig-Hol­stein, sagt IPCC-Lei­t­au­to­rin Zi­ta Se­bes­va­ri. Das Bun­des­land ha­be als ei­ne der we­ni­gen Re­gio­nen der Er­de Kli­ma­dei­che ge­baut. Die sind sehr breit, so dass sie spä­ter auf­ge­stockt wer­den kön­nen. Für das Wat­ten­meer sieht es schlech­ter aus.

Ist Ski­fah­ren bald pas­sé? Die Glet­scher in den Ge­bir­gen von Mit­tel­eu­ro­pa und an­de­ren Re­gio­nen wer­den bis 2100 im Schnitt 80 Pro­zent ih­rer Eis­mas­se ver­lie­ren. Man se­he heu­te schon die Ver­schie­bung der Ski­ge­bie­te in mitt­le­re und hö­he­re Hö­hen­la­gen, be­rich­tet Gla­zio­lo­ge Mat­thi­as Huss von der ETH Zü­rich. Vie­le Glet­scher sind laut IPCC selbst mit bes­ten Kli­ma­schutz­be­mü­hun­gen nicht mehr zu ret­ten.

Wel­che Fol­gen hat das für die Tie­re? Eis­bä­ren fin­den nicht mehr ge­nug Nah­rung, wenn die Eis­flä­chen wei­ter­hin zu­rück­ge­hen. Die­se ja­gen Rob­ben, in­dem sie vor den Luft­lö­chern auf sie war­ten, bis die­se Auf­tau­chen. Durch die Eis­schmel­ze ver­schwin­den die Lö­cher, stell­te ei­ne US-Stu­die kürz­lich fest. Un­ter Was­ser ent­ste­hen durch die Er­wär­mung der Mee­re rie­si­ge „To­des­zo­nen“, in de­nen es kei­nen Sau­er­s­toƒ gibt. Be­son­ders ge­fähr­det sind laut IPCC die Koral­len­riƒe, die zu­gleich ein Le­bens­raum für zahl­rei­che Tie­re so­wie ein Schutz ge­gen Sturm­schä­den an den Küs­ten sind.

Ent­wei­chen gif­ti­ge Ur­ga­se, wenn die Tun­dra taut? Laut Chris­toph Schnei­der von der Hum­boldt-Uni in Ber­lin droht durch die auf­tau­en­den Per­ma­frost­bo­den die Ge­fahr ei­ner Be­schleu­ni­gung des Kli­ma­wan­dels. Denn die tau­en­de Land­schaft set­ze ver­stärkt Methan frei. In die­ser Fra­ge blei­be der IPCC-Be­richt je­doch zu­rück­hal­tend. „Ich hät­te er­war­tet, dass der Be­richt die Ri­si­ken von auf­tau­en­dem Per­ma­frost kla­rer her­aus­stellt.“

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