Wir­bel um Trumps Te­le­fo­nat

Die Ukrai­ne-Af­fä­re hat das Fass zum Über­lau­fen ge­bracht. Die op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten ha­ben nun ge­nug von den Es­ka­pa­den des Prä­si­den­ten. Sie wol­len ein Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren an­sto­ßen.

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Von Pe­ter De Thier

Für US-Prä­si­dent Do­nald Trump wird es lang­sam un­ge­müt­lich. Nach der Verö ent­li­chung des Be­richts von Son­der­er­mitt­ler Ro­bert Mu­el­ler schien er noch mit ei­nem blau­en Au­ge da­von­ge­kom­men zu sein. Wie kommt es, dass er als drit­ter Prä­si­dent in der US-Ge­schich­te nun vor ei­nem Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren steht? Hier die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zum dro­hen­den so ge­nann­ten Im­peach­ment-Ver­fah­ren:

Wor­auf be­zieht sich das Vor­ge­hen der De­mo­kra­ten?

Das an­lau­fen­de „Im­peach­ment“-Ver­fah­ren be­zieht sich aus­schließ­lich auf Ab­läu­fe nach Mu­el­lers Auf­tritt vor dem Kon­gress, in dem des­sen Ver­schwie­gen­heit vor al­lem de­mo­kra­ti­sche Geg­ner des Prä­si­den­ten ent­täuscht hat­te. Am 25. Ju­li, dem Tag nach Mu­el­lers Kon­gress­auf­tritt, rief US-Prä­si­dent Do­nald Trump den ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten Wo­lo­dy­myr Se­lens­kyj an. In dem Te­le­fo­nat soll er Se­lens­kyj ge­be­ten ha­ben, ge­gen sei­nen de­mo­kra­ti­schen Ri­va­len Joe Bi­den Er­mitt­lun­gen ein­zu­lei­ten. Nach An­sicht von Op­po­si­ti­ons­che­fin Nan­cy Pe­lo­si und ih­ren de­mo­kra­ti­schen Par­tei­freun­den hat Trump mit die­ser Ein­bin­dung ei­nes aus­län­di­schen Re­gie­rungs­chefs in den US-Wahl­kampf ge­gen die Ver­fas­sung ver­sto­ßen. Zur De­bat­te steht aber auch die Be­schwer­de ei­nes Maul­wurfs, des „Whist­leb­lo­wers“. Er hat­te be­reits im Au­gust Trump we­gen ei­nes zwie­lich­ti­gen „Ver­spre­chens“an­ge­zeigt, wel­ches der Prä­si­dent ge­gen­über ei­nem aus­län­di­schen Staats­chef ab­ge­ge­ben ha­ben soll.

Was soll US-Prä­si­dent Trump falsch ge­macht ha­ben? Kon­kret steht Trump in dem Ver­dacht, Se­lens­kyj wo­mög­lich er­presst zu ha­ben. In dem Ge­spräch ka­men näm­lich so­wohl Er­mitt­lun­gen ge­gen Bi­den als auch 400 Mil­lio­nen Dol­lar an ame­ri­ka­ni­scher Wirt­schafts­hil­fe zur Spra­che. Die­se hat­te der Kon­gress schon Mo­na­te zu­vor be­wil­ligt. Trump woll­te das Geld für die Ukrai­ne aber nicht frei­ge­ben. An­geb­lich, weil die Eu­ro­pä­er mehr zah­len soll­ten.

Wie aus der Mit­schrift des Te­le­fo­nats her­vor­geht, hat Trump da­rin be­tont, dass die USA im­mer „gut zur Ukrai­ne ge­we­sen sind“. An­schlie­ßend hat er als „Ge­fal­len“Er­mitt­lun­gen ge­gen Bi­den ge­for­dert. Bei dem am Mitt­woch verö ent­lich­ten Tran­skript han­del­te es sich al­ler­dings nicht um den Wort­laut des Ge­sprächs. Viel­mehr be­ruht die­ses auf der „Er­in­ne­rung“an­we­sen­der Mit­ar­bei­ter. Dem Tran­skript zu­fol­ge soll Trump ge­sagt ha­ben: „Es wird viel über Bi­dens Sohn ge­re­det,

dass Bi­den die Er­mitt­lun­gen ge­stoppt hat, und vie­le Leu­te wol­len das ge­nau­er wis­sen.“In dem Te­le­fo­nat mit Se­lens­kyj sag­te Trump wei­ter, es wä­re gut, „wenn Sie das prü­fen könn­ten . . . es klingt für mich schreck­lich“. Und wei­ter: „Was auch im­mer Sie tun kön­nen zu­sam­men mit dem Ge­ne­ral­staats­an­walt, das wä­re groß­ar­tig.“Die Ant­wort aus Kiew: „Der neue Staats­an­walt wird sich die Si­tua­ti­on an­se­hen.“

Wo­rum geht es bei Bi­den? Trump ver­mu­tet, dass Bi­den im Jahr 2016 sei­ne da­ma­li­ge Po­si­ti­on als Vi­ze­prä­si­dent aus­ge­nutzt hat, um die Ent­las­sung ei­nes ukrai­ni­schen Staats­an­walts zu er­zwin­gen, der ge­gen den Erd­gas­kon­zern Bu­ris­ma Hol­dings er­mit­tel­te. Der po­ten­zi­el­le In­ter­es­sen­kon­flikt be­steht da­rin, dass Bi­dens Sohn Hun­ter da­mals im Vor­stand von Bu­ris­ma saß. Joe Bi­den hat zu­ge­ge­ben, dass er sei­ner­zeit der Re­gie­rung in Kiew tat­säch­lich da­mit ge­droht ha­be, Wirt­schafts­hil­fe zu strei­chen und der Staats­an­walt als Er­geb­nis sei­nes Drucks tat­säch­lich vor die Tür ge­setzt wor­den sei.

Was mach­te der Sohn ei­nes US-Vi­ze­prä­si­den­ten im Vor­stand ei­nes ukrai­ni­schen Ener­gie­kon­zerns, und ha­ben die Bi­dens ge­gen das Ge­setz ver­sto­ßen? Nach­dem der pro-rus­si­sche ukrai­ni­sche Prä­si­dent Vik­tor Ja­nu­ko­witsch durch den pro-west­li­chen Re­gie­rungs­chef Pe­tro Po­ro­schen­ko ab­ge­löst wur­de, setz­te US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma sei­nen Stell­ver­tre­ter Bi­den ein, um die Be­zie­hun­gen zu Kiew zu ver­bes­sern. Durch die­sen Schul­ter­schluss kam auch Hun­ter Bi­den zu dem Job in dem Ener­gie­kon­zern. Rechts­wid­ri­ges Fehl­ver­hal­ten konn­te aber we­der Joe noch Hun­ter Bi­den nach­ge­wie­sen wer­den.

Was hat das al­les mit Trump und dem Im­peach­ment-Ver­fah­ren zu tun? Trump hat die Chan­ce ent­deckt, die­se Schwach­stel­le in Bi­dens Ver­gan­gen­heit im US-Wahl­kampf ge­gen sei­nen ge­fähr­lichs­ten de­mo­kra­ti­schen Ri­va­len aus­zu­nut­zen. Er hat mehr­fach wie­der­holt, dass Bi­den sich als Vi­ze­prä­si­dent kor­rupt ver­hal­ten ha­be. Das Ziel sei­nes An­rufs so­wie der Bit­te an Se­lens­kyj, ge­gen Bi­den zu er­mit­teln, so Trump, sei es ge­we­sen, ge­gen Kor­rup­ti­on in der Ukrai­ne vor­zu­ge­hen und so­mit die Grund­la­ge für bes­se­re Be­zie­hun­gen zu scha en. An­ders se­hen es aber Pe­lo­si und die De­mo­kra­ten. Sie mei­nen, dass Trump mehr­fach ge­gen die na­tio­na­le Si­cher­heits­in­ter­es­sen der USA ge­han­delt ha­be.

War­um sind Op­po­si­ti­ons­che­fin Pe­lo­si und die De­mo­kra­ten plötz­lich um­ge­schwenkt und wol­len nun doch ein Im­peach­ment? Vie­le De­mo­kra­ten mei­nen schon seit den Mu­el­ler-Er­mitt­lun­gen, dass Trump mehr­fach Rechts­ver­stö­ße be­gan­gen hat, die zu ei­nem Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren füh­ren müss­ten. Die po­li­tisch ge­wief­te Pe­lo­si war da­ge­gen, weil sie be­fürch­tet hat, dass dies Trumps Ba­sis mo­bi­li­sie­ren und wo­mög­lich ei­nen Bu­me­rang-E ekt bei der Wahl im kom­men­den Jahr ent­fal­ten könn­te.

Nun aber be­haup­tet Pe­lo­si, dass sie über so vie­le Fak­ten ver­fügt, dass ein Im­peach­ment un­aus­weich­lich ist. Un­klar ist, ob sie wo­mög­lich nur dem Druck des links­ge­rich­te­ten Par­tei­flü­gels nach­ge­ge­ben hat. Po­li­ti­sche Ri­si­ken birgt das Im­peach­ment für bei­de Sei­ten: für die De­mo­kra­ten den Bu­me­rang-E ekt und für Trump ein An­se­hens­ver­lust in­ner­halb der ei­ge­nen Par­tei. Denn dort schwin­det in der Ukrai­ne-Af­fä­re be­reits der Rück­halt.

Was auch im­mer Sie tun kön­nen zu­sam­men mit dem Ge­ne­ral­staats­an­walt, es wä­re groß­ar­tig. US-Prä­si­dent Do­nald Trump im Te­le­fo­nat mit Se­lens­kyj Der neue Staats­an­walt wird sich die Si­tua­ti­on an­se­hen. Wo­lo­dy­myr Se­lens­kyj Ukrai­ni­scher Prä­si­dent

Fo­tos: Man­del Ngan/afp/Alex Wong/Get­ty Images/afp

US-Prä­si­dent Do­nald Trump muss mit ei­nem Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren rech­nen. Die De­mo­kra­ten um Nan­cy Pe­lo­si wol­len es in­iti­ie­ren.

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