„Die Si­tua­ti­on ist ent­schärft“

Bag­ger­fah­rer he­ben ei­ne Flut­mul­de bei Gel­bin­gen aus. Sie dient als Aus­gleichs­flä­che für den Bau des Op­ti­ma Sport­parks und als Hoch­was­ser­schutz. Die Kos­ten: 300 000 Eu­ro.

Haller Tagblatt - - SCHWÄBISCH HALL - Von Leo­nie Leis­ter

Am Tag vor Hei­lig­abend, am 23. De­zem­ber 1993, kom­men die Flu­ten nach Gel­bin­gen. Das bis­her höchs­te Hoch­was­ser in Hall steigt im Ham­mer­schmieds­weg da­mals bis zum Fens­ter­sims.

Klei­ne Hoch­was­ser ge­be es in Gel­bin­gen öf­ters, er­zählt Ort­schafts­rat Heinz Röß­ler 2015 un­se­rer Zei­tung. Seit Jahr­zehn­ten war­tet der von Was­ser­men­gen ge­plag­te Ort auf ei­nen Schutz. Durch den Aus­bau des Op­ti­ma Sport­parks und den Bau ei­ner Ram­pe, fal­len da­mals 600 Ku­bik­me­ter Re­ten­ti­ons­flä­che weg. So wird die Flä­che be­zeich­net, die bei Hoch­was­ser über­flu­tet wird. Das Was­ser kann nicht mehr aus­wei­chen und fließt nach Gel­bin­gen. Des­halb muss neu­er Platz ge­scha†en wer­den, um das Dorf vor Hoch­was­ser zu schüt­zen. Die Stadt Schwä­bisch Hall ver­pflich­te­te sich, im Zu­ge des Aus­baus des Sta­di­ons, die ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Re­ten­ti­ons­flä­che aus­zu­glei­chen. Jetzt ha­ben die Maß­nah­men be­gon­nen. Ei­ne 300 000 Eu­ro teu­re Flut­mul­de von et­wa 1800 Ku­bik­me­tern ist An­fang des Mo­nats aus­ge­ho­ben wor­den. „Die­se Flä­che kann un­be­denk­lich über­flu­tet wer­den“, er­klärt Vol­ker Ell­sä­ßer vom Hal­ler Stadt­pla­nungs­amt.

Schnel­le Ar­beit, lan­ge Pla­nung

In­ner­halb von fünf Ta­gen trägt ein Bag­ger den Ober­bo­den ab. „An sich geht es schnell, so ei­ne Flut­mul­de ein­zu­rich­ten“, sagt Se­bas­ti­an Vey­del, Bau­lei­ter des Pro­jekts. Das ei­gent­li­che Pla­nen und Fi­nan­zie­ren sei da­ge­gen sehr zeit­auf­wen­dig ge­we­sen. „Man muss die Ge­set­ze des Was­ser- und Na­tur­schutz­rechts ein­hal­ten. Da gibt es viel zu be­ach­ten, zum Bei­spiel auch die Laich­zeit der Fische“, sagt Vey­del.

Zu Be­ginn der Pla­nung der Re­ten­ti­ons­räu­me 2015 sind zwei Flut­mul­den an­ge­setzt. Die an­de­re Flut­mul­de ober­halb der Ko­cher­brü­cke so­wie ein wei­te­rer Re­ten­ti­ons­raum ha­be die Stadt Hall zu­rück­ge­stellt. Die Maß­nah­men sol­len in den nächs­ten Jah­ren an­ge­mel­det wer­den. „Wich­tig ist, dass der Ham­mer­schmieds­weg ge­si­chert ist. Die be­reits aus­ge­ho­be­ne Flut­mul­de ent­schärft die Si­tua­ti­on“, er­klärt Ell­sä­ßer.

Laut Vey­del müs­sen nun die Zu- und Ab­läu­fe der Mul­de aus­ge­baut wer­den. Sie wer­den mit St­ei­nen ge­si­chert, um ei­ne Ero­si­on bei Hoch­was­ser zu ver­mei­den. Wei­ter­hin wird der ab­ge­gra­be­ne Ober­bo­den weg­ge­bracht und ein­zel­ne tie­fe­re Fur­chen wer­den aus­ge­gra­ben. Wich­tig sei, auf die be­ste­hen­de Flo­ra und Fau­na Rück­sicht zu neh­men. „Die stei­le Ab­bruch­kan­te wer­tet auch öko­lo­gisch auf. Sehr vie­le In­sek­ten las­sen sich fin­den, aber auch der Eis­vo­gel nis­tet hier. Die­se Stel­le ist qua­si ein Bio­top“, er­klärt Ell­sä­ßer.

Fo­to: Leo­nie Leis­ter

Vol­ker Ell­sä­ßer (links) von der Ab­tei­lung Stadt­pla­nung und Bau­lei­ter Se­bas­ti­an Vey­del an der Gel­bin­ger Flut­mul­de.

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