Vor­schuss ver­spielt

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - El­len Ha­sen­kamp

Ob die Ukrai­ne-Un­ter­hal­tung ein­mal als An­fang vom En­de der Prä­si­dent­schaft von Do­nald Trump gel­ten wird, steht längst nicht fest. Wirk­lich pein­lich ist die Veröent­li­chung aber für den ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten Wo­lo­dy­myr Se­lens­kyj, der sich nicht nur zu 100, son­dern zu 1000 Pro­zent bei Trump an­bie­dert.

We­nig an­ge­nehm ist das Pro­to­koll aber auch für Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. Nicht so sehr, weil Trump mal wie­der über sie her­zieht. Des­sen Wech­sel­spiel von Lo­bes­hym­nen und Läs­ter­at­ta­cken dürf­te Mer­kel in­zwi­schen hin­neh­men wie Son­nen­schein und Wol­ken­bruch an ei­nem April­tag in der Ucker­mark. Schmerz­li­cher ist, dass Se­lens­kyj eil­fer­tig der Kri­tik zu­stimmt, Mer­kel, Deutsch­land und die Eu­ro­pä­er tä­ten rein gar nichts für die Ukrai­ne – au­ßer zu re­den. Der Ukrai­ne-Kon­flikt ist näm­lich so et­was wie Mer­kels Lieb­lings­pro­blem. Wohl auf kei­ne Kri­se der Welt hat sie der­art viel Ener­gie und ja, auch Re­de­zeit ver­wen­det: so ver­han­del­te sie 17 St­un­den lang mit dem rus­si­schen Prä­si­den­ten Pu­tin über das Ab­kom­men von Minsk, das die Kri­se bis heu­te zwar nicht be­en­det, aber doch ei­ne wei­te­re Es­ka­la­ti­on ver­hin­dert hat.

Zu­dem flos­sen seit Be­ginn des Kon­flikts Hil­fen in Hö­he von 1,4 Mil­li­ar­den Eu­ro. Und auch, dass die EU-Sank­tio­nen ge­gen Russ­land im­mer noch gel­ten, hat Ber­lin mit­or­ga­ni­siert. Die Deut­schen mö­gen mit­un­ter zu ge­dul­dig sein mit Mos­kau, und auch die kalt­schnäu­zi­ge Qua­li­fi­zie­rung der Gas­pipe­line Nord Stream 2 als rein pri­vat­wirt­schaft­li­che An­ge­le­gen­heit ir­ri­tiert. Doch soll­te es in Ber­lin ei­nen Ver­trau­ens­vor­schuss für den Prä­si­den­ten­neu­ling und ge­lern­ten Schau­spie­ler Se­lens­kyj ge­ge­ben ha­ben, dürf­te der nun auf­ge­braucht sein.

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