Gro­ße Lü­cken im Schwimm-Un­ter­richt

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU - Von Jens Schmitz

Ei­ne neue Aus­wer­tung zeigt gro­ße re­gio­na­le Un­ter­schie­de in Ba­den-Würt­tem­berg. Vie­le Schu­len ha­ben kein An­ge­bot mehr. Kul­tus­mi­nis­te­rin Ei­sen­mann will nach­steu­ern.

Ob Grund­schul­kin­der im Süd­wes­ten Schwimm­un­ter­richt er­hal­ten, hängt stark vom Wohn­ort ab: Das zeigt ei­ne Er­he­bung des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums. Ein­sa­mes Schluss­licht ist der Re­gie­rungs­be­zirk Frei­burg – 44 Pro­zent der Grund­schu­len dort ha­ben gar kein An­ge­bot. Aber auch, wo Schwimm­un­ter­richt statt­fin­det, gibt es gro­ße Un­ter­schie­de.

Die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz der Län­der emp­fiehlt, dass Kin­der nach der vier­ten Klas­se die „Ba­sis-Schwimm­fä­hig­keit“er­reicht ha­ben soll­ten: Sie müs­sen noch nicht si­cher schwim­men kön­nen, aber doch we­nigs­tens hun­dert Me­ter. Im Land er­langt mehr als ein Vier­tel die­se Fä­hig­keit nicht: An den Schu­len, die 2018/19 Schwimm­un­ter­richt an­ge­bo­ten ha­ben, ka­men nur 71,5 Pro­zent der Kin­der so weit.

Gut 24 Pro­zent der Schu­len ga­ben al­ler­dings an, kei­nen Schwimm­un­ter­richt an­bie­ten zu kön­nen – der Stand von de­ren Ab­sol­ven­ten ist un­be­kannt. Die Grün­de: Et­wa die Hälf­te die­ser Schu­len er­klär­te, dass es kein Schwimm­bad in der Nä­he ge­be, be­zie­hungs­wei­se die Trans­fer­zei­ten zu lang sei­en. Ein Drit­tel nann­te das Feh­len qua­li­fi­zier­ter Lehr­kräf­te. 34 Pro­zent ver­wie­sen auf an­de­re Ur­sa­chen wie ei­ne Sa­nie­rung des ört­li­chen Ba­des oder zu ho­he Kos­ten.

„Sehr auªäl­lig“nann­te Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann (CDU) die re­gio­na­len Un­ter­schie­de am Don­ners­tag im Bil­dungs­aus­schuss des Land­tags. Ih­re Be­hör­de wol­le sich das Phä­no­men noch ge­son­dert an­schau­en, „weil es ja wirk­lich ganz ex­trem ist“. Wie er­wähnt, er­teil­ten im Re­gie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg rund 44 Pro­zent der Grund­schu­len gar kei­nen Schwimm­un­ter­richt. Im Re­gie­rungs­prä­si­di­um Tü­bin­gen traf das nur auf 17 Pro­zent zu, in Karls­ru­he auf 18 Pro­zent und in Stutt­gart auf 22 Pro­zent. An der Um­fra­ge nah­men 2231 Grund­schu­len teil.

In der An­hö­rung be­klag­te DLRG-Ver­tre­te­rin Ur­su­la Jung, dass in Deutsch­land im­mer we­ni­ger Kin­der schwim­men könn­ten, wäh­rend mehr Min­der­jäh­ri­ge er­trän­ken. DLRG so­wie Schwimm­und Sport­ver­bän­de bie­ten Kin­der-Schwimm­kur­se an, ha­ben aber in­zwi­schen oft lan­ge War­te­lis­ten. In den knap­pen Hal­len­bad­zei­ten stel­len sie ei­ne zu­neh­men­de Kon­kur­renz mit An­ge­bo­ten wie Aqua­jog­ging oder Säug­lings­schwim­men fest. Ei­sen­mann sag­te zu, wei­te­re Maß­nah­men ge­gen den Lehrer­man­gel zu prü­fen. Für ein Bä­der-Sa­nie­rungs-Pa­ket se­he sie aber kaum Chan­cen.

Fo­to: Jens Wolf/dpa

Schwimm­un­ter­richt als P icht? Von we­gen – vie­le Kin­der kön­nen nicht schwim­men.

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