Fried­hö­fe sind wich­tig für den Schutz des Kli­mas

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU -

Grün­an­la­gen mit Grä­ber­fel­dern leis­ten wert­vol­len Bei­trag zur Küh­lung der Städ­te.

Heil­bronn. Auch wenn die et­wa 32 000 Fried­hö­fe in Deutsch­land nicht mehr kom­plett für Be­stat­tun­gen be­nö­tigt wer­den, dür­fen Tei­le da­von we­gen des Kli­ma­wan­dels nicht be­baut wer­den. Vor der Um­wand­lung, die be­son­ders in Groß­städ­ten wie Ber­lin und Han­no­ver be­reits im Gan­ge sei, warn­te der Ver­band der Fried­hofs­ver­wal­ter Deutsch­lands (VFD) bei ei­ner Ta­gung in Heil­bronn.

Die Grä­ber­fel­der hät­ten „ei­ne ganz her­aus­ra­gen­de Be­deu­tung“, be­ton­te VFD-Vor­stands­mit­glied Micha­el Al­brecht. In vie­len Städ­ten mach­ten sie bis zu 40 Pro­zent der Grün­flä­chen aus. „Des­halb be­sit­zen sie ei­ne im­men­se Wich­tig­keit für die Küh­lung der in­ner­städ­ti­schen Hit­ze­ge­bie­te“, er­klär­te der Ber­li­ner Pro­fes­sor für ur­ba­nen Raum und Land­schaft Jens Lü­de­ke, der die Stadt O¥en­burg in Fried­hofs­fra­gen be­rät. Häu­fig stün­den al­te Bäu­me auf die­sen Park­an­la­gen. Doch de­ren küh­len­de Funk­ti­on sei bis­her viel zu we­nig be­ach­tet wor­den: „Wir müs­sen sie stär­ker in den Mit­tel­punkt rü­cken.“

We­ni­ger Platz für Ur­nen

In den 1960er Jah­ren sei der Be­darf an Erd­grä­bern viel grö­ßer pro­gnos­ti­ziert wor­den als er heu­te sei, sag­te Micha­el Al­brecht. Der Trend zur Ur­ne sei so aus­ge­prägt, dass viel we­ni­ger Platz be­nö­tigt wer­de. Neh­me ein Sarg 2,5 Qua­drat­me­ter ein, ge­nüg­ten der Ur­ne 20 auf 20 Zen­ti­me­ter. Klas­si­sche Fa­mi­li­en­grä­ber wie sie seit Ge­ne­ra­tio­nen üb­lich wa­ren, ge­be es kaum mehr. Der her­kömm­li­che Fried­hof müs­se sich au­ßer­dem ge­gen vie­le Al­ter­na­ti­ven be­haup­ten, et­wa Be­stat­tun­gen auf See, im Wel­tall oder in ei­nem Bil­lig­land wie Tsche­chi­en. Da­durch hät­ten sich „Über­hang­flä­chen“aus­ge­bil­det, die Stadt­pla­ner we­gen der Wohn­raum­not be­gehr­ten.

Der 1903 ge­grün­de­te Ver­band mit 722 Mit­glie­dern möch­te nicht nur die Fried­hö­fe in ih­rer heu­ti­gen Form er­hal­ten. Die Ex­per­ten set­zen auch auf ei­ne kli­ma­freund­li­che­re Be­wirt­schaf­tung und Be­pflan­zung. „Bäu­me sind ganz wich­tig, We­ge soll­ten nicht asphal­tiert wer­den“, sag­te Al­brecht und ver­wies auf ein als vor­bild­lich gel­ten­des Um­welt­ma­nage­ment, das die Evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che Han­no­ver vor fünf Jah­ren ein­führ­te. „Auch auf dem Fried­hof geht es um die Be­wah­rung der Schöp­fung.“

Pfle­ge­freie Grä­ber mit St­ei­nen statt Sträu­chern mö­gen die Ver­bands­ver­tre­ter über­haupt nicht. Mit ei­ner ent­spre­chen­den Sat­zung las­se sich der kom­plet­te Ver­zicht auf Be­pflan­zung ver­bie­ten. „Schwar­ze Gra­nit­plat­ten hei­zen die gan­ze Um­ge­bung auf“, be­rich­te­te Micha­el Al­brecht aus sei­ner Er­fah­rung.

Nach Über­zeu­gung der or­ga­ni­sier­ten Ver­wal­ter muss für die kon­ven­tio­nel­len Fried­hö­fe mit ih­rem wert­vol­len Öko-E¥ekt ei­ne un­gleich o¥en­si­ve­re Ö¥ent­lich­keits­ar­beit be­trie­ben wer­den. Bis­her, be­dau­er­te Al­brecht, hät­ten sich die Trä­ger viel zu sehr zu­rück­ge­hal­ten. „Da hieß es eben, die Leu­te kom­men ja so­wie­so al­le zu uns.“

Gr­ab ei­nes Mu­si­kers, zu se­hen auf der Bu­ga in Heil­bronn.

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