Fas­zi­na­ti­on und Ein­satz für die Na­tur

Haller Tagblatt - - KULTUR - Von Ralf Snu­ra­wa

„Keim­zeit“in Lan­gen­burg mit Wer­ken von Sa­bi­ne Nau­mann-Cle­ve und Bar­ba­ra Schmitz-Be­cker weckt die Neu­gier, lässt stau­nen und schärft das Be­wusst­sein.

Die Künst­le­rin­nen, die der­zeit im Lan­gen­bur­ger Ho­f­rats­haus ih­re Wer­ke zei­gen, ken­nen sich seit der Aus­stel­lung „Na­tur­lie­be – er­neu­er­ba­re Hal­tun­gen“im Jahr 2017 in Wiesbaden. Ein künst­le­ri­scher Aus­tausch folg­te bei ei­nem Ate­lier­pro­jekt, er­klär­te Kunst­his­to­ri­ke­rin Clau­dia Schel­ler-Schach in ih­rer Ein­füh­rung.

Das ha­be zur „Keim­zeit“-Aus­stel­lung ge­führt. Be­grüßt wur­de man mit Sa­bi­ne Nau­mann-Cle­ves „Erd­küh­lung“vor dem Ho­f­rats­haus, die auf ei­ne Fo­to­se­rie im In­ne­ren ver­weist. Tief­ge­fro­re­ne Küh­lele­men­te rü­cken das The­ma Er­der­wär­mung in den Fo­kus und zei­gen die Hilf­lo­sig­keit auf, da­ge­gen an­zu­kämp­fen.

„Schwe­re­lo­se At­mo­sphä­re“

Ein­zel­ne Hy­phen­fä­den und ein klei­ner Ko­kon von Bar­ba­ra Schmitz-Be­cker wei­sen den Weg die Trep­pe hin­auf in die Aus­stel­lung. Dort wird man ver­zau­bert von „Wol­ken-Ko­kons“, „Rhi­zo­me“und „Ge­häu­se“. Die­se hat Schmitz-Be­cker in den Raum ge­hängt oder an der Wand be­fes­tigt. Re­na­te Zieg­ler, Vor­sit­zen­de des Ho­hen­lo­her Kunst­ver­eins, spricht von ei­ner „zau­ber­haf­ten schwe­re­lo­sen At­mo­sphä­re“.

Schwe­ben­de Ob­jek­te fin­den sich bei Schmitz-Be­cker häu­fig – et­wa die „Hy­phen-Wol­ken“oder der „Cu­mu­lus“, al­les so ge­nann­te Draht­zeich­nun­gen. Ei­nen Ast oder auch Flü­gel lässt sie wun­der­voll trans­pa­rent er­schei­nen und fas­zi­niert da­mit für die Na­tur. „Die Ver­knüp­fung von Na­tur­wis­sen­schaft und Kunst liegt dem künst­le­ri­schen Kon­zept von Bar­ba­ra Schmitz-Be­cker zu­grun­de“, sag­te Clau­dia Schel­ler-Schach.

Be­geis­tert zeig­te sich die Kunst­his­to­ri­ke­rin auch über die Akri­bie und Kon­zen­tra­ti­on, mit der Schmitz-Be­cker ih­re Ar­bei­ten her­stellt: Mit ih­rem Ein­satz von Zeit und Ener­gie wür­di­ge sie die Kom­ple­xi­tät der Na­tur. „Ein sol­cher An­satz in der Kunst stimmt op­ti­mis­tisch, denn er schlägt nicht nur in die Ker­be ‚Der Mensch macht al­les ka­putt‘, son­dern er lässt ho¡en: ‚Der Mensch hat auch das krea­ti­ve Po­ten­zi­al, wie­der et­was gut­zu­ma­chen‘.“

Eben­falls die „Wert­schät­zung der Na­tur“sah Schel­ler-Schach in Sa­bi­ne Nau­mann-Cle­ves Ar­bei­ten: „Sie ist fas­zi­niert von der Schön­heit und Viel­falt von Flo­ra und Fau­na. Um­so sen­si­bler re­agiert sie auf de­ren Stö­run­gen.“Auch sie will für die Na­tur be­geis­tern. Das zei­gen ih­re In­stal­la­tio­nen „Mut­ter­er­de“in ei­ner Zink­wan­ne und der Ver­weis dar­auf, wie viel Le­ben dar­in ist.

Nau­mann-Cle­ve klagt mit ih­rer Kunst aber auch an: dass man Fall­obst ver­rot­ten lässt, an­statt es zu nut­zen, in­dem sie Ab­dru­cke der Früch­te an der Wand be­fes­tigt. Oder sie weist mit „Me­men­to“, ei­ner schwe­ben­de Wa­be aus zer­ris­se­nen Schwarz-Wei­ßFo­to­gra­fi­en, auf das Bie­nenster­ben hin. Mit ge­schred­der­ten Eu­ro-Bank­no­ten kar­tier sie die „Wert­ge­schöpf­ten“: ver­grö­ßert dar­ge­stell­te In­sek­ten. In der stren­gen Rei­he tun sich Lü­cken auf. „Die Künst­le­rin il­lus­triert hier das In­sek­tenster­ben, das für un­ser Öko­sys­tem gra­vie­ren­de Fol­gen ha­ben wird. Bunt schil­lern­de Bank­no­ten, die in un­se­rem Wer­te­sys­tem für Wohl­stand und funk­tio­nie­ren­de Wirt­schaft ste­hen, wur­den hier ver­ar­bei­tet.“

Zu­sam­men­hän­ge ge­scha en

„Aber gera­de das hat in ei­ner öko­no­misch aus­ge­rich­te­ten Land­wirt­schaft, et­wa durch Mo­no­kul­tur, zum Schwund der Ar­ten und der schie­ren An­zahl von In­sek­ten ge­führt. Die Künst­le­rin führt die­se Zu­sam­men­hän­ge ge­ni­al in ih­rer Wort­schöp­fung zu­sam­men“, re­sü­mier­te Clau­dia Schel­lerSchach und for­der­te zum Dis­ku­tie­ren auf. Das wird ho¡ent­lich auch bei spä­te­ren Aus­stel­lungs­be­su­chern der Fall sein.

In­fo Die Aus­stel­lung „Keim­zeit“ist bis zum 20. Ok­to­ber zu se­hen. Das Ho­f­rats­haus ist mitt­wochs und sams­tags von 14 bis 17 Uhr so­wie sonn- und fei­er­tags von 11 bis 17 Uhr ge­öff­net.

Bar­ba­ra Schmitz-Be­cker und Sa­bi­ne Nau­mann-Cle­ve in der Rau­m­in­stal­la­ti­on „Keim­zeit“zwi­schen Rhi­zo­men und Wol­ken-Ko­kons.

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