Zwei Jahr­zehn­te und 200 Mil­lio­nen für vier Ki­lo­me­ter

Haller Tagblatt - - STUTTGART UND UMGEBUNG -

Re­gi­on macht den Weg zur Er­wei­te­rung der S-Bahn bis Neu­hau­sen frei. Kri­tik gibt es an der Pro­jekt­dau­er.

Stutt­gart. Die Tä­ler der Re­gi­on und der Stutt­gar­ter Kes­sel sind an der Gren­ze des Wachs­tums. Ein Teil der Ent­wick­lung fin­det da­her auf der Fil­der­ebe­ne statt. Auf Acker­land ent­ste­hen neue Woh­nund Ge­wer­be­ge­bie­te. „Der Fil­der­be­reich nimmt ei­ne dy­na­mi­sche Ent­wick­lung, aber das Wachs­tum geht mit viel Ver­kehr ein­her“, sag­te Jür­gen Wurmtha­ler. Auf den Trend re­agie­re die Er­wei­te­rung der S-Bahn öst­lich des Flug­ha­fens, be­rich­te­te der für die S-Bahn zu­stän­di­ge Di­rek­tor des Ver­bands Re­gi­on Stutt­gart (VRS). Die S2 soll um die Sta­tio­nen Siel­min­gen und Neu­hau­sen/Fil­dern ver­län­gert wer­den.

Der Plan sei wich­tig für die Fil­dern. Mit­tel­fris­tig kön­ne dann die S2 ins Neckar­tal ge­führt wer­den, sag­te Wurmtha­ler. Das wür­de ei­nen Ring­schluss er­lau­ben und hät­te den Vor­teil, dass Fahr­gäs­te, die über Stutt­gart hin­aus wol­len, nicht die über­füll­te Stamm­stre­cke nut­zen müs­sen.

Kurz­fris­tig geht in­des nichts. Die knapp vier Ki­lo­me­ter S-Bahn wer­den laut Plan erst 2026 in Be­trieb ge­hen. Da­bei hat­te es schon kurz nach der Jahr­tau­send­wen­de sol­che Plä­ne ge­ge­ben, sag­te der Frak­ti­ons­chef der Grü­nen, An­dré Rei­chel, in der Re­gio­nal­ver­samm­lung: „Al­les dau­ert län­ger.“

Rei­chel er­in­ner­te an den frü­he­ren Schie­nen­ver­kehr auf den Fil­dern – bis 1978 mit An­schluss ins Neckar­tal. Er for­der­te „Leh­ren zu zie­hen: Nie­mals Schie­nen­in­fra­struk­tur leicht­fer­tig auf­ge­ben“. Er nann­te die Schus­ter­bahn bei Korn­west­heim und die Pan­ora­ma­stre­cke in Stutt­gart.

„Die Krö­te müs­sen wir schlu­cken“, sag­te Andre­as Koch von der Frak­ti­ons­ge­mein­schaft CDU/ ÖDP zum Kos­ten­an­stieg von 126 Mil­lio­nen im Jahr 2015 auf 209 Mil­lio­nen bis zur Fer­tig­stel­lung 2026. Hö­he­re Bau­prei­se und neue Ge­set­ze ver­ur­sach­ten die Teue­rung, teil­te Koch mit. Aber auch der Zu­schuss des Bun­des stei­ge. Der Kos­ten­an­teil der Re­gi­on er­höht sich von 28 auf 52 Mil­lio­nen Eu­ro.

Frank Buss (Freie Wäh­ler) sag­te zum star­ken Wachs­tum auf den Fil­dern: „Die Bür­ger se­hen dies kri­tisch we­gen der Ver­kehrs­zu­nah­me.“Ei­ne S-Bahn-Tan­gen­tia­le ins Neckar­tal be­zeich­ne­te er als wich­ti­ges Ziel. Es man­ge­le nicht an In­ge­nieu­ren, mein­te Micha­el Ma­ku­rath (SPD) im Hin­blick auf die lan­ge Bau­zeit, „aber manch­mal den­ke ich, wir ha­ben zu viel Ju­ris­ten und Be­den­ken­trä­ger“. Er wünscht sich ei­nen „Gre­ta-Ef­fekt“für sol­che Pro­jek­te.

Die AfD-Ver­tre­ter vo­tier­ten zwar wie al­le Re­gio­nal­rä­te für die Ver­län­ge­rung, ihr Spre­cher Ste­phan Wunsch sag­te aber, ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge Stra­ßen­in­fra­struk­tur wer­de be­nö­tigt. Hans­Die­ter Schee­rer (FDP) gab sich „ge­schockt, mit wel­cher Ge­las­sen­heit“die Ver­samm­lung die „Kos­tenex­plo­si­on“hin­neh­me. Er zwei­fel­te am Sach­ver­stand der SSB, die den Bau aus­führt. Im Wie­der­auf­bau von Tei­len der Fil­der­bahn sieht Wolf­gang Höpf­ner (Die Lin­ken/Pi­rat) ei­nen Start­schuss für die Bahn­ver­län­ge­rung ins Neckar­tal. Es gel­te, die „fehl­ge­lei­te­te au­to­ge­rech­te Pla­nung“zu kor­ri­gie­ren.

Bern­hau­sen wird nicht End­sta­ti­on blei­ben. Ab 2026 soll die S-Bahn bis Neu­hau­sen rol­len.

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