Schwer zu ver­ste­hen

Haller Tagblatt - - WIRTSCHAFT - Rolf Obert­reis

War­um die kämp­fe­risch, o§en, klar und di­rekt agie­ren­de Sa­bi­ne Lau­ten­schlä­ger zu­min­dest den Neu­an­fang der Fran­zö­sin Chris­ti­ne La­g­ar­de nicht ab­war­tet, ist nur schwer zu ver­ste­hen. Zu­mal als über­zeug­te Eu­ro­päe­rin. Die Po­si­ti­on der ge­gen­über ei­ner ex­pan­siv aus­ge­rich­te­ten Geld­po­li­tik ein­ge­stell­ten Mit­glie­der im Di­rek­to­ri­um wird durch den Rück­zug Lau­ten­schlä­gers erst ein­mal ge­schwächt.

Über­haupt wirft es ein schlech­tes Licht auf ei­nes der wich­tigs­ten Gre­mi­en der Eu­ro­zo­ne für die Ban­ken und die Wirt­schaft, wenn Mit­glie­der vor­zei­tig ih­ren Hut neh­men. Und dies vor al­lem auch auf die deut­schen Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter. Schließ­lich ist Lau­ten­schlä­ger die drit­te Deut­sche nach Ex-EZB-Chef-Öko­nom Jür­gen Stark und nach Jörg As­mus­sen, die den Job bei der EZB vor Ablauf des Ver­tra­ges auf­gibt. Für das oh­ne­hin nicht über­ra­gend gu­te An­se­hen der EZB in der deut­schen Ö§ent­lich­keit sind sol­che Vor­gän­ge nicht gera­de zu­träg­lich. Das dürf­te auch Lau­ten­schlä­ger be­wusst sein.

Die Bun­des­re­gie­rung muss jetzt schnell ei­ne mög­li­che Nach­fol­ge­rin oder ei­nen Nach­fol­ger vor­schla­gen, da­mit die Re­gie­rungs­chefs der Eu­ro­zo­ne nach dem nicht ein­fa­chen No­mi­nie­rungs­ver­fah­ren die Lü­cke im Eu­ro­to­wer oh­ne gro­ße Ver­zö­ge­rung schlie­ßen kön­nen. Es geht auch um das Ver­trau­en in die EZB und in den Eu­ro.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.