Re­zos lan­ger Schat­ten

Me­di­en Die Par­tei­en wol­len di­gi­ta­ler wer­den und auf Platt­for­men wie YouTube prä­sent sein. Doch oft bla­mie­ren sie sich da­bei. Da­bei wä­re ein er­folg­rei­cher Dia­log durch­aus mög­lich. Von Jana Zah­ner

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - jaz

Da wur­de ver­sucht, hipp und cool zu wir­ken, es fehlt aber die Glaub­wür­dig­keit. Ame­lie Duck­witz Köl­ner Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin

Ein jun­ger Mann mit blon­dier­ten Haa­ren spricht auf­ge­regt in die Ka­me­ra: „Herz­lich will­kom­men zu CSYou, der So­ci­al-Me­dia-Show der CSU im Bun­des­tag. Ich bin der Ar­min.“Ar­min, der im ech­ten Le­ben Ar­min Pet­sch­ner heißt, steht in ei­nem blau-wei­ßem Stu­dio. Schnit­te, Mu­sik und Soun­de„ek­te wech­seln sich in grel­ler Fol­ge ab; Ef­fek­te, die man auf der On­li­ne-Platt­form YouTube kennt. Er läs­tert über Gre­ta und die Grü­nen. „Die

Groko lie­fert“, sagt Ar­min, und zählt Er­fol­ge der Bun­des­re­gie­rung auf.

Die Lan­des­grup­pe in Ber­lin be­wirbt die neue Se­rie „CSYou“als Ant­wort auf den YouTuber Re­zo. Der hat­te mit dem Vi­deo „Die Zer­stö­rung der CDU“vor der Eu­ro­pa­wahl für Auf­ruhr ge­sorgt. Doch die Christ­so­zia­len bla­mie­ren sich nach An­sicht der jun­gen Netz­welt: „Wenn Ar­min die Ant­wort ist, habt ihr die Fra­ge nicht ver­stan­den“, kom­men­tiert ein Nut­zer. An­de­re wer­fen der CSU Po­pu­lis­mus und man­geln­de Se­rio­si­tät vor. „Pein­lich“fin­den vie­le Zu­schau­er die schril­le Darstel­lung und die Imi­ta­ti­on an­de­rer YouTuber. Zu­dem be­haup­ten meh­re­re, die CSU ha­be ih­re Kom­men­ta­re ge­löscht, was CSU-Lan­des­grup­pen­chef Alex­an­der Do­brindt ve­he­ment de­men­tiert.

Es fehlt der rich­ti­ge Stil

Da­bei war die CSU mit gro­ßen Ho„nun­gen ge­star­tet. „Da­mit be­schrei­ten wir in der Kom­mu­ni­ka­ti­on neue We­ge.“, hat­te ein Spre­cher ver­spro­chen. Der bay­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der will die CSU „jün­ger, coo­ler, of­fe­ner“ma­chen. Auch an­de­re Par­tei­en woll­ten sich in Re­ak­ti­on auf Re­zo stär­ker der di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on wid­men. Jun­ge Uni­on und der CDU-na­he Ver­ein Cnetz hat­ten ge­for­dert, die Uni­on müs­se jun­gen Men­schen im Netz auf Au­gen­hö­he be­geg­nen. Doch jetzt, vier Mo­na­te nach Re­zo, fällt ge­nau das den Ver­ant­wort­li­chen im­mer noch schwer. Es fehlt der Sinn für den rich­ti­gen Stil und vor al­lem, ein au­then­ti­scher Prä­sen­ta­tor.

Die YouTube-Bei­trä­ge der CSU schei­nen der Uni­on mitt­ler­wei­le selbst pein­lich zu sein. Cnetz will sich nicht zu CSYou äu­ßern; selbst die Pres­se­stel­len der CSU und der Lan­des­grup­pe ant­wor­ten auf An­fra­gen nicht. JU-Bun­des­vor­stand Til­man Ku­ban teilt knapp mit: „Das CSYou-For­mat hat gro­ße Auf­merk­sam­keit be­kom­men und wird sich noch wei­ter ent­wi­ckeln.“

Da­bei gibt es durch­aus auch Lob für den Ver­such, sich dem Me­di­um zu nä­hern. „Die Par­tei­en soll­ten kei­ne Angst da­vor ha­ben, et­was auf YouTube zu ma­chen“, sagt Ame­lie Duck­witz, Pro­fes­so­rin für Me­di­en- und Web­wis­sen­schaft an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Köln. Grund­sätz­lich fin­de sie den Vor­stoß der CSU gut. „Die Par­tei­en müs­sen auf YouTube ak­ti­ver sein, wenn sie ih­re Ziel­grup­pe künf­tig er­rei­chen wol­len.“Au­ßer­dem könn­ten sie so ein Ge­gen­pol zu Rechts­ex­tre­men bil­den, die sich dort zu­neh­mend in­sze­nie­ren: „Die ma­chen das sehr pro­fes­sio­nell.“Trotz­dem ma­che die CSU mit ih­rem For­mat viel falsch: „Da wur­de ver­sucht, hipp und cool zu wir­ken, es fehlt aber ein­fach die Glaub­wür­dig­keit.“Bes­ser wä­re ein au­then­ti­sches Auf­tre­ten des Prot­ago­nis­ten, das zu­dem zur Par­tei pas­se, sagt die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin. Auch der In­for­ma­ti­ons­ge­halt der Vi­de­os sei aus­bau­fä­hig. Ein Pa­tent­re­zept für Er­folg ge­be es aber nicht.

Die Furcht vor ei­ner Bla­ma­ge schreckt o„en­bar ab. Grü­ne und Lin­ke pla­nen kei­ne mit CSYou ver­gleich­ba­ren For­ma­te. Auf ih­ren YouTube-Ka­nä­len ste­hen, ganz wie frü­her, Pres­se­state­ments und Bun­des­tags­re­den. Bei der SPD möch­te man YouTube jun­gen Aus­hän­ge­schil­dern über­las­sen, wie Ju­so-Chef Ke­vin Küh­nert und dem EU-Ab­ge­ord­ne­ten Tie­mo Wöl­ken. Der 33-Jäh­ri­ge hat vor fast drei Jah­ren sei­nen Youtube-Ka­nal ge­star­tet , lan­ge vor der Re­zo-De­bat­te.

Mit Er­folg: „So macht man als Po­li­ti­ker rich­ti­ge Po­li­tik­vi­de­os“, kom­men­tiert ein Zu­schau­er Wöl­kens For­mat. „Da kann sich die CSYOU mal ‘ne Schei­be von ab­schnei­den.“Der EU-Ab­ge­ord­ne­te will Ein­bli­cke in sei­ne Ar­beit bie­ten. „Mei­ne Mo­ti­va­ti­on war: „Wie kann ich zei­gen, dass Po­li­tik trans­pa­rent ist?“In sei­nen Vi­de­os klärt Wöl­ken über EU-Po­li­tik

auf: Er er­läu­tert, wie viel Geld ein Ab­ge­ord­ne­ter be­kommt oder was Upload­fil­ter für die Da­ting-App Tin­der be­deu­ten. Die YouTuber füh­len sich hier o„en­bar ernst ge­nom­men; auch wenn vie­le in den Kom­men­ta­ren an­ge­ben, nicht die SPD zu wäh­len.

Für Wöl­ken die wich­tigs­te Re­gel: „Dass man den Leu­ten, die ei­nem fol­gen, zu­hört und mit ih­nen zu­sam­men­ar­bei­tet.“Nach ei­ge­nen An­ga­ben löscht er nur be­lei­di­gen­de Kom­men­ta­re. Von den An­re­gun­gen sei­ner Zu­schau­er ha­be er viel ge­lernt: „Es müs­sen nicht vie­le Schnit­te, vie­le E„ek­te, viel Ton sein.“

Auch die CSU sucht nun den Dia­log mit YouTube-Nut­zern: Am Di­ens­tag verö„ent­lich­te die Lan­des­grup­pe ein wei­te­res Vi­deo. In der Rei­he „CSYou Com­mu­ni­ty“ar­bei­tet CSU-Re­fe­rent Ar­min Pet­sch­ner die Kri­tik am For­mat auf: „Eu­er Feed­back ist uns wich­tig.“Den In­halt von CSYou ver­tei­digt er, aber die vie­len E„ek­te in den Vi­de­os wol­le man über­den­ken. „Wir wer­den das Rad run­ter­dre­hen“, ver­spricht er.

Fo­tos: Screen­shot Youtube/ Re­zo/Screen­shot YouTube’CSYou/Screen­shot Youtube/Tie­mo Wöl­ken

YouTube-Star Re­zo, Ar­min Pet­sch­ner von CSYou und der EU-Ab­ge­ord­ne­te Tie­mo Wöl­ken (SPD) su­chen auf der Vi­deo­platt­form den Aus­tausch mit jun­gen Nut­zern. Doch die Po­li­tik im YouTube-For­mat kommt nicht im­mer gut an.

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