Stu­den­ten schrei­ben Kas­sen­schla­ger

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU - Von Pe­tra Wal­heim

Da­vid Nel­les und Chris­ti­an Ser­rer ha­ben zum Kli­ma­wan­del ein Buch ver­fasst, das kom­ple­xe Sach­ver­hal­te ver­ständ­lich er­klärt. 130ƒ000 Ex­em­pla­re sind schon ver­kauft.

m An­fang stan­den vie­le Fra­gen zum Kli­ma­wan­del: Was sind die Ur­sa­chen? Wel­che Aus­wir­kun­gen hat er? Was kann für den Schutz des Kli­mas un­ter­nom­men wer­den? Auf der Su­che nach wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Ant­wor­ten, durch­stö­ber­ten die Stu­den­ten Da­vid Nel­les und Chris­ti­an Ser­rer zu­nächst das Netz. „Da sind wir nicht weit ge­kom­men“, sagt Nel­les. Auch in Buch­hand­lun­gen und On­li­ne-Shops such­ten sie ver­geb­lich nach Bü­chern, die den Kli­ma­wan­del ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar er­klä­ren. „Di­cke Fach­bü­cher woll­ten wir nicht wäl­zen“, sagt Ser­rer. So reif­te der Ent­schluss, selbst ein Buch zu schrei­ben. Es heißt „Klei­ne Ga­se – Gro­ße Wir­kung. Der Kli­ma­wan­del“. Es ist ein Bil­der­buch für Er­wach­se­ne – und ein Ren­ner.

In dem qua­dra­ti­schen, 130 Sei­ten star­ken Büch­lein steht al­les, was der in­ter­es­sier­te Bür­ger über den Kli­ma­wan­del wis­sen muss. Das Be­son­de­re dar­an ist, dass vie­le Gra­fi­ken das ver­an­schau­li­chen, was in den spar­sam ver­wen­de­ten Tex­ten er­klärt wird.

So wird im Ka­pi­tel „Die mög­li­chen Ur­sa­chen des Kli­ma­wan­dels“pro­zen­tu­al auf­ge­drös­elt, wel­che Be­rei­che für wie vie­le Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich sind. Bei­spiel: Nach An­ga­ben des Bu­ches war die In­dus­trie 2014 für 37 Pro­zent der Koh­lens­tošdi­oxid-Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich, die Land­wirt­schaft für 59 Pro­zent der Lach­gas-Emis­sio­nen, die durch Dün­ger ent­ste­hen. Die fos­si­len Brenns­toše wie Koh­le, Erd­öl und Erd­gas für 29 Pro­zent der Methan-Emis­sio­nen.

Um an die ge­wünsch­ten wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Da­ten und Fak­ten zu kom­men, mach­ten sich die Stu­den­ten über die wis­sen­schaft­li­chen Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Kli­ma­ex­per­ten her. Sie kon­tak­tier­ten mehr als 100 For­scher per Mail in Deutsch­land, in der Schweiz, in Ös­ter­reich, den USA, in Ka­na­da, Schwe­den, Dä­ne­mark und Nor­we­gen. „Min­des­tens neun Wis­sen­schaft­ler ha­ben je­des Ka­pi­tel ge­gen­ge­le­sen, um Feh­ler zu ver­mei­den“, sagt Ser­rer. So dau­er­te die Re­cher­che ein

AD­rei­vier­tel­jahr, der Be­ar­bei­tungs­pro­zess noch­mal so lan­ge. „Die Wis­sen­schaft­ler wa­ren be­geis­tert von un­se­rer Idee und froh, dass wir ih­re er­ar­bei­te­ten Fak­ten un­ter die Leu­te brin­gen wol­len“, sagt Nel­les. Des­halb ha­ben sie je­de Un­ter­stüt­zung be­kom­men.

An­de­re Stu­die­ren­de und Do­zen­ten der Zep­pe­lin Uni­ver­si­ty in Fried­richs­ha­fen, an der die bei­den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten im sieb­ten Se­mes­ter stu­die­ren, mach­ten ih­nen nur we­nig Hošnung. „Das wird doch nichts“ha­ben sie im­mer wie­der zu hö­ren be­kom­men. Die bei­den 23-Jäh­ri­gen lie­ßen sich nicht be­ir­ren.

Auch nicht, als ih­nen klar wur­de, dass kein Ver­lag ihr Buch druckt. Ihr obers­tes Ziel war, das Buch mög­lichst güns­tig un­ter die Leu­te zu brin­gen, da­mit vie­le Men­schen sich mit dem The­ma be­schäf­ti­gen, sich in­for­mie­ren und ak­tiv wer­den. „Das Buch darf nicht mehr als ei­ne Piz­za kos­ten“, war die Vor­ga­be. Bei fünf Eu­ro lag die Ober­gren­ze.

Trotz­dem soll­te es ein hoch­wer­ti­ges Buch mit Hard­co­ver wer­den, kli­ma­freund­lich ge­druckt auf Re­cy­cling­pa­pier. „Das macht kein Ver­lag“, war bei­den klar. Des­halb grün­de­ten sie selbst ei­nen Ver­lag und or­ga­ni­sier­ten die Gra­fi­ken, Druck und Ver­trieb selbst. „Die Gra­fi­ken ha­ben wir selbst mit Bunt­stif­ten vor­ge­zeich­net und so den Pro­fi-Gra­fi­kern wei­ter­ge­ge­ben“, sagt Ser­rer.

Um das Pro­jekt zu fi­nan­zie­ren, ha­ben sie Un­ter­neh­men an­ge­schrie­ben, die im Be­reich Kli­ma­schutz tä­tig sind. Sie bo­ten an, die letz­te Sei­te des Bu­ches für je­de Fir­ma in­di­vi­du­ell zu ge­stal­ten, so­dass es als Wer­be­ge­schenk für Kun­den und Mit­ar­bei­ter taugt. „So be­ka­men wir Vor­be­stel­lun­gen für 25 000 Ex­em­pla­re.“

Im De­zem­ber ist das Buch auf den Markt ge­kom­men. „In­zwi­schen ha­ben wir 130 000 Ex­em­pla­re ver­kauft“, sagt Nel­les. Es wur­de be­reits in der zwei­ten Auf­la­ge ge­druckt. Wäh­rend des In­ter­views mit den Stu­den­ten in der Men­sa der Zep­pe­lin Uni­ver­si­ty kommt ein Mit­ar­bei­ter der Uni vor­bei und ver­kün­det: Das Buch ste­he im Me­dia Con­trol-Ran­king un­ter den Top 5 der Kli­ma­bü­cher.

Nel­les und Ser­rer freu­en sich. Sie hat­ten nicht da­mit ge­rech­net, dass das Buch in ei­nem Ran­king auf­taucht. „Da­für ist der Preis zu nied­rig“, sagt Nel­les. Den Preis zu er­hö­hen, da­mit das Buch in Best­sel­ler-Lis­ten auf­ge­nom­men wird, kommt für die Au­to­ren nicht in Fra­ge. „Wir ver­kau­fen lie­ber vie­le Bü­cher und sind dann halt nicht auf Best­sel­ler-Lis­ten.“

Fo­to: Pe­tra Wal­heim

Die Stu­den­ten Da­vid Nel­les (links) und Chris­ti­an Ser­rer mit ih­rem Buch zum Kli­ma­wan­del.

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