Pro­ble­ma­ti­scher Stopp ei­nes Pro­fes­sors in An­ka­ra

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU -

Der Be­such ei­ner um­strit­te­nen Ta­gung schlägt Wel­len. Sie be­rührt den christ­lich-is­la­mi­schen Dia­log.

Tü­bin­gen. „Es war ei­ne Feh­l­ein­schät­zung.“Ab­de­ma­lek Hi­baoui, Pro­fes­sor für Is­la­mi­sche Prak­ti­sche Theo­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Tü­bin­gen, steht un­ter Recht­fer­ti­gungs­druck. Seit er in An­ka­ra an ei­ner Ta­gung des For­schungs­zen­trums der is­la­mi­schen Uni­on teil­ge­nom­men hat, schla­gen die Wel­len hoch. Die Ver­an­stal­ter ste­hen der tür­kisch-is­la­mi­schen Saa­det Par­tei na­he, die zur Mil­li-Gö­rüs-Be­we­gung ge­hört. „Das war mir nicht be­kannt“, sagt Ab­de­ma­lek Hi­baoui.

Über die „Zu­kunft der is­la­mi­schen Welt und Pa­läs­ti­nas“soll­te de­bat­tiert wer­den. „Als Wis­sen­schaft­ler hat mich das in­ter­es­siert.“Be­den­ken sei­en ihm je­doch schnell ge­kom­men. Statt mit der Rol­le des Is­lam in der Welt, sei­nen Ver­säum­nis­sen und Feh­lern ha­be er Pau­schal­be­schul­di­gun­gen ge­gen­über dem Wes­ten ge­hört. Und ge­gen­über Is­ra­el. Was hat in die­sem Kreis ein Is­lam­wis­sen­schaft­ler zu su­chen, der am Is­lam­zen­trum in Tü­bin­gen die Aus­bil­dung mus­li­mi­scher Seel­sor­ger ver­ant­wor­tet?

„Das ha­be ich mich selbst ge­fragt“, sagt Ab­de­ma­lek Hi­baoui. Doch ha­be er sich ent­schie­den, den Pam­phle­ten ein kri­ti­sches Re­fe­rat ent­ge­gen­zu­set­zen. Er ha­be dar­über ge­spro­chen, dass die Mus­li­me investiere­n müss­ten in die po­li­ti­sche und re­li­giö­se Bil­dung, um der Ra­di­ka­li­sie­rung et­was ent­ge­gen­zu­set­zen, und Re­li­gi­on nicht von der Po­li­tik in­stru­men­ta­li­siert wer­den dür­fe.

Doch das hat in Deutsch­land kaum in­ter­es­siert. Mehr Auf­merk­sam­keit er­weck­te ein Fo­to, das ihn mit Ka­mal Hel­ba­wy zeigt. Der Ägyp­ter war 1995 bis 1997 Spre­cher der Mus­lim­brü­der. Er gel­te heu­te als ei­ner ih­rer größ­ten Kri­ti­ker.

An der Aka­de­mie der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart wird Hi­baou­is Ab­ste­cher kri­tisch ge­se­hen. Das war ein „mas­si­ver Be­triebs­un­fall, sagt Chris­ti­an Strö­be­le, Lei­ter des Fach­be­reichs in­ter­re­li­giö­ser Dia­log. Gleich­wohl sei Hi­baou­is ein wel­tošener und pro­gres­si­ver Islam­theo­lo­ge. Das Ver­trau­en sei „we­der in die Per­son noch in das Is­lam­zen­trum er­schüt­tert“. Die Ver­ant­wort­li­chen des Zen­trums hät­ten sich im­mer wie­der ent­schie­den ge­gen fun­da­men­ta­lis­ti­sche Be­stre­bun­gen ver­wahrt, be­tont Strö­be­le. Als ein Stu­dent Kom­mi­li­to­nin­nen aušor­der­te, in Hör­sä­len nur noch hin­ten zu sit­zen, sei das eben­so un­ter­bun­den wor­den, wie Druck auf jun­ge Frau­en, mit Kopf­tuch zum Un­ter­richt zu er­schei­nen. Strö­be­le: „Das Zen­trum ist für uns ein ge­schätz­ter Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner.“

Fo­to: S. Goll­now/dpa

Pro­fes­sor Ab­de­ma­lek Hi­baoui muss sich recht­fer­ti­gen.

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