„Die­se wun­der­ba­re Welt soll so wun­der­bar blei­ben“

Haller Tagblatt - - LESERFORUM -

ZumThe­ma Kli­ma­wan­del

„Be­geis­tert vom Ein­satz und Durch­hal­te­ver­mö­gen“

Dass Gre­ta Thun­berg kei­ne Hei­li­ge ist (und auch nicht sein soll) dürf­te klar sein, aber sie jetzt auf ih­re At­lan­tik­über­que­rung und zur „ Geld­druck­ma­schi­ne“zu re­du­zie­ren und nie­der­zu­ma­chen, emp­fin­de ich als nicht fair.

In die­sem Al­ter solch ei­ne Be­we­gung an­zu­sto­ßen und durch­zu­füh­ren, von Po­li­ti­kern und uns al­len, den Kli­ma­schutz und Kli­ma­zie­le mit Mut ein­zu­for­dern, das ver­dient gro­ßen Re­spekt. Mit Freu­de ver­fol­ge ich da­her die „Fri­days for Fu­ture“-De­mons­tra­tio­nen und bin be­geis­tert vom Ein­satz und Durch­hal­te­ver­mö­gen der Kin­der und Ju­gend­li­chen und auch den zu­neh­mend sich an­schlie­ßen­den Er­wach­se­nen.

Re­gel­mä­ßig gibt es im­mer wie­der Streiks in Schwä­bisch Hall, ei­ne deutsch­land­wei­te De­mo in Aa­chen und oft wö­chent­lich in vie­len deut­schen Städ­ten so­wie auf der gan­zen Welt! Kin­der las­sen sich nicht ein­schüch­tern von der Schel­te, die in den ver­gan­ge­nen Wo­chen und Mo­na­ten oft­mals von Kri­ti­kern über die De­mons­tran­ten ge­schüt­tet wur­de, wenn sich doch die Ge­ne­ra­ti­on von mor­gen und über­mor­gen für die Welt und ih­re Zu­kunft ein­setzt. Als „Schul­schwän­zer“wer­den sie be­zeich­net und las­sen sich nicht für die „Kli­ma­hys­te­ri­ker kri­tik­los ein­span­nen“(Le­ser­brie­fe im Hal­ler Tag­blatt vom 6. März 2019). Der Kli­ma­wan­del ist da. Das kann man sich nicht schön­re­den und hat ge­wiss nichts mit dem „Pes­si­mis­mus der Kli­ma-Ak­ti­vis­ten“zu tun.

Die­sen jun­gen Men­schen geht es dar­um, die Mäch­ti­gen die­ser Welt auf­zu­rüt­teln, sich nicht auf Ver­trös­tun­gen (Ir­gend­wann-Aus­stieg in vi­el­leicht drei Jahr­zehn­ten, ir­gend­wann den Koh­le­ab­bau ab­stel­len) ein­zu­las­sen. Sie las­sen sich nicht auf Lob­by­is­ten und auf Macht­hung­ri­ge ein, de­nen die Dol­lar­zei­chen aus den Au­gen blit­zen.

Da ist doch die Idee, das de­mo­kra­ti­sche Mit­tel ei­nes Streiks zu be­nut­zen, gar nicht schlecht, oder? Die­se wun­der­ba­re Welt soll so wun­der­bar blei­ben! Un­se­re Kin­der müs­sen mit all den Hin­ter­las­sen­schaf­ten (Tscher­no­byl, Fu­ko­shi­ma, Atom­müll-La­ger As­se, Ab­bau der Kern­kraft­wer­ke, Müll­ber­ge) ih­re Zu­kunft hin­krie­gen. Und die­ser Streik ist ei­ne Mög­lich­keit sich Ge­hör zu ver­schaŸen. Ich glau­be nicht, dass es den Teil­neh­mern ums Schul­schwän­zen geht. Das ist kein de­struk­ti­ves Zu­rück­leh­nen, son­dern der Ver­such, mu­tig et­was zu un­ter­neh­men!

Wir al­le ha­ben un­se­re Feh­ler, kei­ner lebt das per­fek­te kli­ma­neu­tra­le Le­ben. Aber des­halb den Kopf in den Sand zu ste­cken und nichts zu tun, das kann es nicht sein. Je­de Stre­cke zu Fuß oder mit dem Fahr­rad, je­de nicht ge­kauf­te Plas­tik­tü­te oder Ver­pa­ckung, je­der nicht ge­nutz­te Bil­lig­flie­ger trägt zum Kli­ma­schutz bei.

Ger­ne zi­tie­re ich Alex­an­der Gerst: „Es ist re­la­tiv klar, dass die Er­de uns über­le­ben wird, die Fra­ge ist, wie wir Men­schen das an­stel­len, dass die Er­de wei­ter­hin be­wohn­bar bleibt.“In die­sem Sin­ne: Lasst uns tun, was in un­se­rer Macht steht, das Kli­ma und un­se­re Welt zu schüt­zen und wenn es mit ei­nem Kli­ma­st­reik be­ginnt! Chris­ti­ne Mar­stal­ler-Beck Schwä­bisch Hall

„Der im­mer wie­der an­ge­führ­te Kon­sens ist Hum­bug“

Hier die Gr­und­for­mel des Le­bens (Pho­to­syn­the­se): 6 H2O (Was­ser) + 6 CO (Koh­lens­toŸdi­oxid) + 26 Licht = O (Sau­er­s­toŸ) + C 2 6 H12O6 (Glu­co­se)

Al­so oh­ne CO2 wä­re die Er­de ei­ne kah­le St­ein­wüs­te. Dar­an gibt es nichts zu rüt­teln. Wer den­noch glaubt, CO2 sei schäd­lich, dem ist wahr­lich nicht zu hel­fen. Au­ßer­dem gibt es welt­weit kei­nen ein­zi­gen fak­tisch nach­voll­zieh­ba­ren wis­sen­schaft­li­chen Be­weis, wo­nach mensch­lich emit­tier­tes CO2 in ir­gend ei­ner Wei­se das Kli­ma be­ein­flusst. Der im­mer wie­der an­ge­führ­te Kon­sens der Kli­ma­wis­sen­schaft­ler ist Hum­bug, zu­mal es in der Wis­sen­schaft na­tur­ge­mäß kei­nen Kon­sens ge­ben kann, denn gä­be es ihn, wä­re die Wis­sen­schaft am En­de. Vie­len Dank auch für die Le­ser­brie­fe (Hal­ler Tag­blatt vom 19. Sep­tem­ber) von Kon­rad Frank und Andre­as Be­cker, zwei wei­te­re Lich­ter in der Dun­kel­heit. Hilmar Ha­cker Schwä­bisch Hall „Wo hat er denn die gan­ze

Zeit ge­schla­fen?“

Lie­be Pend­ler, gu­te Nach­rich­ten: Die Bun­des­re­gie­rung hat euch nicht im Re­gen ste­hen las­sen. Ihr könnt es in Zu­kunft so rich­tig kra­chen las­sen. Es sei denn, ihr seid Azu­bis, Ge­ring­be­schäf­tig­te oder ver­dient zu we­nig um Steu­ern zu zah­len. Oder ihr wohnt in der Nä­he eu­res Ar­beits­plat­zes: Für euch gibts lei­der nix, ihr müsst die CO2-Ab­ga­be selbst be­zah­len. Al­le an­de­ren dür­fen sich freu­en: Für 100 Ki­lo­me­ter darf man in Zu­kunft 5 Eu­ro von der Steu­er ab­zie­hen, der Li­ter Ben­zin wird aber nur bis zu 10 Cent teu­rer. Das heißt: Wes­sen Wa­gen 10 Li­ter ver­braucht und wer min­des­tens 20 Pro­zent Steu­ern zahlt, für den wird auch die teu­ers­te Stu­fe 2026 um­sonst. Wer we­ni­ger ver­braucht oder mehr ver­dient und da­mit auch mehr Steu­ern zahlt, für den gibt’s echt Koh­le. Da kann man gleich die Ab­ga­be für den Zweit­und Dritt­wa­gen mit­fi­nan­zie­ren. Oder man kann mal wie­der so rich­tig über die Au­to­bahn hei­zen. Der Staat zahlt’s ei­nem ja.

So­lan­ge, ja so­lan­ge, bis es ein­mal ei­ne Bun­des­re­gie­rung gibt, der tat­säch­lich der Kli­ma­schutz wich­ti­ger ist als die Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Was soll man auch von ei­ner Re­gie­rung er­war­ten, de­ren Vi­ze­kanz­ler von „Fri­days for fu­ture“„auf­ge­schreckt“wur­de. 25 Jah­re nach der ers­ten Kli­ma­kon­fe­renz und 14 Jah­re nach ei­nem ver­bind­li­chen Kli­ma­schutz­pro­to­koll, des­sen Zie­le Deutsch­land re­gel­mä­ßig ver­fehlt. Das Ziel für 2020 wird schon gar nicht mehr an­ge­strebt. Wo hat er denn die gan­ze Zeit ge­schla­fen?

Kei­ner lebt das per­fek­te, kli­ma­neu­tra­le Le­ben.

25 Jah­re wur­de es ver­säumt, An­rei­ze zu schaen.

Und von ei­ner Re­gie­rungs­par­tei, de­ren der­zei­ti­ge Vor­sit­zen­de „die Ge­sell­schaft nicht spal­ten“will. Das hat die Re­gie­rung schon lan­ge er­reicht: Je­weils die Hälf­te hält Wachs­tum oder Kli­ma­schutz für wich­ti­ger. 25 Jah­re wur­de es ver­säumt, An­rei­ze zu schaŸen, un­se­re Wirt­schaft öko­lo­gisch um­zu­bau­en. Un­ter­neh­mer, die „mit grü­nen Ide­en schwar­ze Zah­len schrei­ben“, wa­ren er­folg­reich trotz der po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen, nicht we­gen ih­nen. Und nun geht das al­so wei­ter: mas­si­ve Ent­las­tung für Viel-(Auto)-Fah­rer, Bro­sa­men und Zu­kunfts­ver­trös­tun­gen für den Kli­ma­schutz. Eben das, was die Kanz­le­rin nicht woll­te: Pil­le­pal­le Pe­ter Ai­che­lin Schwä­bisch Hall „Er­heb­li­cher Steue­rungs­ef­fekt durch geringe Men­gen“

Ich le­se im­mer wie­der, zum Bei­spiel in den Le­ser­brie­fen vom 19. und 20. Sep­tem­ber, dass sich nur 0,038 Pro­zent (ge­nau­er 0,0405 Pro­zent) CO in der At­mo­sphä­re be­fin­den und des­halb gar kei­nen Ein­fluss auf das Kli­ma ha­ben kön­nen. Mit kei­nem Wort wird er­wähnt, wel­che Rol­le Koh­lens­toŸdi­oxid in der At­mo­sphä­re spielt.

Ein gro­ßer Teil der Son­nen­en­er­gie wird von der Er­de wie­der ab­ge­strahlt, was aber von kli­ma­re­le­van­ten Ga­sen wie CO2, CH4, N2O ver­hin­dert wird, so dass die durch­schnitt­li­che Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur der Er­de statt mi­nus 18 Grad ak­tu­ell plus 14 Grad be­trägt (auf der Ve­nus üb­ri­gens 440 Grad). Da­bei kön­nen re­la­tiv geringe Men­gen ei­nen er­heb­li­chen Steue­rungseŸekt aus­lö­sen. Zur Ver­an­schau­li­chung ein Bei­spiel aus der Me­di­zin: Es ist be­kannt, dass wir zum Bei­spiel 50 bis 200 Mi­kro­gramm Se­len täg­lich be­nö­ti­gen. Auf 80 Ki­lo­gramm Kör­per­ge­wicht be­zo­gen sind es 100 bis 400 ppm (Parts per Mil­li­on, Anm.

d. Red.), die un­ser Kör­per be­nö­tigt, um zu funk­tio­nie­ren. Die­se Men­ge ist al­so ver­gleich­bar mit der ak­tu­el­len CO2-Kon­zen­tra­ti­on in der At­mo­sphä­re.

Für un­ser Kli­ma ist das Ver­hält­nis von Ein- und Ab­strah­lung der Son­nen­en­er­gie ent­schei­dend. Das CO2 ist dar­an ne­ben an­de­ren Kli­ma­ga­sen laut Bun­des­um­welt­amt zu 66 Pro­zent be­tei­ligt. In den letz­ten 10 Mil­lio­nen Jah­ren schwank­te der CO2-Wert bis zum Be­ginn der In­dus­tria­li­sie­rung zwi­schen 200 und 350 ppm. Seit­dem ist er in re­la­tiv sehr kur­zer Zeit auf über 400 ppm ge­stie­gen. Die seit der Zeit er­folg­te kon­ti­nu­ier­li­che Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung be­trägt 1,5 Grad, wo­durch die viel­fäl­ti­gen kli­ma­ti­schen Ve­rän­de­run­gen in der Na­tur zu er­klä­ren sind. Wenn wir über­haupt noch et­was da­ge­gen tun kön­nen, dann muss es so­fort ge­sche­hen, zum Bei­spiel durch we­ni­ger Ver­bren­nung fos­si­ler StoŸe (CO2), we­ni­ger Fleisch­kon­sum (CH4, N2O) und AuŸor­s­tung statt Ab­hol­zung. Horst Ge­bert Schwä­bisch Hall „Völ­lig un­ge­wis­ser Aus­gang für das Land“

Gre­ta Thun­bergs Re­de vor der UNO war ver­gleich­bar mit dem Flen­nen ei­ner trot­zi­gen Gö­re, die nicht ih­ren Wil­len be­kommt. Ihr Au­tis­mus wirk­te da­bei wie ein Schutz­schild, der jeg­li­che Kri­tik an ih­rer Per­son ab­wehr­te. Aber weit pa­tho­lo­gi­scher als Gre­tas Auf­tritt war der Um­stand, dass die Er­wach­se­nen, die sich von ihr be­schimp­fen lie­ßen, auch noch Bei­fall klatsch­ten. Man könn­te dar­über la­chen, wä­re die­ser öf­fent­lich ze­le­brier­te Kin­des­miss­brauch durch El­tern und Spon­so­ren nicht ei­ne so trau­ri­ge An­ge­le­gen­heit.

Aber, lie­be Frei­tags­kin­der, eu­re Zeit ist ge­kom­men. Freut euch, die Al­ten wer­den euch schon bald das Ru­der über­las­sen. Dann dürft ihr end­lich eu­re Ha­becks und Ba­er­bocks auf den Schild he­ben. Auf dass sich wie­der­ho­le, was schon im 8. Jahr­hun­dert vor Chris­tus der Pro­phet Je­sa­ja in Be­zug auf den sich an­bah­nen­den Zu­sam­men­bruch der öŸent­li­chen Ord­nung vor­her­sag­te: „(Gott) gibt ih­nen un­rei­fe Bur­schen als Herr­scher, die mit Will­kür re­gie­ren. Dann fällt ei­ner über den an­de­ren her, je­der über­vor­teilt je­den. Jun­ge re­bel­lie­ren ge­gen die Al­ten, Nichts­nut­ze ge­gen ge­ach­te­te Män­ner.“

Ver­gleich­bar mit dem Flen­nen ei­ner trot­zi­gen Gö­re.

Ich bin mir ziem­lich si­cher, dass die Grü­nen, wenn sie erst ein­mal an der Macht sind, mit ih­rer mar­xis­tisch-na­tur­mys­ti­schen Ideo­lo­gie die­sem Land den Rest ge­ben wer­den. Wer im­mer kür­ze­re Aus­stiegs­fris­ten aus Koh­leund Atom­strom for­dert, wer das Heil die­ser Er­de nur noch in ei­ner ge­fähr­lich ein­sei­ti­gen Fi­xie­rung auf so­ge­nann­te „er­neu­er­ba­re Ener­gi­en“se­hen kann, der pro­vo­ziert leicht­fer­tig und ver­ant­wor­tungs­los ei­nen Black­out – mit völ­lig un­ge­wis­sem Aus­gang für die­ses Land. Wenn schon ei­ne pro­mo­vier­te Phy­si­ke­rin den Kampf ge­gen die Phy­sik, der in die­ser völ­lig ver­korks­ten Ener­gie­wen­de zum Vor­schein kommt, nicht ge­win­nen kann, kön­nen es dann vi­el­leicht Leu­te, die nicht ein­mal zwi­schen Ko­bold und Ko­balt zu un­ter­schei­den ver­mö­gen?

Aber was macht es schon, wenn das win­zi­ge Deutsch­land im Cha­os ver­sin­ken soll­te? Wir müs­sen doch glo­bal den­ken. Auf der Welt­kar­te, die in mei­nem Ar­beits­zim­mer hängt, ist die­ses Land et­wa so groß wie mein Dau­men und um­fasst da­mit ge­ra­de ein­mal 0,24 Pro­zent der ge­sam­ten Land­flä­che die­ses Pla­ne­ten. Glo­bal ge­se­hen spielt es al­so über­haupt kei­ne Rol­le, ob wir zu den blü­hen­den Wirt­schafts­na­tio­nen zäh­len oder ob wir in die St­ein­zeit zu­rück­fal­len. Letz­te­res hät­te den Vor­teil, dass we­sent­lich we­ni­ger CO2 emit­tiert wür­de. Das wol­len wir doch al­le, oder et­wa nicht? Micha­el Schuch Mi­chel­bach

Fo­to: To­bi­as Würth

Meh­re­re 100 Teil­neh­mer zähl­te die Kli­ma­schutz-De­mons­tra­ti­on am 20. Sep­tem­ber in Hall.

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