Städ­te­tag for­dert Re­form des Wahl­rechts

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMS­CHAU - Wahl­vor­schlä­ge

Klei­ne Grup­pen und ein­zel­ne Kan­di­da­ten ha­ben nach den ak­tu­el­len Re­geln Vor­tei­le. Die zer­split­ter­ten Gre­mi­en sind ei­ni­gen ein Dorn im Au­ge.

Der Städ­te­tag in Ba­denWürt­tem­berg dringt auf ei­ne Re­form des Kom­mu­nal­wahl­rechts. Die Ver­tei­lung der Sit­ze in den Ge­mein­de­rä­ten bil­de die rea­len Macht­ver­hält­nis­se nicht an­ge­mes­sen ab, mo­niert Ver­bands­prä­si­dent Pe­ter Kurz (SPD). „Klei­ne Grup­pie­run­gen und Ein­zel­kan­di­da­ten pro­fi­tie­ren über­pro­por­tio­nal von dem Aus­zähl­ver­fah­ren nach Sain­te-La­guë/Sche­pers.“

Die seit der Kom­mu­nal­wahl 2014 gel­ten­de Me­tho­de er­schwe­re die Mehr­heits­bil­dung und be­güns­ti­ge Son­der­in­ter­es­sen, sag­te Kurz, der auch Mann­hei­mer OB ist. „Wir ha­ben da auch ein ganz di­rek­tes de­mo­kra­ti­sches Pro­blem, denn die Grup­pen mit nur ei­nem Sitz sind über­re­prä­sen­tiert.“Es müs­se ver­hin­dert wer­den, dass ein Sitz an Be­wer­ber geht, die et­wa in Mann­heim nur we­nig mehr als ein Pro­zent der Stim­men auf sich ver­ei­nen könn­ten, ob­wohl der Ge­mein­de­rat ins­ge­samt nur 48 Sit­ze um­fasst. Das för­de­re die Zer­split­te­rung. Die Viel­falt der Wahl­vor­schlä­ge bei der Kom­mu­nal­wahl 2019 ha­be ge­zeigt, wie not­wen­dig ei­ne Kor­rek­tur des Ver­fah­rens sei.

In­nen­staats­se­kre­tär Wil­fried Klenk (CDU) be­ton­te: „Am In­nen­mi­nis­te­ri­um schei­tert die Um­stel­lung nicht. Wenn der Ge­setz­ge­ber zu d‘Hondt zu­rück­keh­ren möch­te, kön­nen wir das prak­tisch von jetzt auf gleich tun.“

Beim gel­ten­den Be­rech­nungs­ver­fah­ren Sain­te-La­guë/Sche­pers sei es in der Tat für klei­ne Par­tei­en und Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen ein­fa­cher, ei­nen Sitz zu er­lan­gen als beim frü­he­ren Be­rech­nungs­ver­fah­ren d’Hondt, sag­te ein Spre­cher von In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU). Un­gleich­ge­wich­tig­kei­ten ge­be es bei je­dem Be­rech­nungs­ver­fah­ren in der ei­nen oder an­de­ren Wei­se. „Sie sind sys­tem­be­dingt.“Das Be­rech­nungs­ver­fah­ren ga­ran­tie­re den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz der Gleich­heit der Wahl.

Nach der Auf­stel­lung des Ver­bands vom Ju­ni war der Spit­zen­rei­ter Frei­burg mit 16 Grup­pie­run­gen, Frak­tio­nen und Ein­zel­ver­tre­tern im 48-köp­fi­gen Ge­mein­de­rat, ge­folgt von Stutt­gart mit 14 im 60-köp­fi­gen Stadt­rat.

Die For­de­rung des Städ­te­ta­ges ent­spricht den Zie­len von GrünSchwar­z. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag steht: „Um bei Kom­mu­nal­wah­len zu er­rei­chen, dass die Sitz­ver­tei­lung mög­lichst nah am Wah­l­er­geb­nis liegt und um zu ver­mei­den, dass Kleinst­grup­pen be­vor­teilt wer­den, wer­den wir das Aus­zähl­ver­fah­ren nach Sain­te-La­guë/ Sche­pers wei­ter­ent­wi­ckeln.“Die Me­tho­de hat­te das Aus­zähl­ver­fah­ren nach d‘Hondt 2014 ab­ge­löst. Bis­her sei das The­ma an ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken im In­nen­mi­nis­te­ri­um ge­schei­tert, sag­te Ver­bands­ge­schäfts­füh­re­rin Gu­drun Heu­te-Bl­uhm.

gin­gen bei den Wah­len 2019 in zwölf Städ­ten im Land laut ei­ner Aus­wer­tung ein – ein Zu­wachs im Ver­gleich zu 2014 um

17,4 Pro­zent.

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