Ja­pa­ni­sche Pro­pa­gan­da auf Ki­mo­nos

Das Lin­den­mu­se­um hat 46 Klei­dungs­stü­cke aus Fer­n­ost ge­kauft, die be­son­de­re Bot­schaf­ten tra­gen.

Haller Tagblatt - - STUTTGART UND UMGEBUNG - Bar­ba­ra Woll­ny

Stutt­gart. Ki­mo­no heißt aus dem ja­pa­ni­schen über­setzt schlicht Klei­dungs­stück, Bis cir­ca 1930 war das Tex­til, das mit ei­nem brei­ten Gür­tel ge­schlos­sen wird, All­tags­klei­dung. Seit­dem wer­den Ki­mo­nos nur noch zu Fes­ten oder der Tee­ze­re­mo­nie ge­tra­gen.

Un­ge­wöhn­li­che Mo­ti­ve schmü­cken die im Lin­den­mu­se­um prä­sen­tier­ten Stü­cke. Auf ei­nem schwarz-wei­ßen Sei­den­ki­mo­no po­siert ein reich de­ko­rier­ter Ad­mi­ral vor den Ka­no­nen ei­nes Schlacht­schiŽs. Über ein hauch­zar­tes blau­es Sei­den­ge­wand flie­gen ja­pa­ni­sche Kampflug­zeu­ge. Ein drit­tes Stück ist mit Bor­ten de­ko­riert, ab­wech­selnd aus ja­pa­ni­scher Flag­ge und Ha­ken­kreu­zen zu­sam­men­ge­setzt.

Wäh­rend die Frau­en­mo­del­le tra­di­tio­nell mit Blu­men, Land­schaf­ten oder Vö­geln ge­schmückt sind, ka­men für Män­ner ab dem chi­ne­sisch-ja­pa­ni­schen Krieg 1894 auch Kriegs­mo­ti­ve in Mo­de. Das setz­te sich bei fol­gen­den Krie­gen fort, die Ja­pan be­stritt, bis hin zum Zwei­ten Welt­krieg, der 1945 en­de­te. Die Kriegs­ki­mo­nos wur­den als Mas­sen­wa­re auch für Frau­en und Kin­der her­ge­stellt.

Aus der Samm­lung ei­nes Tex­til­händ­lers hat das Lin­den­mu­se­um jetzt mit Un­ter­stüt­zung der Kul­tur­stif­tung der Län­der 46 die­ser tex­ti­len Ra­ri­tä­ten er­wor­ben und prä­sen­tier­te sie ges­tern erst­mals der ֎ent­lich­keit. Klaus Frie­se vom In­sti­tut für Kunst­ge­schich­te der Münch­ner Ma­xi­mi­li­an-Uni­ver­si­tät ist ei­ner der we­ni­gen For­scher, der sich mit den Kriegs­ki­mo­nos be­schäf­tigt und hielt den Ein­füh­rungs­vor­trag im Lin­den­mu­se­um. „Selbst in Ja­pan kennt fast nie­mand die­se Ki­mo­nos. War es Pro­pa­gan­da zum An­zie­hen oder ei­ne spe­zi­fi­sche Form der ja­pa­ni­schen Äs­t­he­tik? Wir fin­den kaum Qu­el­len, wis­sen aber von al­ten Fo­tos, dass die Stü­cke tat­säch­lich ge­tra­gen wur­den.“

Mu­se­ums­di­rek­to­rin Inés de Cas­tro zeig­te sich be­geis­tert über den Zu­wachs für die Ja­pan­ab­tei­lung des Hau­ses. „Wir ha­ben ei­ne be­mer­kens­wer­te Ja­pan-Samm­lung. Sie war bis­her weit­ge­hend un­be­rührt vom Ein­fluss der Mo­der­ne. Das än­dert sich jetzt mit den 46 Kriegs-Ki­mo­nos.“

Inés de Cas­tro prä­sen­tiert die neu­en Aus­stel­lungs­stü­cke.

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