Zwi­schen Kla­mot­ten und Milch­tü­ten

Zum fünf­ten Mal ver­an­stal­ten die Wirt­schafts­ju­nio­ren Ho­hen­lo­he-Fran­ken die Nacht der Aus­bil­dung im Land­kreis. In Schwä­bisch Hall neh­men 19 Un­ter­neh­men und 650 Ju­gend­li­che teil.

Haller Tagblatt - - JUGEND SPECIAL - Von Leo­nie Leis­ter

Ei­ne Droh­ne schwebt über dem zen­tra­len Om­ni­bus­bahn­hof (ZOB) in Schwä­bisch Hall, Mit­ar­bei­ter un­ter­schied­li­cher Fir­men ver­tei­len Gut­schei­ne, teu­re und bun­te Au­tos ste­hen auf der Bus­spur. Hun­der­te Ju­gend­li­che stür­men in die be­reit­ste­hen­den Bus­se: Zum fünf­ten Mal or­ga­ni­siert die ört­li­che Re­gio­nal­grup­pe der Wirt­schafts­ju­nio­ren Heil­bronn-Fran­ken die Nacht der Aus­bil­dung in Hall. Nach dem „Hop on – Hop o¦“-Prin­zip kön­nen In­ter­es­sier­te an den teil­neh­men­den Fir­men aus- und wie­der ein­stei­gen. Die Bus­se hal­ten im 30-Mi­nu­ten-Takt. In­ner­halb von fünf St­un­den kön­nen 19 Un­ter­neh­men be­sich­tigt wer­den.

1000 Eu­ro Teil­nah­me­ge­bühr

Wirt­schafts­ju­nio­rin Da­na Holz­ner hat sich ei­ne oran­ge­ne Warn­wes­te an­ge­zo­gen, da­mit sie als An­sprech­part­ne­rin er­kenn­bar ist. Der Bus der Rou­te 2 – drei Rou­ten gibt es ins­ge­samt – tu­ckert durch die Ge­wer­be­ge­bie­te Sol­park und Gründ­le. Drit­ter Halt: die Fir­ma Si­gnal De­sign. „Will je­mand raus?“, ruft Holz­ner durch den Bus. Drei Jungs stei­gen aus. Si­gnal De­sign ist Spe­zia­list für Flot­ten- so­wie Fi­li­al­be­schrif­tung und ist zum ers­ten Mal da­bei. „Mit­zu­ma­chen kos­tet je­de Fir­ma 1000 Eu­ro. Ei­gent­lich war mir das bis­her im­mer zu teu­er“, er­klärt Fir­men­in­ha­ber Mar­kus Schae¯er. Je­des Jahr stellt Si­gnal De­sign drei Azu­bis ein. „Sie flie­gen uns nicht zu, meis­tens krie­gen wir un­se­re drei Plät­ze trotz­dem voll.“Bis auf 2018: Da wa­ren es nur zwei Lehr­lin­ge. „Des­halb ma­chen wir die­ses Jahr bei der Nacht der Aus­bil­dung mit.“

Für die Ju­gend­li­chen ste­hen Piz­za, Cock­tails so­wie ein Fahr­si­mu­la­tor be­reit. Neu­gie­rig stür­zen sie sich dar­auf. Ne­ben­an be­steht die Mög­lich­keit, ei­nen Por­sche mit Sti­ckern zu be­kle­ben oder die Mon­ta­ge­hal­le mit ge­hei­men Pro­jek­ten zu be­sich­ti­gen. „Mir macht es Spaß hier“, sagt Car­la Schmidt aus Hall. Sie ist schon das drit­te Mal bei der Nacht der Aus­bil­dung da­bei und möch­te Me­di­en­ge­stal­te­rin wer­den. „Aber Wer­be­tech­ni­ker hier bei Si­gnal wä­re auch ei­ne Mög­lich­keit“, sagt sie.

Mit Haar­net­zen un­ter­wegs

Es geht wei­ter auf der Rou­te 2. Nächs­ter Halt: Mol­ke­rei Hof­gut. Die Ju­gend­li­chen kön­nen sich die Milch­ver­fei­ne­rung von Na­hem an­schau­en. Be­vor es in die Hal­le los­geht, müs­sen sie sich aus hy­gie­ni­schen Grün­den Haar­net­ze auf­set­zen. Tau­sen­de Milch­kar­tons wer­den in Win­des­ei­le übers Fließ­band trans­por­tiert. „Die meis­ten kön­nen sich ein­fach nicht vor­stel­len, was wir hier ma­chen“, sagt Mol­ke­rei­meis­ter Phil­ipp Deig­ner. Bei Hof­gut kann man sich zum Bei­spiel als Milch­tech­no­lo­ge, Fach­in­for­ma­ti­ker oder milch­wirt­schaft­li­cher La­bo­rant aus­bil­den las­sen. „Bei tech­ni­schen Be­ru­fen ist es schwe­rer, Nach­wuchs zu fin­den. Wir be­kom­men un­se­re Aus­bil­dungs­plät­ze nicht im­mer be­setzt, ob­wohl un­se­re Ar­beit kri­sen­si­cher ist. Milch braucht man im­mer“, sagt Deig­ner und lacht. Nach der Be­sich­ti­gung geht es dann end­lich ans Pro­bie­ren, zum Bei­spiel Ka­ba. Auch im In­dus­trie­ge­biet Kerz ist ei­ni­ges los. Die Ju­gend­li­chen ma­chen sich im Mo­de­park Rö­ther über die Can­dy­bar her. Die Mit­ar­bei­ter ha­ben sich ein Sta­tio­nen­spiel über­legt. Gera­de fal­ten zwei Jungs Kla­mot­ten um die Wet­te.

Ei­ne an­de­re Grup­pe tes­tet ihr Ge­schick im 10-Fin­ger-Tip­pen. Mit­ar­bei­ter ste­hen an je­der Sta­ti­on be­reit, um an­zu­lei­ten – aber na­tür­lich auch, um Fra­gen zu be­ant­wor­ten. „Die Nacht zu or­ga­ni­sie­ren ist ein rie­si­ger Auf­wand. Trotz­dem zie­hen wir ei­nen enor­men Nut­zen dar­aus, weil wir da­durch mehr Be­wer­bun­gen be­kom­men“, er­klärt Per­so­nal­lei­te­rin Ju­dith Wei­ler. Rö­ther ist be­reits zum vier­ten Mal da­bei. Vier Fir­men, die 2018 da­bei wa­ren, ma­chen heu­er nicht mehr mit, so zum Bei­spiel das Steu­er­be­ra­tungs­bü­ro Schmidt-Mess­nerA­mann aus Un­ter­münk­heim. Der Grund: „Die Rück­mel­dung ging trotz der Teil­nah­me ge­gen Null, die Be­suchs­zah­len wa­ren über­schau­bar“, sagt Alex­an­der St­raub auf Nach­fra­ge. An­de­re Mes­sen hät­ten sich mehr ge­lohnt. An­ders war es bei Krim­mers Bä­cke­rei, auch aus Un­ter­münk­heim: „Wir ha­ben ge­nug Be­wer­bun­gen be­kom­men und konn­ten die­ses Jahr ei­nen Azu­bi ein­stel­len“, er­zählt In­ha­ber Ing­mar Krim­mer.

Mehr Fo­tos von der Nacht der Aus­bil­dung in Hall und Crails­heim gibt es auf www.swp.de/sha.

Fo­to: Leo­nie Leis­ter

Ver­stoh­le­ner Blick zum Geg­ner: Die zwei Jungs lie­fern sich im Mo­de­park Rö­ther ein Du­ell im Kla­mot­ten­fal­ten.

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