„Die Gren­zen des Sag­ba­ren“

Haller Tagblatt - - LESERFORUM -

Zum The­ma Be­lei­di­gung im In­ter­net

Ab­scheu und Ent­set­zen: Mit an­dern Wor­ten kann ich das Ur­teil des Ber­li­ner Land­ge­richts (HT vom 20. Sep­tem­ber, Anm. d. Red.)

nicht kom­men­tie­ren. Wenn „Stück Scheiße“und noch un­flä­ti­ge­re se­xis­ti­sche Kom­men­ta­re die Men­schen­wür­de und die Eh­re ei­ner ver­dien­ten Po­li­ti­ke­rin be­schmut­zen, soll dies ei­ne zu­läs­si­ge freie Mei­nungs­äu­ße­rung sein? Oder tobt sich die all­ge­gen­wär­ti­ge Frau­en­feind­lich­keit un­ge­straft in der An­ony­mi­tät im Netz aus?

Dass auch heu­te noch die Jus­tiz auf dem rech­ten Au­ge blind ist, zeigt sich lei­der in die­sem fei­gen Ur­teil. Wo bleibt der viel­zi­tier­te Rechts­staat? Kein De­mo­krat darf sich je­den­falls ein sol­ches Ur­teil ge­fal­len las­sen. Es ist zu­tiefst be­lei­di­gend und men­schen­ver­ach­tend. Die Gren­zen des Sag­ba­ren wer­den im Netz und in der po­li­ti­schen Ar­beit der Rechts­ra­di­ka­len im­mer wei­ter ins Ekel­er­re­gen­de und Schwei­ni­sche ver­scho­ben. Dann ist es nicht mehr weit zu den töd­li­chen Schüs­sen auf auf­rech­te De­mo­kra­ten wie Wal­ter Lüb­ke. Ich ho’e, dass Frau Kü­n­ast die­ses Ur­teil nicht hin­nimmt, im In­ter­es­se al­ler Frau­en, Po­li­ti­ker und an­stän­di­gen Men­schen. Sonst schwin­det das An­se­hen der De­mo­kra­tie und des Grund­ge­set­zes im­mer wei­ter. Und soll­te es tat­säch­lich kein Ge­setz ge­gen Be­lei­di­gun­gen im Netz ge­ben – wo­zu ha­ben wir die Große Ko­ali­ti­on, die wehr­haf­te Ge­set­ze zum Schutz der Men­schen­wür­de be­schlie­ßen kann? Bri­git­te Schwenk Mi­chel­bach/Bilz

Jus­tiz ist heu­te noch auf dem rech­ten Au­ge blind.

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