Lang­sam gräbt sich Schal­ke nach vor­ne

Der FC Bay­ern steht in die­ser Sai­son erst­mals ganz oben. Gel­sen­kir­chen hat mit dem Er­folg in Leip­zig die Rol­le ei­nes Mün­chen-Ver­fol­gers über­nom­men.

Haller Tagblatt - - SPORT -

Men­ta­li­tät schlägt manch­mal auch Qua­li­tät. Alex­an­der Nü­bel Tor­hü­ter von Schal­ke 04

Der FC Bay­ern steht nach dem 3:2-Sieg in Pa­der­born erst­mals in die­ser Sai­son auf Platz eins der Bun­des­li­ga-Ta­bel­le – et­was spät zwar, aber sonst nicht un­be­dingt über­ra­schend. Der FC Schal­ke 04 auf Rang vier nach dem un­er­war­te­ten 3:1-Er­folg in Leip­zig – das al­ler­dings ist ei­ne Über­ra­schung.

Beim deut­schen Re­kord­meis­ter aus Mün­chen stim­men die nack­ten Zah­len, doch das al­lein sorgt sel­ten für Glück­se­lig­keit. Und so ver­ließ der Se­ri­en­meis­ter Ost­west­fa­len trotz der nächs­ten Bun­des­li­ga-Re­kord­mar­ke von Tor­ma­schi­ne Ro­bert Le­wan­dow­ski mit ei­ni­gen Sor­gen. Im ers­ten Cham­pi­ons-Le­ague-Här­te­test bei Vor­jah­res­fi­na­list Tot­ten­ham Hot­spur am Di­ens­tag (21 Uhr/DAZN) be­steht er­heb­li­cher Stei­ge­rungs­be­darf.

„Wir ma­chen ein­fach zu vie­le Feh­ler. Auch schon in den Spie­len, die wir hoch ge­won­nen ha­ben. Kei­ner von uns ist mit der Art und Wei­se zuf­rie­den“, sag­te Na­tio­nal­spie­ler Jos­hua Kim­mich nach dem wa­cke­li­gen Sieg und leg­te den Fin­ger tief in die Wun­de. Selbst nach dem 2:0 durch den über­ra­gen­den Phil­ip­pe Cou­tin­ho (55.) so­wie nach dem 3:1 (79.) durch das zehn­te Sai­son­tor von Le­wan­dow­ski an den ers­ten sechs Spiel­ta­gen (Bun­des­li­ga-Re­kord) war die Par­tie nicht ent­schie­den.

Pa­der­born kam so durch Kai Prö­ger (68.) und den Sonn­tags­schuss von Ja­mi­lu Col­lins (84.) zwei­mal her­an – und war der klei­nen Sen­sa­ti­on ei­nes Punkt­ge­winns durch­aus nah. „Die Bay­ern ha­ben am En­de die Bäl­le hin­ten raus­ge­schla­gen“, sag­te SCP-Ab­wehr­hau­de­gen Uwe Hü­ne­mei­er mit ei­nem An­flug von Stolz.

Na­gels­mann – ar­mer Mann

Dass es über­haupt noch eng wer­den konn­te, „ha­ben wir uns selbst zu­zu­schrei­ben“, be­ton­te Na­tio­nal­tor­hü­ter Ma­nu­el Neu­er: „Wenn wir im ers­ten Durch­gang un­se­re Chan­cen nut­zen, dann fah­ren wir mit ei­nem Kan­ter­sieg nach Hau­se.“Das ist al­ler­dings ein recht al­tes Lied in der noch recht jun­gen Sai­son. Schon im Spit­zen­spiel jüngst bei RB Leip­zig hät­ten die Münch­ner nach ei­ner her­aus­ra­gen­den Dar­bie­tung in der ers­ten Hälf­te mehr er­rei­chen müs­sen als ei­nen Punkt. An eben je­nen Leip­zi­gern al­ler­dings zog der FC Bay­ern nun vor­bei in der Ta­bel­le. Letzt­lich schmuck­los, aber eben e«zient. „Wir sind jetzt oben, und da wol­len wir blei­ben“, mein­te Trai­ner Ko­vac.

Da wol­len die Leip­zi­ger aber auch noch ein Wort mit­re­den, auch wenn die 1:3-He­implei­te ge­gen Schal­ke ein Rück­schlag war. In je­dem Fall hat Leip­zigs Trai­ner Ju­li­an Na­gels­mann auch nach der ers­ten Nie­der­la­ge mit RB sei­nen Hu­mor nicht ver­lo­ren. „Ich ha­be noch 500 Eu­ro o¬en, weil ich mei­ne Re­gen­ja­cke oft auf dem Platz lie­gen las­se. Wenn ich das auch noch be­zah­len muss, brau­che ich ei­nen Zweit­job“, sag­te der Trai­ner über die Geld­stra­fe für sei­ne Gel­be Kar­te we­gen Me­ckerns.

Die team­in­ter­ne Geld­stra­fe war aber das kleins­te Pro­blem, das Na­gels­mann hat­te. Der Ver­lust der Ta­bel­len­füh­rung, der größ­ten­teils ent­täu­schen­de Auf­tritt

sei­ner Mann­schaft, die um­strit­te­nen Schieds­rich­ter-Ent­schei­dun­gen – all das nerv­te Na­gels­mann ko­los­sal. Und das zeig­te er auch sei­nen Spie­lern nach dem Schluss­p­fi¬ in der Ka­bi­ne. „Man hat ge­merkt, dass er ein Typ ist, der nicht ger­ne ver­liert“, ver­riet Ka­pi­tän Wil­li Or­ban.

Die Schal­ker Fans fei­er­ten da­ge­gen ih­re Ma­lo­cher in der Kur­ve noch lan­ge nach dem Ab­p­fi¬, und Trai­ner Da­vid Wa­gner schwärm­te vom un­er­müd­li­chen Kampf­geist. „Ich war be­geis­tert von dem Spi­rit der Jungs. De­nen kam in den letz­ten fünf Mi­nu­ten das Lak­tat aus den Au­gen. Das sind Lak­tat-Jun­kies“, sag­te der Trai­ner von Schal­ke 04.

Im ers­ten Du­ell mit Ju­li­an Na­gels­mann hat­te Wa­gner sei­ne Pro­fis tak­tisch und men­tal per­fekt ein­ge­stellt. Schal­ke ver­hin­der­te mit Wil­len und Glück in den ers­ten 20 Mi­nu­ten drei Leip­zi­ger Groß­chan­cen und schlug dann durch den Kopf­ball von Sa­lif Sa­né (29.) so­wie den Foul­elf­me­ter von Ami­ne Ha­rit (43.) selbst eis­kalt zu. Nach der Vor­ent­schei­dung durch Rab­bi Ma­ton­do (59.) ge­lang RB mit dem Tor von Emil Fors­berg (83.) nur schlich­te Er­geb­nis-Kos­me­tik.

„Men­ta­li­tät schlägt manch­mal auch Qua­li­tät. Wir ha­ben ein gei­les Spiel ge­macht“, sag­te Schal­ke-Tor­wart Alex­an­der Nü­bel. Der 22-Jäh­ri­ge hat­te die Kö­nigs­blau­en mit zwei sen­sa­tio­nel­len Re­fle­xen im Spiel ge­hal­ten. Dass er sich den Schuss von Fors­berg kurz vor Schluss selbst ins Tor box­te – ge­schenkt. Nü­bels Zu­kunft ist wei­ter un­ge­wiss. Fest steht aber: Ei­nen ab­lö­se­frei­en Wech­sel zu RB wird es nicht ge­ben. Nach jet­zi­gem Stand wür­de sich Nü­bel sport­lich auch nicht son­der­lich ver­bes­sern.

Fo­to: Ron­ny Hart­mann/afp

Schal­ke-Tor­wart Alex­an­der Nü­bel zeigt beim 3:1-Er­folg in Leip­zig groß­ar­ti­ge Reexe, aber am Schluss leis­tet er sich doch noch ei­nen Pat­zer.

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