Langstre­cken­läu­fer kämp­fen mit Ka­tars Kli­ma

Haller Tagblatt - - SPORT - Von Ma­nue­la Ha­rant

Nach frag­wür­di­gen Ma­ra­thon- und Ge­her-Wett­be­wer­ben so­wie dem Zu­sam­men­bruch von Ali­na Reh wächst die Kri­tik an der WM-Ver­ga­be.

s war schon skur­ril: Aus­ge­rech­net als Bun­des­trai­ner Chris­ti­an Weiß gera­de er­klär­te, dass „al­les nach Plan“läuft, brach Ali­na Reh vom SSV Ulm 1846, mit Ma­gen­krämp­fen zu­sam­men. Der Ver­such, bei ih­rem ers­ten WM-Ren­nen über 10 000 Me­ter in Do­ha ei­ne Top-12-Plat­zie­rung zu er­rei­chen platz­te, das Ren­nen war ge­lau­fen. Die 22

Jah­re al­te Laichin­ge­rin wur­de mit star­ker Übel­keit im Roll­stuhl in die Ka­ta­kom­ben des Kha­li­fa-Sta­di­ons ge­fah­ren und muss­te me­di­zi­nisch ver­sorgt wer­den. Die Ent­war­nung kam zwar prompt, doch Trai­ner Weiß wirk­te an­ge­sichts des plötz­li­chen Zu­sam­men­bruchs rat­los. „Sie ist wie ge­plant 75er-Run­den ge­lau­fen und lag auf Best­zeit­kurs“, wun­der­te sich der Bun­des­trai­ner.

So­wohl der Ge­ne­ral­di­rek­tor des Deut­schen Leicht­ath­le­tik-Ver­ban­des, Id­riss Gon­sch­in­s­ka, als auch Ali­na Rehs Heim­trai­ner fan­den schnell ei­ne Er­klä­rung: „Das ist si­cher­lich mit den be­son­de­ren Be­din­gun­gen hier vor Ort“zu be­grün­den, sag­te Gon­sch­in­s­ka. Ge­meint war na­tür­lich

Edas Ex­trem-Kli­ma in Ka­tar mit ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren und feuch­ter Luft drau­ßen so­wie kli­ma­ti­sier­te, tro­cke­ne Räu­me drin­nen – auch im ge­kühl­ten Sta­di­on. „Ich glau­be, es war der Wech­sel von heiß zu kalt“, mein­te Ali­na Reh. „Die kli­ma­ti­schen Um­stän­de rund um die WM sind mehr als frag­wür­dig“, kri­ti­sier­te ihr Heim­trai­ner vom SSV Ulm 1846, Jür­gen Aus­tin-Kerl. „Für je­den, der dort aus­trai­niert hin­geht,

ist in den Start­blö­cken erst­mals ist das ei­ne ho­he zu­sätz­li­che kör­per­li­che Be­las­tung.“

Ath­le­ten als „Ver­suchs­tie­re“

Die in­ter­na­tio­na­le Läu­fer­sze­ne schlug noch här­te­re Tö­ne an. „Da drau­ßen ha­ben sie uns in ei­nen Back­ofen ge­scho­ben. Sie ha­ben aus uns Meer­schwein­chen ge­macht, Ver­suchs­tie­re“, sag­te der fran­zö­si­sche Ge­her Yo­hann Di­niz nach dem 50 km Ren­nen. Da­zu muss man wis­sen: Der 41-Jäh­ri­ge ist nicht ir­gend­wer in der Sze­ne, son­dern Welt­re­kord­ler und 50-km-Welt­meis­ter von 2017. Di­niz weiß, was Lei­den sind: Bei Olym­pia in Rio brach Di­niz zu­sam­men, er ging wei­ter, Ma­gen und Darm re­bel­lier­ten für je­der­mann sicht­bar, Di­niz kämpf­te sich ins Ziel. In Do­ha aber warf der wohl här­tes­te al­ler Ge­her nach nicht ein­mal 20 Ki­lo­me­tern das Hand­tuch.

Die WM-Wett­kämp­fe im Ma­ra­thon und Ge­hen wur­den zur be­fürch­te­ten Hit­ze­schlacht. Beim Frau­en-Ma­ra­thon bei 32 Grad und 73 Pro­zent Luft­feuch­tig­keit ga­ben 28 von 68 Star­te­rin­nen auf, 30 Läu­fe­rin­nen muss­ten sich in me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung be­ge­ben – und das, ob­wohl es der mit Ab­stand lang­sams­te Ma­ra­thon der Ge­schich­te war.

Ei­ne Dis­kus­si­on über Sinn oder Un­sinn, die WM in den Wüs­ten­staat Ka­tar zu ver­ge­ben, hielt IOC-Prä­si­dent Tho­mas Bach „für mü­ßig“. Viel­mehr ho¯te er, dass der Welt­ver­band IAAF „die rich­ti­gen Maß­nah­men“tre¯e, um das „für die Ath­le­ten dann Er­träg­li­che zu ma­chen“, sag­te der Chef des In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees. Ka­tar gilt als Olym­pia-Be­wer­ber in spé.

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