Lust­voll rei­sen im Kunst-Kos­mos

Haller Tagblatt - - ANZEIGEN - Von Bet­ti­na Lo­ber

Mit rund 170 Wer­ken in­ter­na­tio­na­ler Künst­ler bie­tet die Kunst­hal­le Würth in Schwä­bisch Hall er­neut ei­nen fa­cet­ten­rei­chen Streif­zug durch die Samm­lung Würth, die ste­tig wächst.

Sie scheint un­er­schöpf­lich, die­se Samm­lung Würth. Der ers­te Teil der Samm­lungs­aus­stel­lung mit Neu­er­wer­bun­gen un­ter dem Ti­tel „Wo­hin das Au­ge reicht“und mit Marc Quinns hyp­no­tisch wir­ken­dem Wel­ten­au­ge „The Eye of His­to­ry“als Mar­ken­zei­chen ist noch in bes­ter Er­in­ne­rung. Schon folgt nach ei­nem In­ter­mez­zo hoch­ran­gi­ger Kunst­gäs­te aus dem Mu­sée d’Art mo­der­ne de la Vil­le de Pa­ris nun die Fort­set­zung des Streif­zugs durch die Neu­er­wer­bun­gen. „Mit gro­ßem Ver­gnü­gen tau­chen wir ein wei­te­res Mal in die Neu­er­wer­bun­gen der Samm­lung Würth der letz­ten zehn Jah­re ein“, er­klärt Samm­lungs­di­rek­to­rin Syl­via We­ber.

Er­neut speist sich die ak­tu­el­le Schau al­so aus dem enor­men, mehr als 18 000 Wer­ke um­fas­sen­den Samm­lungs­fun­dus des Un­ter­neh­mers Rein­hold Würth, den es reizt, im­mer wie­der neue An­sät­ze, An­re­gun­gen und Sicht­wei­sen

di­ne zu ent­de­cken. Und das sol­len Zeit­phä­no­me­ne, su­chen nach Aus­stel­lungs­be­su­cher eben­so Neu­em, set­zen sich aber auch mit kön­nen. Cha­rak­te­ris­tisch für die an­de­ren Kul­tur­dis­zi­pli­nen wie LiSamm­lung Würth ist ih­re grund- te­ra­tur, Thea­ter und Kunst­ge­schich­te sätz­li­che Oˆen­heit. Die­se soll aus­ein­an­der. Der Rund­gang sich frei­lich auch in der ak­tu­el­len durch die fa­cet­ten­rei­che Schau mit dem be­zeich­nen­den Schau in Hall ist in acht Ab­schnit­te ge­glie­dert. War in Teil eins der Samm­lungs­aus­stel­lung der Blick eher auf Eu­ro­pa ge­rich­tet, so nimmt dies­mal die Kunst der US-Ame­ri­ka­ner in der Aus­stel­lung „Lust auf mehr“gro­ßen Raum. Das sei durch­aus wört­lich zu ver­ste­hen, lässt Syl­via We­ber durch­bli­cken: „Die gro­ßen For­ma­te – das ist sehr ame­ri­ka­nisch.“ Bea­te El­sen-Schwed­ler

Ti­tel „Lust auf mehr“zei­gen.

Die Schau ver­sam­melt Wer­ke, die vor al­lem seit den 1960er-Jah­ren ent­stan­den sind. Die rund 170 Ex­po­na­te stam­men von et­wa 70 in­ter­na­tio­na­len Künst­lern. Die­se be­ar­bei­ten in ih­ren Ge­mäl­den, Skulp­tu­ren, Ob­jek­ten un­ter­schied­li­che The­men, kom­men­tied­ren

Da­vid Lynch als Ma­ler

In der Kunst­hal­le Würth sind Wer­ke von so be­deu­ten­den Künst­lern wie John Bal­des­sa­ri, Sam Fran­cis oder auch Da­vid Lynch zu se­hen. Letz­te­rer dürf­te ei­nem brei­ten Pu­bli­kum eher als Re­gis­seur und Pro­du­zent zu­wei­len alb­traum­haft und sur­rea­lis­tisch an­mu­ten­der Fil­me wie et­wa „Era­ser­head“(1977), „Du­ne – Der Wüs­ten­pla­net“(1984), „Wild at Heart“(1990) „Twin Peaks“(1992) oder „Mul­hol­land Dri­ve“(2001) be­kannt sein. In Schwä­bisch Hall tritt er nun als Ma­ler be­un­ru­hi­gen­der Bil­der auf, die ei­ne mor­bi­de und be­droh­li­che At­mo­sphä­re aus­strah­len. Dem­ge­gen­über ste­hen wie­der­um die ma­kel­lo­sen, durch­ge­styl­ten Por­träts und Land­schaf­ten des 1927 in Brook­lyn ge­bo­re­nen Ma­lers Alex Katz.

Wie eu­ro­päi­sche Künst­ler auf die Ar­beit ih­rer ame­ri­ka­ni­schen Kol­le­gen re­agie­ren, soll eben­so ge­zeigt wer­den. Ge­org Ba­se­litz, Mar­kus Lü­pertz, Jörg Im­men­dorˆ, Ger­hard Rich­ter, Arnulf Rai­ner und Ma­ria Lass­nig fin­den bei­spiels­wei­se zu­rück zu Fi­gu­ra­ti­on und Mo­der­ne, wie Syl­via We­ber und ih­re Stell­ver­tre­te­rin Bea­te El­sen-Schwed­ler im Aus­stel­lungs­ka­ta­log er­klä­ren.

Et­li­che nun in Hall ge­zeig­ten Wer­ke sind zum ers­ten Mal bei Würth zu se­hen. Sie ka­men durch den Er­werb von Tei­len der ehe­ma­li­gen ös­ter­rei­chi­schen Samm­lung Essl aus Klos­t­er­neu­burg in die Samm­lung Würth.

Kunst aus Ko­kos­milch

Mit sei­nem Wel­ten­au­ge hat Marc Quinn be­reits im ers­ten Teil der Samm­lungs­aus­stel­lung („Wo­hin das Au­ge reicht“) die Auf­merk­sam­keit der Be­su­cher auf sich ge­lenkt. Das dürf­te ihm dies­mal er­neut ge­lin­gen – mit sei­ner Ar­beit „The Ori­gin of the Spe­cies“: Sie be­steht aus ei­ner Ab­for­mung des Kop­fes des Künst­lers aus ge­fro­re­ner Ko­kos­milch. Zu dem 1993 ge­schaˆenen Kunst­werk ge­hört al­so auch ein Glas­kas­ten samt Kühl­ag­gre­gat – ein Werk, das nur mit ho­hem tech­ni­schem Auf­wand über­le­ben kann und si­cher­lich zahl­rei­che Fra­gen auch um die Fra­gi­li­tät des mensch­li­chen Le­bens auf­wirft. So lädt die Kunst­hal­le Würth ein, mit Neu­gier und Lust durch den Kunst-Kos­mos zu rei­sen.

Es war da­mals schon klar, dass wir ei­nen Teil zwei ge­stal­ten wer­den.

Fo­to: Samm­lung Würth

Der 1977 in Köln ge­bo­re­ne Künst­ler Tim Ernst ver­ar­bei­tet in sei­nem 2017 ge­scha“enen Werk „Lo­ve ri­sing“Öl­far­be, ge­press­tes Schnee­glöck­chen und Mi­nia­tur auf Lein­wand.

Fo­to: Jo­hann Litt­ke­mann

Be­reits 2008 hat die Kunst­hal­le Würth in ei­ner Werk­schau ak­tu­el­le Ar­bei­ten von Ge­org Ba­se­litz ge­zeigt. Nun ist sein Öl­ge­mäl­de „Vier Strei­fen Jä­ger (Re­mix)“von 2007 zu se­hen.

Marc Quinns Ar­beit „The Ori­gin of Spe­cies“von 1993 be­steht aus ge­fro­re­ner Ko­kos­milch.

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